Pächter schlägt bewaffnete Täter in die Flucht

Tankstellenpächter Hans-Joachim Paulus dachte erst an einen Scherz, als die Täter den Raum betraten. Im Affekt griff er sich ein langes Brotmesser und schlug die beiden maskierten jungen Männer in die Flucht
Tankstellenpächter Hans-Joachim Paulus dachte erst an einen Scherz, als die Täter den Raum betraten. Im Affekt griff er sich ein langes Brotmesser und schlug die beiden maskierten jungen Männer in die Flucht
Foto: WP

Ennepetal..  Zwei maskierte junge Männer überfielen am Sonntag Nachmittag mit einer Pistole in der Hand die Oil-Tankstelle an der Loher Nocken Straße. Doch statt Beute bekamen sie es mit Pächter Hans-Joachim Paulus zu tun. Der Tankstellen-Chef ging auf die Beiden los und vertrieb sie eigenhändig aus dem Tank-Shop. Was Paulus nicht wusste: Der Überfall war kein übler Scherz, wie er dachte. Der war echt.

Tat ereignete sich um 13.25 Uhr

Hans-Joachim Paulus hatte Riesen-Glück. Die Geschichte hätte anders ausgehen können. Das ist ihm aber erst später klar geworden. Die ganze Nacht musste er dran denken, was geschehen war. „Ich habe mich genau anders verhalten, wie ich es meinen Angestellten immer wieder predige. Ich sage ihnen ständig, kommt bei Überfällen den Aufforderungen der Täter nach und gebt das Geld raus. Aber ich wusste ja nicht...“

Sonntag, 13.25 Uhr. Zwei junge Männer betreten den Tank-Shop, rufen „Überfall“ und legen der Kassiererin einen Rucksack auf den Tresen. Sie sind maskiert und fordern das Bargeld. Ein Täter hält eine Pistole in der Hand und richtet die Waffe auf die Angestellte.

Hans-Joachim Paulus macht gerade im Nebenraum die Abrechnung. Er hört aus dem Kassenraum nur „Überfall“, von einer jungen Stimme, und denkt sich: Schon wieder so’n paar dumme Jungs, die sich einen üblen Scherz erlauben.

„Das kommt öfter vor, im vergangenen Jahr bestimmt zwei-, dreimal. Ich wollte rüber und diese Bengel einfach nur rausschmeißen. Damit macht man keine Späße.“

Hans-Joachim Paulus, ein Baum von einem Kerl, schreitet entschlossenen Schrittes aus dem Nebenraum, greift sich den erstbesten Gegenstand, den er findet, ein langes Brotmesser, und geht damit einen Schritt um den Kassentresen herum. Er nimmt erst jetzt wahr, dass die Beiden maskiert sind. „In dem Moment sehe ich auch die Pistole, die der eine vor sich in Bauchhöhe hielt.“

Dann geht alles ganz schnell. Hans-Joachim Paulus weiß nur noch: „Einer der beiden haut sofort ab. Der andere sagt noch: ,Ich knall Dich ab’ oder so und dreht sich zum Ausgang weg. Ich hebe noch meinen Arm und mache so, als würde ich das Messer nach ihm werfen.“

Der Täter reagiert auf Paulus erhobenen Arm, duckt sich kurz weg und flüchtet dann ebenfalls aus dem Tank-Shop. „Ich habe ihn noch Richtung Amselweg laufen sehen“. Das war’s. An viel mehr kann sich Paulus nicht erinnern. Auch nicht, ob der zweite Täter die ganze Zeit draußen gewartet hat.

Dieses Überfallartige, diese Situation. „Das ging alles so schnell. Und in dem Moment bist du so voller Adrenalin...“ Er könne nicht einmal sagen, welche Farbe die Tücher hatten, mit denen sich die Täter maskierten. „Hell oder dunkel? Ich weiß es nicht“. Dank der Kassiererin kommt eine brauchbare Täterbeschreibung zustande. (siehe Infobox).

Parallelen zum Kiosk-Überfall

Der Überfall auf die Oil-Tankstelle erinnert stark an den Überfall am vergangenen Donnerstag auf den Kiosk an der Wilhelmshöher Straße in Ennepetal. Auch dort waren es zwei jugendliche Täter, die von der Schusswaffe Gebrauch machten. Die Polizei erklärte, dass einiges darauf hindeutet, dass es sich um ein und dieselben Täter handelt.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE