Offenes Ringen um neuen Mietspiegel nach zwölf Jahren

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Schwelm..  Bisher war es nicht möglich, die für die Erstellung des Mietspiegels für Schwelm maßgeblichen Parteien, nämlich Mieterverein sowie Haus & Grund Schwelm, an einen Tisch zu bekommen. Jetzt hatte Bürgermeister Jochen Stobbe die Kontrahenten gemeinsam mit Vertretern der großen Wohnungsbaugesellschaften Schwelmer & Soziale sowie EN-Wohnen zu einem runden Tisch ins Rathaus eingeladen.

Schnell wurden die unterschiedlichen Interessen deutlich. Dem Mieterverein geht es vor allem darum, dass der gesamte Südkreis über einen einheitlichen Mietspiegel verfügt. Er sieht keinerlei Unterschiede zwischen den Städten Schwelm, Ennepetal, Gevelsberg und Breckerfeld. Außerdem ist es ihm wichtig, einkommensschwache Gruppen vor zu hohen Mieten zu schützen.

Bei dem letzten Punkt wurde kein Widerspruch laut. Bei der Vergleichbarkeit der Städte haben hingegen sowohl Haus & Grund Schwelm als auch die Wohnungsbaugesellschaften eine gänzlich andere Auffassung. Gerade der Umstand, dass Schwelm die flächenkleinste Gemeinde Nordrhein-Westfalens ist, mache das Wohnen in dieser Stadt sehr attraktiv. Hinzu komme eine hervorragende Anbindung an die umliegenden Großstädte.

An Nachbarstädten orientieren?

Im Kern dreht sich der Streit darum, ob die Mietobergrenzen der Nachbarstädte auch für Schwelm gelten. Der Mieterverein sieht keine objektiven Umstände, die eine unterschiedliche Handhabung rechtfertigen. Haus & Grund Schwelm ist hingegen der Ansicht, dass sowohl im renovierten Altbaubestand als auch bei den Neubauten die vorgegebenen Werte völlig unzureichend sind.

Ohne eine Zustimmung der beiden Interessenvertreter ist eine problemlose Erstellung eines Mietspiegels nicht möglich. Dann muss sich die Gemeinde entweder aufprivate Daten Dritter verlassen oder selbst einen Gutachter beauftragen, der die Daten ermittelt. Während für die private Datenermittlung nur geringe Kosten entstehen, müssen für den Gutachter 20 000 bis 50 000 Euro veranschlagt werden.

Heinrich W. Maas, Vorsitzender von Haus & Grund Schwelm: „Wir können den jetzigen Mietspiegel von Ennepetal und Gevelsberg nicht akzeptieren. Denn dann wären in Schwelm Mieten für Neubauwohnungen (nach 2012) unzulässig, wenn sie pro Quadratmeter über 9,84 Euro lägen. Bei höheren Mieten kann der Mieter die Differenz unter Umständen zurückfordern. Diese Gefahr ist Gift für weitere Investitionen. Der Preis mag hoch erscheinen, ist jedoch für einen hochwertigen Neubau nicht unüblich und wird auch bezahlt.“ Gleiches gelte für renovierte Altbauwohnungen (bis 1965), wo die Obergrenze schon bei 6,72 Euro liegt. Maas kann sich vorstellen, für Schwelm zunächst einen linearen Aufschlag auf die Werte des Mietspiegels von Ennepetal und Gevelsberg zu akzeptieren.

Mittelfristig sollte jedoch eine Datenerhebung stattfinden. Auch hier hat Haus & Grund Schwelm Bereitschaft zur Mitwirkung signalisiert, so dass ein teurer Gutachter gar nicht erforderlich wird. Habe der Vermieter die Hoffnung, nach Investitionen auch eine höhere Miete nehmen zu dürfen, steige seine Bereitschaft zu investieren.

Hohe Investitionskosten

Heinrich Maas: „Wir haben seit geraumer Zeit einen Mietermarkt. Nur der Mieter entscheidet, wo er wohnt und wie viel Miete er zahlt. Es zeigt sich immer wieder, dass vernünftige Wohnungen mit guter Wohnqualität auch eine auskömmliche Miete erzielen. Das spiegelt der jetzige Mietspiegel von Ennepetal und Gevelsberg aber nicht wider. Er sieht im Altbaubereich keine nennenswerte Erhöhung vor. Obwohl die Investitionskosten teilweise dramatisch gestiegen sind, sollen die Mieten seit nunmehr zwölf Jahren nahezu unverändert bleiben.“

Eine Entscheidung des Mietervereins, einen eigenständigen Mietspiegel für Schwelm zu akzeptieren, steht noch aus. Bis dahin bleibt nur der Weg über eine Datenerhebung.

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