"Oma Gerti" (87) wegen Schwarzfahrens wieder im Gefängnis

Oma Gerti (87) wurde in Hagen verhaftet und muss wegen Schwarzfahrens wieder ins Gefängnis.
Oma Gerti (87) wurde in Hagen verhaftet und muss wegen Schwarzfahrens wieder ins Gefängnis.
Foto: Carsten Rehder/dpa
Was wir bereits wissen
Sie kann es einfach nicht lassen: Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate sitzt die bundesweit als „Oma Gerti“ bekannte Ennepetalerin Gertrud F. (87) im Gefängnis. Am 5. September erging der Haftbefehl gegen sie. Mehr als drei Monate war sie untergetaucht. Jetzt klickten vor dem Hagener Hauptbahnhof die Handschellen.

Ennepetal/Wuppertal.. Im Juni dieses Jahres erregte ihr Fall Aufsehen. Wegen Schwarzfahrens bekam sie einen Strafbefehl über 400 Euro. Den bezahlte sie nicht, wurde vorm Wuppertaler Hauptbahnhof verhaftet, kam ins Gefängnis.

Die „Bild“-Zeitung bezahlte die Strafe und ersparte der 87-Jährigen einen längeren Aufenthalt im Kittchen. Sie erzählte seinerzeit, sie sei zwar gut zu Fuß, könne längere Strecken aber nicht mehr bewältigen. Von ihrer Rente über 560 Euro und einer Putzstelle für drei Euro die Stunde könne sie Fahrkarten nicht bezahlen.

Seit dem 20. Juni war sie wieder auf freiem Fuß, doch laufen war weiter nicht ihre bevorzugte Fortbewegungsweise. Denn bald schon versandte das Wuppertaler Amtsgericht eine Vorladung für den 5. September. Anklage: Beförderungserschleichung – also Schwarzfahren.

Polizei war auf der Suche nach Oma Gerti

Die Verhandlung schwänzte die 87-Jährige. Daraufhin erging „schweren Herzens“, wie ein Gerichtssprecher seinerzeit sagte, ein Haftbefehl gegen sie. Die Polizei machte sich auf die Suche nach Oma Gerti. Doch die war plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. „Sie ist offiziell bei ihrem Sohn gemeldet, hält sich dort aber so gut wie nie auf“, sagt Carmen Schlosser, Pressedezernentin des Amtsgerichts in Wuppertal.

Drei Monate war Oma Gerti untergetaucht, dann kam sie am Dienstag um 23 Uhr in eine Polizei-Kontrolle vor dem Hagener Bahnhof. Als die Polizisten ihre Personalien überprüften, kam der Hinweis auf den Haftbefehl. Die Handschellen klickten – in Anbetracht der schmächtigen, kleinen Frau erneut schweren Herzens.

Wieder im Frauengefängnis Gelsenkirchen untergebracht

Für die 87-Jährige ging es ohne große Umwege in das ihr bestens bekannte Frauengefängnis nach Gelsenkirchen. Dort wird sie auch noch einige Tage verbringen, denn nach der langen Suche wird sie wohl zu ihrer bevorstehenden Verhandlung wie die ganz schweren Jungs polizeilich vorgeführt. Die Anklage erneut: Schwarzfahren. In 22 Fällen soll sie zwischen dem 22. Februar und 13. September in Dortmund, Schwelm, Gevelsberg, Wuppertal, Duisburg und andernorts ohne Ticket unterwegs gewesen sein. Stets in Zügen.

Verhandlung am 19. Dezember im Wuppertaler Amtsgericht

Das Gericht geht von einem verhandlungsfähigem Zustand der Seniorin aus, die erneut die bundesweiten Medien auf den Plan ruft. Diverse Zeitungs-, Fernseh- und Rundfunkjournalisten werden am 19. Dezember im Wuppertaler Amtsgericht erwartet. Dann wird die Hauptverhandlung unter dem Vorsitz des Richters Markus Schlösser eröffnet. D

Schwarzfahren Der Wuppertaler Rechtsanwalt Jan Eils ist Oma Gertis Pflichtverteidiger. „Inhaltlich kann ich noch nichts sagen“, sagte er auf Nachfrage unserer Redaktion. Wohl sei ihm daran gelegen, diesen emotionalen Fall „so schnell und so mild wie möglich abzufedern.“ Immer wieder melden sich, seit der Haftbefehl ergangen war, Menschen bei Medien, die Oma Gerti helfen wollen. „Eine wirklich Hilfe für Menschen wie sie ist ein personenbezogenes Jahresticket“, sagt Jan Eils.

Gerti-Geschichte sorgt für Aufruhr in der Politik

Ob Oma Gerti auch nach ihrer Verhandlung weiter im Gefängnis sitzt, bleibt also abzuwarten. Auf jeden Fall hat ihre Geschichte auch in der Politik für Aufruhr gesorgt. Die rot-grüne Landesregierung will eine bundesweite Reform der Strafgesetzgebung anstoßen. Richter sollen in solchen Fällen auch gemeinnützige Arbeit als Strafe verhängen können. Schließlich kostet Oma Gerti, so lange sie hinter schwedischen Gardinen sitzt, den Steuerzahler täglich 115 Euro.