Pro Familie präsentiert neues Schwelmer Team

Das neue Team  der Pro-Familia in Schwelm  stellt sich vor: (von links) Anja Zimmer, Natalie Schenk und Anja Althoff.
Das neue Team der Pro-Familia in Schwelm stellt sich vor: (von links) Anja Zimmer, Natalie Schenk und Anja Althoff.
Foto: Stefan Scherer
Was wir bereits wissen
Das Personalkarussell hat sich in der Vergangenheit bei der Pro Familia im Ibach-Haus reichlich gedreht. Nun soll mit Anja Zimmer, Natalie Schenk und Anja Althoff Ruhe einkehren.

Schwelm..  Wer die Pro-Familia-Beratungsstelle aufsucht, hat ein echtes Problem. Hierher kommen Opfer von sexualisierter und häuslicher Gewalt. Den Weg ins Ibach-Haus finden Frauen, die ernsthaft überlegen, ihr ungeborenes Kind abzutreiben. Wie wichtig es ist, dass hier niederschwellig die Hilfesuchenden empfangen werden, zeigen die nackten Zahlen – auch wenn die Pro Familia schon leichtere Jahre hinter sich gebracht hat als das vergangene.

Fehlende Nachbesetzungen

Vor allem im Personalbereich wurde das Team kräftig durcheinander gewirbelt, herrschten Vakanzen durch fehlende Nachbesetzung und lange Krankheit. „Jetzt sind wir wieder gut aufgestellt. Wir sind zwar ordentlich ausgebucht, können aber viel mehr erledigen als es zeitweise im Jahr 2014 möglich war“, sagt die Leiterin der Beratungsstelle, Natalie Schenk. Beginnen wir mit der guten Nachricht: Seit dem 1. Januar verstärkt Anja Zimmer das Pro-Familia-Team im „Kizz“-Bereich. Dahinter verbirgt sich die Kinder- und Jugendschutzambulanz gegen sexualisierte und häusliche Gewalt.

Vielfach ausgebildet

Die Essenerin ist vielfach ausgebildet, vor allem aber auf Traumatisierungen spezialisiert. „Ich habe mich ganz bewusst hier beworben, weil die Stelle bei der Pro Familia meine vorhergegangenen Tätigkeiten in Gänze abdeckt“, sagt sie und lacht herzhaft. Ihr Alltag ist jedoch weniger lustig. Die Kizz-Mitarbeiterinnen kümmerten sich um 138 Fälle, hinter denen oft heftige und erschütternde Schicksale und ganze Familientragödien stehen. Allein dies belegt, worum es beim Themengebiet sexualisierte und häusliche Gewalt oft geht: 67 Mal war eine Kindeswohlgefährdung zu Beginn der Beratung fraglich, sechsmal akut. „Die Fallzahlen stiegen in den Jahren 2013 und 2014 stark an, so dass wir dem Ennepe-Ruhr-Kreis sehr dankbar sind, dass wir seit Jahresfrist um 20 Stunden in diesem Bereich aufstocken dürfen“, sagt Natalie Schenk.

Der Kizz-Bereich habe sich erst über die Jahre aufbauen müssen, sei nun sehr gut etabliert und dank der Unterstützung durch Anja Zimmer sei neben den Beratungen nun auch wieder Präventionsarbeit möglich. Ein besonders aktuelles


Thema, das vermehrt auftritt: Intime Handyfotos, die zum Beispiel von Jugendlichen in den Schulen verbreitet werden. Auch was die Sparte Youthwork, Beratung zur Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität betrifft, klagt die Pro Familia nicht über Unterbeschäftigung. Im vergangenen Jahr war die Beratungsstelle aus personellen Gründen sogar dazu gezwungen, 69 Beratungsanfragen – davon 36 Schwangerschaftskonfliktberatungen – weiterzuverweisen.

Anspruchsvolles Bewerberprofil

Nachdem Psychologin Eva Böcker die Beratungsstelle am 1. April verlassen hatte, konnte die Stelle wegen des anspruchsvollen Bewerbungsprofils erst zum 1. November mit Anna Althoff neu besetzt werden. Gleichzeitig erkrankte die langjährige Leiterin Karin Thöne schwer, gab die Leitung an Monika Scherer weiter, die die Pro Familia EN-Süd nun gemeinsam mit Natalie Schenk führt.

Die Kölnerin stürzte sich umgehend in die Arbeit. „Ich fühle mich sehr wohl“, zieht sie ein erstes Zwischenfazit nach einem halben Jahr, macht aber auch gleich auf eine wachsende Herausforderung aufmerksam: „Nicht zuletzt durch die steigenden Flüchtlingszahlen kommen immer mehr Frauen zu uns, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Kind abzutreiben, die kein deutsch sprechen.“ Es sei sehr, sehr schwierig, Dolmetscher zu bekommen. Dies werde zwar auch oft von Verwandten und Bekannten übernommen. „Aber oft sprechen wir natürlich über Situationen, die die Familie nicht unbedingt mitbekommen soll.“

Neben den eigentlichen Beratungen besteht die Arbeit auch in diesem Bereich zu einem großen Teil aus Präventionsveranstaltungen verschiedenster Art. Denn dies ist ein immens wichtiger Teil der Pro-Familia-Arbeit – damit durch Aufklärung weniger Menschen in die Problemlagen geraten und, vielleicht noch wichtiger, damit sie wissen, an wen sie sich wenden müssen, wenn sie professionelle, unkomplizierte und niederschwellige Hilfe benötigen.