Plötzlich wieder Hickhack um die Schuldfähigkeit

Auf dem Vendômer Platz kam es am 29. März 2014 zu dem Streit zwischen dem 20-jährigen und einem 17-jährigen Gevelsberger.Breyer
Auf dem Vendômer Platz kam es am 29. März 2014 zu dem Streit zwischen dem 20-jährigen und einem 17-jährigen Gevelsberger.Breyer
Foto: WP

Gevelsberg..  Wiederholungen, Verzögerungen, neue Termine: Auch diesmal blieb das Urteil im Prozess um eine tödliche Schlägerei am Vendômer Platz aus. Stattdessen mussten überraschend der derzeitige Betreuer des 21-jährigen Angeklagten und der Gutachter zum zweiten Mal in den Zeugenstand.

Der Prozess gegen einen jungen Gevelsberger, dessen Kontrahent nach einer gemeinsamen Schlägerei ums Leben kam, wächst sich immer mehr zu einer Geduldsprobe aus. Dabei kreisen schon seit einigen Wochen alle Termine immer um die gleichen Fragen. Was geschieht mit dem jungen Mann, wenn der Prozess vorüber ist? Wie steht es um die Schuldfähigkeit des Angeklagten?

Aufgrund einer Suchtproblematik ist eine engmaschige Nachsorge wichtig. Aber für die Zeit nach dem 3. Juni gibt es noch keine konkreten Pläne. Denn dann endet die freiwillige Drogentherapie, die der Gevelsberger zurzeit macht. Er ist in einer speziellen Wohngruppe untergebracht. Nach Ende der Therapie will er aus Gevelsberg wegziehen.

Sein derzeitiger Betreuer legte gestern noch einmal dar, dass der junge Mann sich gut entwickle und viel ruhiger geworden sei. Damit die positive Entwicklung auch von Dauer ist, empfahl er feste Strukturen – auch in der Freizeit – und begrüßte die Pläne der Familie, das alte Umfeld verlassen zu wollen. Eine geschützte Werkstatt, in der der junge Mann unter enger Anleitung arbeiten könne, sei der richtige Weg. Gutachter Dr. Pedro Faustmann empfahl darüber hinaus im Falle einer Verurteilung, dass der Gevelsberger die Haft als erstes verbüßen soll. „Es ist besser, ihn am Ende aus der Therapie in den Alltag zu entlassen“, so der Gutachter.

Großes Kopfzerbrechen bereiteten nach wie vor die beiden Gutachten, weil sie zu gegenteiligen Ergebnissen kommen. Ein erstes Gutachten kam zu dem Schluss, dass der junge Mann vermindert schuldfähig ist. Dieses Gutachten verwarf die 1. Große Jugendkammer des Hagener Landgerichtes jedoch, weil Widersprüche und unterschiedliche Angaben den Richtern mehr Rätsel aufgaben, als eine Entscheidungshilfe zu sein. Das zweite Gutachten von Dr. Faustmann besagt, dass der Gevelsberger sehr wohl schuldfähig ist. Verteidiger Dieter Kaufmann (Dortmund) äußerte gestern noch einmal seine „Bauchschmerzen“ in Bezug auf die Frage nach der Schuldfähigkeit. „Ich halte das erste Gutachten in Bezug auf die Frage nach der Schuldfähigkeit für unangreifbar“, so Kaufmann.

Als Termin für Plädoyers und ein mögliches Urteil haben die Prozessbeteiligten nun den 3. Juni anvisiert.