Prominenter Besuch und eine hohe Spende

Der Stadtbücherei haben die Mentoren eine Leseecke spendiert, in der auch die Lesehelfer in Ruhe neue Bücher für ihre Arbeit entdecken können.
Der Stadtbücherei haben die Mentoren eine Leseecke spendiert, in der auch die Lesehelfer in Ruhe neue Bücher für ihre Arbeit entdecken können.
Foto: WP

Gevelsberg..  In Gevelsberg fehlt es sicherlich nicht an dem Engagement der Bürger für ihre Stadt. Im vergangenen Jahr ist eine Initiative hinzu gekommen, die eine kaum zu glaubende Energie entwickelte, um den Kindern der Stadt eine bessere Zukunftschance zu geben: Mentor, die Lesehelfer. Vor zwölf Monaten startete das Projekt nach einer Vorbereitungsphase. Ein wenig gefeiert wird der Jahrestag am Donnerstag, dem 15. Januar, ab 19 Uhr, natürlich in einer Schule: In der Aula des Schulzentrums West.

Schirmherr von Mentor

Dann steht ein prominenter Gast auf der Bühne und es gibt auch noch eine dicke Spende. Die Drogeriemarkt-Kette Rossmann, die unter anderem eine Filiale in Ennepetal hat, überreicht der Gevelsberger Mentor-Gruppe einen Scheck über 3000 Euro. Unternehmer Dirk Roßmann gehört von Anbeginn an zu den Förderern der Mentor-Idee und hilft regelmäßig finanziell und organisatorisch. Die Drogeriemarktkette finanziert auch ab diesem Jahr einen hauptamtlichen Mitarbeiter für die Geschäftsstelle des Bundesverbandes. Bei der Veranstaltung in Gevelsberg wird auch Margret Schaaf, die Bundesvorsitzende von Mentor, zugegen sein.

Mit dabei ist auch der Schirmherr von Mentor, Richard David Precht. Er spricht zu dem Thema: „Anna, die Schule und der liebe Gott“. Precht – Philosoph, Publizist und Autor – wurde 1964 in Solingen geboren. Er promovierte 1994 an der Universität Köln und war fünf Jahre Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Schulpädagogik. Im Jahr 2000 wurde er mit dem Publizistikpreis für Biomedizin ausgezeichnet. Mit seinem Philosophiebuch „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“, das seit fünf Jahren auf der Sachbuch-Bestsellerliste steht, begeisterte er Leser wie Kritiker. Auch seine Bücher „Liebe. Ein unordentliches Gefühl“, „Die Kunst, kein Egoist zu sein“ und „Warum gibt es alles und nicht nichts?“ waren weitere große Bestsellererfolge. Als Honorarprofessor lehrt er Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin. Seit September 2012 moderiert er die ZDF-Philosophiesendung „Precht“.

Der Spiegel schreibt über seine Vorträge: „Precht spricht wie ein Buch, wie sein Buch - anekdotenreich, anschaulich, präzise, viele Fächer streifend, anregend.“ Dass diese Einschätzung stimmt, davon konnten sich viele Gevelsberger überzeugen, als Precht auf Einladung der Stadt schon einmal in der Stadt war.

Die Idee, in Gevelsberg eine Lesehelfer Gruppe zu gründen, hatte Klaus R. Wortmann, nachdem er über Mentor und deren Arbeit in Sprockhövel in unserer Zeitung gelesen hatte. Mentor arbeitet nach dem Prinzip 1:1. Ein Lesehelfer beschäftigt sich eine Stunde lang in der Schule mit einem Kind. „Wichtig ist, dem Mädchen oder dem Jungen auch das Gefühl zu geben, dass es seine Stunde ist.

„Ich unterstütze die Arbeit von Mentor, weil man durch niemanden so gut lernt wie durch ein Vorbild - durch einen Menschen, der einen ernst nimmt und sich um einen kümmert”, sagt Precht dazu und analysiert weiter: „Man kann die Hilfe beim frühkindlichen Lesen, die die Mentoren mit dem Eins-zu-Eins-Prinzip den Kindern und Jugendlichen anbieten, nicht hoch genug schätzen.“

„Früher“, so Bürgermeister Claus Jacobi, der auch bei der Veranstaltung dabei sein wird, „war es für uns Kinder ganz selbstverständlich, dass vorgelesen wurde. So sind wir an das Buch gekommen.“ Inzwischen würden sich kaum noch Erwachsene dafür Zeit nehmen, den Umgang mit der Sprache zu üben. Der Verein Mentor schließe die Lücke und habe sich zu einer Lobby für benachteiligte Kinder entwickelt.

75 Kinder werden gefördert

Gestartet wurde das Projekt vor einem Jahr an den drei Grundschulen Strückerberg, Pestalozzi und Schnellmark. Aber, das Projekt ist schnell aus den Kinderschuhen gekommen. Inzwischen werden 75 Kinder in Gevelsberg an den Grundschulen und an der Haupt-und Förderschule gefördert. Die Lehrer merken, dass sich die Noten verbessern und damit die Zukunftschancen steigen. Die Nachfrage an Mentoren ist groß, die Lesehelfer können jeden gebrauchen, der Spaß an der Arbeit mit Kindern hat.