Putzlappen zerstören Pumpen im Klärwerk

Die Reste der Putzlappen müssen mit dem Schlamm in Handarbeit entsorgt werden, da sonst die Pumpen festlaufen.
Die Reste der Putzlappen müssen mit dem Schlamm in Handarbeit entsorgt werden, da sonst die Pumpen festlaufen.
Foto: WP

Schwelm..  Das Klärwerk des Wupperverbands in Schwelm hat ein Putzlappenproblem, genauer gesagt, die Technischen Betriebe Schwelm und damit die Schwelmer Bürger. Denn weil die textilen Stofffetzen im Abwasser die Pumpen im Klärwerk verstopfen, könnten letztendlich die Einwohner die Beseitigung des Schadens über ihre Gebührenrechnung bezahlen.

Lappen hart wie Beton

Damit es erst gar nicht so weit kommt, gehen TBS und Wupperverband mit diesem Problem an die Öffentlichkeit. Eigentlich sollte alles klar sein: Putzlappen gehören nicht in den Kanal bzw. ins Abwasser. Doch seit sechs Monaten sieht das wohl ein Betrieb in der Kreisstadt anders. Denn nur so können sich die Verantwortlichen das massive Auftreten der Putzlappen erklären. Das Problem tritt immer auf, wenn es Starkregenereignisse gibt. In solchen Fällen wird ein Teil der Niederschläge in einem Regenüberlaufbecken gesammelt, das den Zufluss zum Klärwerk reguliert.

Ist der Regen vorbei, wird das gesammelte Wasser im Becken durch zwei große Pumpen mit einer Leistung von je 5,5 kW kontrolliert zugeführt. Aber durch die Putzlappen setzen sich die Pumpen zu und beschädigen auch die Flügelräder. Die Folge für den Wupperverband: Zwei Mitarbeiter sind einen Tag lang damit beschäftigt, die Pumpen auszubauen und mit viel Handarbeit wieder gängig zu machen. Auch das Becken muss in Handarbeit von den Putzlappenresten gereinigt werden – besonders im Sommer wegen der Fäkalienreste eine nicht gerade angenehme Tätigkeit. Solch eine Reinigungsaktion kostet schon mal 1000 Euro.

„Dieses Problem in der Form haben wir bisher noch nie erlebt“, sagt Eckhard Kissler, Abwassermeister des Klärwerks. „Das ist für unsere Mitarbeiter eine richtige Maloche. Die müssen mit der Brechstange ran. Durch die Rotation sind die Putzlappen in den Pumpen nachher hart wie Beton“, pflichtet ihm Betriebsleiter Frank Schmidt bei. Drei Störfälle hat es allein in den letzten vier Monaten gegeben. Der jüngste Vorfall ereignete sich am 11. Februar, da waren die Pumpen wieder so verstopft, das sie ausfielen. „Wir haben schon überlegt, einen Käfig vor die Pumpen zu setzen. Doch der Aufwand im Nachhinein wäre der Gleiche“, so Eckhard Kissler.

Angeln auch Stacheldraht

Im Prinzip sind auch die TBS und somit die Stadt in der Pflicht. Die Stadt Schwelm ist die Betreiberin des Kanalnetzes und muss dafür Sorge tragen, dass das Abwasser der Verordnung entsprechend beim Klärwerk ankommt. Und Putzlappen im Schmutzwasser sieht die Verordnung eben nicht vor.

Jetzt wird detektivische Kleinarbeit geleistet. An Knotenpunkten im Kanal haben die TBS „Angeln“ aus Stacheldraht montiert, um den Weg der Putzlappen zurückverfolgen zu können. Bleiben die Lappen an den Angeln hängen, soll somit der Verursacher gefunden werden. Einmal in der Woche werden diese „Angeln“ kontrolliert. „Wir haben eine Abwasserverordnung. Danach können Verursacher, die nicht erlaubte Einleitungen vornehmen, mit einem Ordnungsgeld bis 50 000 Euro bestraft werden“, sagt Karsten Migchielsen, Technischer Leiter der TBS. Eine Spur hat Eckhard Kissler schon gefunden: „Die Lappen kommen über den Talstraßenkanal.“

Karsten Migchielsen, der Fachmann von den TBS, ist sich aber sicher, das kein Vorsatz im Spiel ist. „Wir unterstellen keinen bösen Willen. Oft ist bei solchen Fällen einfach Gedankenlosigkeit im Spiel.“