Positive Signale nach kontroverser Diskussion

Lebhafte Diskussion: In der Pausenhalle der Albert-Schweitzer-Schule hatten sich mehr als 150 Bürger aus Oberbauer und auch mehrere Vertreter des Stadtrats eingefunden, um über Sorgen und Ängste, aber auch Chancen und Hilfsmöglichkeiten bezüglich der Flüchtlingsunterbringung zu sprechen.
Lebhafte Diskussion: In der Pausenhalle der Albert-Schweitzer-Schule hatten sich mehr als 150 Bürger aus Oberbauer und auch mehrere Vertreter des Stadtrats eingefunden, um über Sorgen und Ängste, aber auch Chancen und Hilfsmöglichkeiten bezüglich der Flüchtlingsunterbringung zu sprechen.
Foto: WP

Ennepetal..  In einer kontroversen Diskussion debattierten mehr als 150 Bürger aus Oberbauer mit Vertretern der Stadtverwaltung über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen in der Albert-Schweitzer-Schule. Nachdem zunächst Kritik laut wurde, wandelte sich die Stimmung im Verlauf des Abends immer mehr. Ein großer Teil der Anwesenden in der Pausenhalle machte schließlich Hilfsbereitschaft und Aufbruchstimmung deutlich.

Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, der die Diskussion moderierte, hatte zu der Bürgerversammlung eingeladern, weil die Stadt dringend neue Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge benötigt. Das Übergangswohnheim an der Heimstraße ist schon seit einiger Zeit voll belegt, die beiden in Hasperbach angemieteten Wohnhäuser (die die Stadt bald kaufen wird), werden in wenigen Wochen auch belegt sein. Spätestens Mitte August könne die Stadt die zugewiesenen Flüchtlinge nicht mehr unterbringen.

„Wir haben die Situation, dass die Albert-Schweitzer-Schule ab Sommer frei ist“, erklärte Wiggenhagen. Die Förderschule wird aufgelöst. „Die Schule ist wegen ihrer baulichen Gegebenheiten gut geeignet“, erläuterte der Bürgermeister. Ein Umbau sei mit relativ wenig Aufwand möglich. Nach Fertigstellung könnten voraussichtlich im September die ersten Menschen einziehen. Sie sollen dort leben, bis sie eigene Wohnungen im Stadtgebiet beziehen können. Christiane Rüsing-Werth von den Stadtbetrieben (SBE) erläuterte, dass 57 Flüchtlinge in dem Gebäude Platz finden könnten, in Zweier- und Vierer-Zimmern, die pro Kopf die erforderlichen acht Quadratmeter Raum böten. Toiletten seien vorhanden, die Lehrküche könne genutzt werden und Duschen würden eingebaut. Zudem werde ein Gemeinschaftsraum eingerichtet. Wilhelm Wiggenhagen erklärte auf Nachfrage auch, dass es derzeit keine aktuellen Pläne der benachbarten Firma Frielinghaus gebe, die Schule zu kaufen.

Aus den Reihen der Anwesenden wurde zunächst Kritik geäußert. „Das wird uns kurz vor knapp präsentiert. Können wir überhaupt nicht mitreden?“, hieß es. Man werde vor vollendete Tatsachen gestellt. Wilhelm Wiggenhagen erklärte, dass die Entscheidung erst Anfang vergangener Woche gefallen sei. Es gebe keine vernünftige Alternative im Stadtgebiet. Die Frage, ob nicht die leer stehende Grundschule Hasperbach genutzt werden könne, verneinte der Bürgermeister. Zum einen sei der Aufwand viel höher, zum anderen würden in Hasperbach bereits 55 Flüchtlinge untergebracht. Es dürfe nicht zur Ghettobildung kommen. Wiggenhagen machte deutlich, dass Oberbauer aber auch nicht mehr als die 57 Menschen, die in der Schule Platz finden sollen, aufnehmen dürfe.

Waldemar Guderian von der Dorfgemeinschaft Freistaat Oberbauer bat um Offenheit. „60 Prozent der Oberbauerer sind doch auch Flüchtlinge, die hier vor 50 oder 60 Jahren angekommen sind.“ Wenn die Flüchtlinge schon da seien, dann sollte man helfen, so gut es geht. „Warum versuchen wir es nicht einfach? Wir wissen doch gar nicht, was auf uns zukommt.“

„Wenn man es schafft, dass es zur Aufgabe für den ganzen Stadtteil wird, dann ist das für alle positiv“, sagte Sozialamtsleiter Michael Schmidt. Er hatte zuvor die Situation der Stadt dargestellt, in der aktuell 205 Flüchtlinge leben. „Ennepetal ist keine Insel.“ Die Stadt müsse für die Unterbringung nach einem festgelegten Schlüssel sorgen

Jugendtreff bleibt erhalten

Pfarrerin Anja Martin von der Ev. Kirchengemeinde machte den christlichen Standpunkt deutlich. Die Menschen, die nach Oberbauer kommen, sollten als Bereicherung gesehen werden. „Wir sollten uns aufeinander zu bewegen“, meinte sie. Allerdings könne das keiner alleine machen. Wolfgang Weller forderte die Stadtverwaltung auf, für alle, die helfen wollen, eine weitere Veranstaltung durchzuführen. Wilhelm Wiggenhagen versprach, dafür einen Termin anzubieten.

„Die Veranstaltung war Gold wert“, meinte Waldemar Guderian zum Abschluss. Am Anfang habe es bei vielen Ängste gegeben, darüber habe man sprechen müssen. Auch Christa Dhar, die als Flüchtlingspatin vom Kinderschutzbund ausgebildet wurde, und an der Heimstraße sowie inzwischen auch in Hasperbach ehrenamtlich als Betreuerin aktiv ist, machte deutlich, dass in der Arbeit so viel rüber komme. Und CDU-Ratsfrau Angelika Bremicker hatte erst am Morgen der Veranstaltung Flüchtlinge besucht. Ihre Erfahrungen seien sehr positiv gewesen, so dass sie sich nun auch als Flüchtlingspatin ausbilden lassen und in Oberbauer helfen wolle.

Bedenken im Hinblick auf die Nutzung der Schule als Sozialraum für die Bürger aus Oberbauer räumte die Verwaltung aus. Die Pausenhalle kann weiter für Veranstaltungen genutzt werden, auch der Jugendtreff wird erhalten bleiben. Zudem werde auch Abenteuerspielplatz weiter auf der Wiese hinter der Schule stattfinden können, so Wilhelm Wiggenhagen. Dabei könne man doch gut die Kinder aus den Flüchtlingsfamilien einbeziehen.