Pilgern ist moderner denn je

Schwelm..  Immer mehr Menschen gehen auf Pilgerreise. Innerhalb der Lesereihe „Altes neu entdeckt: Historische Literatur – moderne Themen“ stand die Jahrhunderte alte Tradition im Mittelpunkt des Vortrags von Hildegard Berg und Heike Rudolph.

Ein Pilger braucht nicht viel

Knapp 40 Zuhörer waren in das Haus Martfeld gekommen, um sich mit dem Thema Pilgern zu beschäftigen. Hildegard Berg übernahm dabei den historischen Teil des Vortrags und blickte in die Geschichte des Pilgerns zurück. Was benötigte ein Pilger früher? Die Antwort gilt auch noch für heutige Pilger: einen Hut, eine Pilgertasche und einen Pilgerstab.

Ausgangspunkt für den historischen Teil des Vortrags war das Buch von David Hollaz, „Gebahnte Pilger-Straße nach dem Berge Zion“. Das Werk ist Teil der Historischen Bibliothek des Hauses Martfeld. Darin erzählt Hollaz unter anderem, wie Pilger alte römische Handelswege für ihre Wallfahrten nutzten. Allerdings hat das Buch wohl einen entscheidenden Haken: „David Hollaz ist nicht gepilgert, er hat nicht einen Fuß vor die Tür gesetzt, es war wohl eine geistige Reise“, erklärt Hildegard Berg.

Immer mehr Menschen pilgern heute auch durch Schwelm. „Vor gut zehn Jahren haben wir erfahren, dass Schwelm am Jakobsweg liegt“, erinnert sich Heike Rudolph. Sie beschäftigte sich mit der Frage, warum sich Menschen heute auf den Weg machen, um zu pilgern. „Es ist wohl die Verdichtung der Arbeitszeit und eine vielfache Überforderung in allen Lebenssituationen, die Menschen zum Pilgern bringen“, mutmaßte Heike Rudolph. Auch eine Hand voll Menschen aus dem Publikum habe bereits eine Pilgerreise gemacht. „Manche pilgern, um unterwegs zu sein und auch, um zu ihrem Glauben zu finden“, fügt Rudolph noch hinzu.

Vielleicht ist es auch genau die Tatsache, dass man fürs Pilgern nichts mitbringen muss. „Man kann einfach loslaufen“, schwärmen einige Zuhörer. Ab und an beobachtet Heike Rudolph in Schwelm aber Pilger, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, oder reiten. „Die Menschen passen das Pilgern an die heutige Zeit an“, erklärt Heike Rudolph. Und Pilgern wird zunehmend moderner. „Hoteliers, Stadtmarketing, Unternehmer und Bürger haben gemeinsam überlegt, wie man Pilgern ihre Reise erleichtern kann“, weiß Heike Rudolph.

Das Ergebnis ist unter anderem ein Pilgerstein. Diese Bronze-Plakette soll Pilgern besser den Weg weisen. „Es ist schön, dass die Menschen näher an den Jakobsweg heranrücken“, so die beiden Referentinnen.

Am 8. August findet das diesjährige ökumenische Pilgern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde statt. Gemeinsam soll dann der Jakobsweg von Schwelm nach Beyenburg gepilgert werden. Der nächste Vortrag aus der Reihe, „Altes neu entdeckt“, findet am 17. Juni im Haus Martfeld statt. Dann geht es um das Thema Wald.