Post-Streik ausgeweitet

Ennepe-Ruhr..  Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) in Nordrhein-Westfalen hat gestern die Streiks bei der Deutschen Post AG ausgeweitet. In ausgesuchten Orten der Niederlassungen Hagen, Dortmund, Köln, Düsseldorf, Herford, Bonn, Duisburg, Münster, Essen und Siegen wurden rund 1000 Brief- und Paketzustellerinnen und -zusteller zu unbefristeten Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Millionen Sendungen

Seit Montagabend sind bereits weitere 1800 Beschäftigte aus allen 14 Briefverteilzentren im Land im Streik. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass Millionen Sendungen nicht bearbeitet und zugestellt werden können.

Verdi hat nach eigenen Angaben der Post AG nach sechs Verhandlungsrunden mit zehn Verhandlungstagen in der vergangenen Woche ein umfassendes Angebot vorgelegt, das einen Verzicht auf linearen Lohnerhöhungen und eine Änderung der Entgelttabelle vorsah. Im Gegenzug sollten die 49 Regionalgesellschaften(DHL Delivery GmbHs) unter den Haustarifvertrag der Deutschen Post AG fallen und Schutzregelungen zu Kündigungen und Fremdvergabe weiter bestehen. „Dieser Konzern hat viele Tausend Beschäftigte jahrelang mit immer neuen befristeten Verträgen gegängelt, und sie so mürbe gemacht. Dann wurden ihnen zu Jahresbeginn unbefristete Arbeitsplätze mit rund 20 Prozent weniger Verdienst angeboten“, erklärte der NRW-Fachbereichsleiter Postdienste bei Verdi, Uwe Speckenwirth. Hier von einer freiwilligen Annahme des Angebots zu reden, sei „eine Verhöhnung“ der Betroffenen.

„Die Annahme dieses Angebots ist so freiwillig, als wenn man einen Nichtschwimmer ins Wasser wirft und ihm kurz vor dem Ertrinken einen zu kleinen Rettungsring zuwirft“, sagte Speckenwirth. „Den Aktionären hat der Postvorstand dagegen bis 2020 jährlich acht Prozent mehr Gewinn in Aussicht gestellt. Die Rechnung sollen nun die Beschäftigten zahlen, indem das anerkannt leistungsfähige Zustellnetz zerschlagen wird.“