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Rauchverbot geht auf die Ohren

13.01.2012 | 18:34 Uhr
Rauchverbot geht auf die Ohren

Ennepetal. In NRW soll künftig ein ebenso strenges Rauchverbot herrschen wie in Bayern – diese Nachricht kommt bei Helga Geisert und Günter Hildebrand gar nicht gut an. Das heißt aber nicht, dass das Paar das Rauchen etwa gutheißen will – nein, die beiden haben wegen eines ganz anderen Problems schlaflose Nächte. Und das lag bei der Diskussion um das Rauchverbot bisher im Nebel: Lärmbelästigung.

Seitdem in der Szenenkneipe in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft in der Voerder Straße nicht mehr geraucht werden darf, ist es von Freitagabend bis Sonntag vorbei mit der Nachtruhe.

„Und das schon ganz extrem seit zwei Jahren“, wie Helga Geisert berichtet. Auch ihr Lebensgefährte Günter Hildebrand, der viele Jahre die gleichnamige Bäckerei erfolgreich geführt hat, ist schier verzweifelt über die Situation.

„Ab Mitternacht geht es erst richtig los. Durch das Rauchverbot stehen in Intervallen die Besucher unter unseren Fenstern, in Hauseingängen. Dort wird geraucht, laut telefoniert, sich erbrochen und uriniert“, berichten sie. Hinzu kommt, dass die ganze Nacht über die Motoren brummten und aufheulten. Es werde gehupt, laut gestritten und gegrölt.

Das Rauchverbot habe diese unerträgliche Situation verschärft. Sohn Gregor hat es schon nicht mehr ausgehalten. Er zog aus.

Man habe mehrfach mit dem Wirt und den Hausbesitzern gesprochen. Diese zeigten sich zwar auch bestürzt, aber geändert habe sich leider nichts. Enttäuscht sind Helga Geisert und Günter Hildebrand aber auch von den Behörden.

„Die Hilfsangebote des Ordnungsamtes und der Polizei sind bis jetzt sehr enttäuschend. Wir werden mit dem Problem allein gelassen, so empfinden wir es. Wir rufen die Polizei. Sie kommt. Aber dann hat sich das Problem meist schon von selbst erledigt und die Krachmacher und Störenfriede sind wieder in der Kneipe.“ Die Polizisten würden zwar mit Wirt und Gästen sprechen, doch das ändere auch nichts. „Was sollen sie auch machen? Die Situation können die Beamten auch nicht ändern.“

Im Sommer sei es natürlich besonders schlimm. Aber auch jetzt sei es unmöglich, ein Fenster zu öffnen.

Helga Geisert und Günter Hildebrand fühlen sich der Situation hilflos ausgeliefert. „Wir drehen uns im Kreis.“

Auch Frank Springorum, der jetzige Besitzer der Bäckerei, ist verärgert. Zu der Lärmbelästigung komme auch eine erhebliche Verschmutzung dazu. Flaschen und Gläser, Kippen und Papier würden auf den Bürgersteig geworfen.

Springorum weiß, wovon er spricht. Schließlich kommt der Bäcker in aller Regel um drei Uhr in der Frühe in seinen laden. Da herrscht vor der Türe Hochbetrieb. Doch bevor Springorum sein Tagewerk überhaupt beginnen kann, ist er erstmal damit beschäftigt, Scherben, Papier, Unrat und Erbrochenes vor seinem Laden zu beseitigen. „Um fünf Uhr kommen die ersten Kunden. Da muss alles sauber sein“, so Springorum. Zudem ziehe der Qualm in sein Geschäft, so dass er lüften müsse, weil er den Gestank den Kunden nicht zumuten wolle. Ein weiteres Problem: Weil der Kneipenbetrieb zeitweise von innen nach außen verlagert wird, laufen auch alkoholisierte ungebetene Gäste aus benachbarten Wirtschaften auf.

Auch der Wirt sei hilflos, so Springorum. Er könne die Gäste draußen ja nicht beaufsichtigen.

Viel Rauch um nichts? Finden Helga Geisert und Günter Hildebrand überhaupt nicht. Denn hinzu kommt für sie eine weitere Sorge: „Rücksichtslosigkeit und Lärm machen uns noch krank.“

Sabine Nölke

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Kommentare
15.01.2012
18:24
Openpetition Kein neues Nichtraucherschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen
von Freedom11 | #2

Das mit der Lärmbelästigung kann ich schon nachvollziehen. Auch wenn nur 2 Menschen vor/unter einem geöffneten Schlafzimmerfenster stehen, kann das schon zu viel sein. Wie wird das erst für die Anwohner, wenn ein totales Rauchverbot - wie von Barbara Steffens gefordert - eingeführt werden soll? Da hilft nur eines, die Petition für die Beibehaltung des aktuellen Nichtraucherschutzgesetzes unterschreiben:

http://www.openpetition.de/petition/online/kein-neues-nichtraucherschutzgesetz-in-nordrhein-westfalen

1 Antwort
Rauchverbot geht auf die Ohren
von Blaudunst | #2-1

Ja, die Petition unbedingt unterschreiben und den Freuden auch sagen, dass es sie gibt.
Bei uns in Bayern sieht man ganz drastisch die Folgen des totalen Rauchverbotes: Die älteren Raucher tun sich das nicht an, vor der Tür wie ein Hund zu stehen und dort zu rauchen und feiern privat. Deshalb haben viele Wirte Umsatzeinbüße und einige mussten schon schliessen.
Die meisten jüngeren Raucher gehen dann doch in den Lokalen, bleiben aber lange Zeit draussen, manchmal nehmen sie das Getränk auch mit. In München-Schwabing kann man sogar im Winter vor jeder Kneipe mindestens 2-3 Leute sehen, manchmal eine ganze Gruppe. Das produziert schon Lärm (auch wenn sie sich nur ganz normal unterhalten). Dann kriegen die Wirte Ärger mit den Anwohnern.
Die jungen Menschen wollen aber feiern und Spaß haben und sie haben oft nicht die Möglichkeit, das privat zu machen.
Es wäre doch so einfach, wenn es genügend R- und NR-Lokale geben würde, nicht wahr? Genügend Lokale insgesamt gibt es ja, nur eine hysterisierte Ideologie verhindert eine vernünftige und menschenfreundliche Lösung.

14.01.2012
13:50
Rauchverbot geht auf die Ohren
von kuhgummikuh | #1

Kann ich nicht nachvollziehen diese Situation, wo Raucher sich doch immer als äußerst rücksichtsvoll ihren Mitmenschen gegenüber darstellen.

1 Antwort
Rauchverbot geht auf die Ohren
von OldericoRosso | #1-1

genau, im Gegensatz zu den ach so toleranten Nichtrauchern...

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