Rätselraten um den Chef im Rathaus

Schwelm..  Das Jahr 2015 könnte für Bürgermeister Jochen Stobbe zum Schicksalsjahr werden. Denn die nächsten turnusmäßigen Wahlen für Landräte und Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen, die nicht am 25. Mai 2014 neu gewählt wurden, finden am 13. September 2015 statt. Und dann muss sich der Amtsinhaber an seinen Erfolgen messen lassen und sich erneut dem Votum der Bürger stellen – vorausgesetzt, er strebt auch eine zweite Amtszeit an.

Stobbe hat sich noch nicht erklärt

Doch genau in der Erklärung zur zweiten Amtszeit liegt der Knackpunkt. Bis auf den heutigen Tag hat Jochen Stobbe sich noch nicht geäußert, ob er auch weiterhin für das Amt des Ersten Bürgers auf dem Chefsessel im Rathaus kandidieren möchte. Auch seine SPD hält sich in dieser Frage merklich zurück.

Doch auch die Opposition hat sich mit der Bekanntgabe ihrer Pläne für die Bürgermeisterwahl schwer getan. Erst am 6. Dezember 2014 hatte ein Kandidatensuchungs-Bündnis aus CDU, Bündnis 90/Die Grünen und SWG/BfS angekündigt, gemeinsam einen Bürgermeisterkandidaten per Stelleninserat suchen zu wollen. Und knapp eine Woche später war auch die Schwelmer FDP auf diesen Zug aufgesprungen.

Wenn sich jetzt der geneigte Leser dieser Zeilen verwundert die Augen über dieses Prozedere reibt, kann ich dies nachvollziehen. Mir erging es ähnlich. Für die Initiatoren der Kandidatensuchaktion ist es der Stein der Weisen, den sie meinen gefunden zu haben. Es gibt aber auch nicht wenige, die in der gemeinsamen Kandidatensuche eine Bankrotterklärung der Oppositionsfraktionen im Rat der Stadt Schwelm sehen. Es fehlen aber noch zwei handelnde Akteure auf der politischen Bühne: Die Linken und die neue Partei „Die Bürger“. In den Reihen der Linken ist der Meinungsbildungsprozess zur Bürgermeisterwahl noch nicht abgeschlossen. Einen eigenen Kandidaten aufstellen wolle man eher nicht, war zu vernehmen. Mit einer Wahlempfehlung könne man eher leben. Dabei machen die Linken keinen Hehl aus ihrer politischen Gesinnung. Sie verbinden mehr Gemeinsamkeiten mit den Sozialdemokraten als mit einem bürgerlichen Bündnis.

Und die Bürger? Ihre Wähler kamen aus den Reihen der Mütter, Väter und Großeltern, die gegen die Grundschulschließungen waren. Mit vier Sitzen im Stadtrat sind sie drittstärkste Fraktion im Schwelmer Rathaus. Sie wollen „neutral“ bleiben, behalten sich jedoch vor, einen in ihren Augen „geeigneten Kandidaten“ zu unterstützen.