Probleme mit den Behindertenparkplätzen

Der Ortstermin am Haus Martfeld zeigt: Für ein Behinderten-Fahrzeug mit Seitenausstieg reicht die Breite eines Behindertenparkplatzes nicht aus.
Der Ortstermin am Haus Martfeld zeigt: Für ein Behinderten-Fahrzeug mit Seitenausstieg reicht die Breite eines Behindertenparkplatzes nicht aus.
Foto: WP

Schwelm..  Rollstuhlfahrer sind in besonderem Maße darauf angewiesen, mobil zu sein. Das sagt Detlef Wapenhans. Der 44-Jährige SPD-Ratsherr aus Schwelm ist daher froh, ein speziell umgebautes Fahrzeug zu besitzen. Die Mobilität hat jedoch ihre Grenzen. Denn die allermeisten Behindertenparkplätze, nicht nur die im Ennepe-Ruhr-Kreis, sind viel zu klein für die speziell umgebauten Fahrzeuge. Wapenhans weist auf ein Problem hin, dass vielen gar nicht bewusst ist.

Wapenhans, der wegen Muskelschwunds seit 18 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist, bewahrt sich seine Mobilität durch einen auf seine Bedürfnisse hin umgebauten VW T 5. Mit der linken Hand gibt er Gas, mit der rechten lenkt er. Ins Fahrzeug bzw. aus dem Fahrzeug heraus kommt er seitlich mittels einer Hub-Rampe. Seiteneinstiege seien heute üblich, erzählt Wapenhans. Bei früheren Modellen erfolgte der Einstieg meist vom Heck aus. Detlef Wapenhans kennt sich auch. Er engagiert sich im bundesweit agierenden Verein „Mobil mit Behinderungen“.

Behindertenparkplätze sind in der Regel 3,50 Meter breit, und genau da fängt für Autobesitzer wie Wapenhans das Problem an. Allein das Fahrzeug plus Seitenausstieg summieren sich zu einer Breite von 3,25 Metern. Um mit dem Rollstuhl von der Hub-Rampe herunterzukommen, braucht er nochmal mindestens einen Meter Platz. Macht also zusammen 4,25 Meter, und da ist noch nicht einmal der Sicherheitsabstand zum nächsten Fahrzeug oder zur Parkplatz-Seite miteingerechnet. Behindertenparkplätze mit üblicher Breite? „Da habe ich keine Chance“, sagt er.

4,55 Meter Breite benötigt

Ortstermin am Doppel-Behindertenparkplatz am Haus Martfeld: Detlef Wapenhans rangiert sein Fahrzeug rückwärts ein. Er rangiert es so geschickt, dass die Reifen nur 15 bis 20 Zentimeter vom Bordstein entfernt sind. Dann fährt er auf der anderen Wagenseite den Hub aus und manövriert den Rollstuhl auf die Metallrampe. Das Nachmessen ergibt: Selbst, wenn Wapenhans seinen Rollstuhl geschickt im ganz engen Bogen von der Rampe herunterlenkt, benötigt er einen Parkplatz mit 4,55 Metern Breite. Behindertenparkplätze, wie man sie aus dem Stadtbild kennt, sind dafür viel zu schmal.

Mit dem Thema hat sich auch der Behindertenbeirat der Stadt Schwelm in seiner jüngsten Sitzung befasst. Für den Parkplatz am Haus Martfeld ließe sich das Problem leicht lösen: Durch die Zusammenlegung beider Behindertenparkplätze zu nur einem. Ob das im Stadtgebiet auch woanders geht bzw. Sinn macht, damit will sich der Behindertenbeirat noch ausführlich befassen. Detlef Wapenhans fordert nicht. Er wünscht sich aber. Und zwar Lösungen, wie sie in Frankreich gang und gäbe sind. Breitere Behindertenparkplätze, die seitlich noch von Sperrflächen flankiert werden und außerdem mit blauer Farbe gekennzeichnet sind. Die farbliche Markierung schrecke mehr vor Missbrauch ab, als nur das übliche Verkehrszeichen. Davon ist Wapenhans fest überzeugt.

Er selbst hat leidlich Erfahrungen gemacht mit zugestellten Behindertenparkplätzen – übrigens nicht nur auf städtischen Flächen. „Ich habe schon erlebt, dass die vorm Supermarkt mit Sonderaktionsständen zugestellt waren oder im Winter dort der Schnee draufgeschüppt wurde.“

Und wie sieht die rechtliche Situation aus? Paragraph 8 des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen schreibt die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum vor. Das betrifft ausdrücklich auch alle Verkehrsflächen. Einen Rechtsanspruch auf einen breiten Behindertenparkplatz gebe es jedoch nicht, erklärte Norbert Killewald, der Beauftragte der Landesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderung in NRW. Nicht-Behinderte, die sich einen SUV kauften, hätten ja auch kein Recht auf einen breiteren Stellplatz.