Paare schmieden ihr Glück und ihre Trauringe

Sandra Trappe und Christian Werth schmieden ihre Ringe selbst.
Sandra Trappe und Christian Werth schmieden ihre Ringe selbst.
Foto: WP

Ennepetal..  Dass ein jeder seines Glückes Schmied ist, bekommt bei Rainer und Uta Stranzky eine wahrhaftige Bedeutung. Der Weg von immer mehr Paaren führt über den Ortsteil Bransel am südlichsten Zipfel von Ennepetal, bevor sie im Hafen der Ehe ankommen. Hier arbeitet Goldschmiedemeister Rainer Stranzky und bietet seit nunmehr acht Jahren Trauring-Workshops an.

Das kleine, urige Atelier besticht durch seine Atmosphäre und bietet Verlobten einen besonders romantischen Rahmen. Schließlich wird hier an nahezu jedem Wochenende ein wichtiger Grundstein für eine glückliche Ehe gelegt. „Bislang ist noch jeder Ring gelungen“, nimmt Rainer Stranzky auch Heiratswilligen mit zwei linken Händen die Angst und ergänzt, dass die Qualität des Endprodukts mindestens genauso gut werde wie wenn er es selbst machte. Falls es mal haken sollte, ist der 65-Jährige natürlich sofort zur Stelle und greift den „Hochzeits-Handwerkern“ unter die Arme. „Ich sorge dafür, dass der Ring eine Spitzenqualität hat und schreite ein, wenn es kneift oder ungenau wird“, erklärt der Goldschmiedemeister.

Von der Legierung bis zur Gravur

Abgesehen von Brillant-Einfassungen machen die Paare von der Legierung bis zur Gravur alles selbst. Am Anfang des Prozesses steht das insgesamt 20 Gramm schwere Rohmaterial, für das je nach Goldgehalt und Farbe unterschiedlich viele Anteile an reinem Gold, Silber und Kupfer gewählt und das anschließend bei 1000 Grad zu einem homogenen Gefüge verschmolzen wird. Nach Walz- und Glühvorgang entstehen nun zwei Rohringe, die zunächst mit Hilfe von Ringriegel, Biegezange und Schmiedehammer in die gewünschte Größe geformt sowie anschließend gefugt und zugeschweißt werden. Nach einem weiteren Durchglühen folgen das Pfeilen und Schmirgeln von Breite und Innenfläche.

Mit dem Einschlagen des Goldgradstempels, in den meisten Fällen 585, steht den Paaren dann eine erste große Herausforderung bevor. „Der eine hält den Stempel und der andere schlägt mit dem Hammer von oben drauf. Das hat auch was mit Vertrauen zu tun“, weiß Stranzky und wird von seiner Ehefrau Uta ergänzt: „Hier muss sich eben der eine auf den anderen verlassen können. Ganz wie im sonstigen Leben.“

Anschließend dürfen die Paare zur Poliermaschine greifen und werden von einem imposanten Glanz belohnt. Nach diesem Aha-Erlebnis folgt mit dem Gravurvorgang der letzte, aber wohl auch kniffligste Arbeitsschritt, ehe die fertigen Werke mit einem Glas Sekt begossen werden dürfen. „Das Gravieren ist für die Meisten der nervenaufreibenste Teil“, weiß Rainer Stranzky und weist seine Schützlingen an dieser Stelle stets mit einem Schmunzeln darauf hin, dass ein Abrutschen aus der Graviermaschine ein Leben lang auf dem Ring zu sehen sei. Doch natürlich kann auch das im Notfall wieder rückgängig gemacht werden. „Trotzdem merkt man da schon, wie groß die Anspannung ist“, verrät Uta Stranzky und ergänzt, dass dieser Arbeitsschritt schon bei so manch einem zu Schweißausbrüchen geführt habe. Allerdings seien Frauen hier meistens gelassener, wobei es beim Stempeleinschlag meistens genau umgekehrt sei.

Während Rainer Stranzky die Arbeit der Hobbyschmiede genauestens unter die Lupe nimmt, ist seine Frau fürs Fotografieren zuständig. Schließlich kann jeder Teilnehmer am Ende des sechs- bis achtstündigen Tages neben den Ringen auch eine Foto-CD mit nach Hause mitnehmen. In einer Mittagspause erhalten die stolzen Handwerker zudem einen liebevoll angerichteten Imbiss. „Unsere Philosophie ist es, alles an einem Tag zu fertigzustellen“, erklärt Stranzky und ergänzt, dass er den Workshop im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern bewusst auf einzelne Paare beschränke. „Es ist wichtig, dass sich die Leute wohlfühlen und Spaß haben.

Alles wird an einem Tag fertig

Nur sie sollen im Mittelpunkt stehen“, meint seine Ehefrau und fügt hinzu, dass bei mehreren Paaren zudem sehr leicht Konkurrenzdenken aufkomme.

Inzwischen haben die Stranzkys das Rentenalter erreicht. Doch auch in Zukunft wollen sie Paaren zum symbolkräftigen Schmiedeglück verhelfen. Dabei komme es nicht selten vor, berichten beide, dass Verlobte sogar die Ringe der verstorbenen Eltern oder Großeltern mitbringen und daraus neues Glück schmieden.

INFO:

Das eigenhändige Ehering-Schmieden ist inzwischen deutschlandweit zu einem Trend geworden. Wie Pilze sind die Anbieter auch im Zuge zurückgehender Verkaufszahlen aus dem Boden geschossen.

Er habe schon vor mehr als 20 Jahren die Idee gehabt, auch Amateuren den Schmiedehammer zu überlassen und schon damals Freunde und Bekannte zum „Do-it-Yourself-Schmuck“ verholfen, erklärt Rainer Stranzky. Damals sei er von Kollegen dafür belächelt worden. Heute machen es ihm immer mehr nach, so dass es in NRW inzwischen ein Dutzend einschlägiger Angebote gibt.

Den Begriff „Trauring-Workshop“ hat sich der Ennepetaler Pionier aufgrund vieler Nachahmer übrigens kürzlich schützen lassen.

Kontakt: Juwelenatelier Stranzky, Bransel 12, 02333/ 792188, www.stranzky.de