Rentner macht Nachbarn das Leben zur Hölle

Gevelsberg..  „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, heißt es bei Friedrich Schiller in „Wilhelm Tell“. Genau so fühlt sich eine 51-jährige Gevelsbergerin. Seitdem sie mit Mann und Kindern vor 15 Jahren eine Doppelhaushälfte in Silschede gekauft hat, habe sie kaum eine ruhige Sekunde gehabt. Immer wieder habe der unmittelbare Nachbar sie belästigt, beleidigt, bedroht und geradezu gestalkt.

„Es ist ein absoluter Alptraum“, sagte sie nun vor dem Schwelmer Strafgericht. Wegen mehrfacher Beleidigung hatte sie ihren 81-jährigen Nachbarn angezeigt.

Die Wortwahl, die der ältere Herr laut Anklageschrift benutzt haben soll, ist derartig übel, dass sie kaum druckbar ist – harmlos noch Beschimpfungen wie „Mist-Ossi, Neuwessi, Schlampe, blödes Stück“. Alles Weitere ging noch deutlicher unter die Gürtellinie. „Alles komplette Lüge!“, meinte der Angeklagte, der ausgerechnet am Verhandlungstermin seinen 81. Geburtstag feierte. Im Lauf des dreistündigen Verfahrens wurde der Gevelsberger, der seit 40 Jahren in der anderen Doppelhaushälfte wohnt, immer aufgebrachter, fasste sich mehrfach ans Herz.

Nichts ließ er aus, seine Nachbarn schlecht zu machen. „Bekannte haben mich gewarnt, die kämen aus dem Osten. Vor solchen bekommst Du keine Ruhe!“ – „Sie sollten mal gucken, wie die die Wäsche aufhängt. Das habe ich ihr mal gesagt, daran erkennt man nämlich ihren Charakter!“ – „Die machen ihren Grill an und wedeln den Rauch zu uns rüber.“ – „Ihr Kaninchen lief bei uns durch den Garten und ihr Köter hat in meinem Garten einen Haufen gemacht!“ Der Senior war gar nicht zu bremsen.

Die 51-Jährige indes blieb ruhig, machte einen sehr traurigen Eindruck und zeigte, wie Staatsanwaltschaft und Gericht letztlich beurteilten, keinerlei überschüssige Belastungstendenz. „Die Haushälfte war unser Traum. Die Nachbarn wurden uns verschwiegen. Wir wollen doch nur in Ruhe leben!“ Doch vom ersten Tag an habe es nicht gepasst. „Immer nur Streit, Streit, Streit! Termine bei einem Schiedsmann waren vergeblich. Verkaufen können wir aus finanziellen Gründen nicht“, so die Kosmetikerin.

Geldstrafe für renitenten Rentner

Und wenn der 81-Jährige auch noch so wetterte, sein persönlicher Eindruck vor Gericht verleitete den Vertreter der Staatsanwaltschaft im Plädoyer tatsächlich zu der Aussage: „Ich habe zehn Jahre Berufserfahrung und das Folgende noch nie zu einem Angeklagten gesagt: Sie sollten sich schämen!“

Das Strafgericht kam seinem Antrag nach und verurteilte den Rentner zu 1200 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung.