Obdachlosen-Projekt wächst mit viel Herzblut

Holger Brandenburg aus Gevelsberg hilft Obdachlosen im Ennepe-Ruhr-Kreis und hat selbst eine sehr bewegende Lebensgeschichte.
Holger Brandenburg aus Gevelsberg hilft Obdachlosen im Ennepe-Ruhr-Kreis und hat selbst eine sehr bewegende Lebensgeschichte.
Foto: WP

Gevelsberg..  Holger Brandenburg hat nichts von seinem Enthusiasmus verloren. Ganz im Gegenteil. Der Gevelsberger, der selbst auf eine Lebensgeschichte mit Höhen, aber noch mehr Tiefen blickt (wir berichteten) widmet sich weiter mit voller Kraft dem Einsatz für Obdachlose. Seit wenigen Monaten läuft das Projekt, erste Visionen werden Realität, doch die Pläne laufen unaufhörlich weiter.

Holger Brandenburg ist weiterhin mehrfach pro Woche „an der Front“, wie er sagt. Dann packt er seinen großen Rucksack mit Jacken, Hosen, Mützen, Handschuhen, Hundefutter, Schlafsäcken und etlichen anderen Dingen voll, um die den Menschen zu bringen, die im EN-Kreis und darüber hinaus auf der Straße leben. Geht es nach ihm und seinen knapp zehn Mitstreitern, die regelmäßig die Obdachlosen aufsuchen, werden einige von ihnen aber bald auch in Klassenzimmern und Firmen-Konferenzräumen auflaufen.

Überwältigende Spendenbereitschaft

Bevor er ausführlich über diese Neuigkeit berichtet, liegt ihm aber noch etwas anderes sehr am Herzen: „Ich bin überwältigt davon, wie viele Menschen uns unter die Arme greifen. Ein riesiger Dank an alle, die regelmäßig sogar im tiefsten Winter die wärmsten Klamotten spenden und uns auch anderweitig unterstützen“, sagt er und die Rührung ist ihm deutlich anzusehen. Die Spendenbereitschaft sei nach der Veröffentlichung in dieser Zeitung zu Weihnachten so hervorragend gewesen, dass er sogar die Reißleine ziehen musste. „Ich konnte mich in meiner Wohnung kaum noch bewegen, weil alles voll stand.“

Doch dieses Problem ist nun gelöst. „Wir haben einen Lagerraum zur Verfügung gestellt bekommen. Jetzt können wir wieder Dinge annehmen“, sagt der 45-Jährige, der alles daran setzt das Projekt, das er initiiert hat professionell zu koordinieren. „Wir müssen uns zum Beispiel über Logistik Gedanken machen“, sagt er. Aber auch über Sponsoren und Privatpersonen, die beispielsweise Geld spenden möchten.

Verein unmittelbar vor Gründung

Das war bisher nicht möglich, allerdings wird das Projekt „Obdachlosen helfen – schau nicht weg“ in wenigen Tagen auch rechtlich auf eine neue Ebene gehievt. „Wir werden eingetragener Verein und können dann zum Beispiel auch Spendenquittungen ausfüllen“, sagt Brandenburg, dessen vorrangigstes Ziel es ist „darauf aufmerksam zu machen, dass es Leid und Elend direkt vor unserer Haustür gibt und nicht nur in entfernten Ländern der Dritten Welt.“

Hier setzt nun die neueste Idee des Projektgründers an, die er mit dem Essener Lucas König – ebenfalls Mann der ersten Stunde bei der Gevelsberger Obdachlosenhilfe – zeitnah umsetzen will.

Sie wollen in die Schulen. „Wir haben schon einige Schulen angeschrieben, aber bisher keinerlei Resonanz bekommen“, sagt Brandenburg und erklärt was hinter dieser Idee steckt. „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen der weiterführenden Schulen mit außergewöhnlichen Aktionen und spannenden Vorträgen zeigen, was wir machen. Wir wollen zum Nachdenken, zum Hinschauen anregen und sie dafür sensibilisieren, was außerhalb ihrer eigenen Welt passiert.“ Sollte dieses kostenlose Angebot, das unter dem Titel „Back to School“ an den Start gehen soll, nur bei einem Kind die Sichtweise ändern und Mitleid gegenüber den Menschen am Rande der Gesellschaft erwecken, sei es bereits ein Erfolg. Ebenso sei es vorstellbar in Firmen zu gehen und „durchaus auch mit heftigen Beispielen den Mitarbeitern zu zeigen, auf welch’ hohem Niveau sie klagen und wie gut es ihnen in ihrem Leben eigentlich geht.“ Das könne durchaus als Motivationstraining aufgefasst werden sagt Brandenburg.

Auch hier entstünden den Firmen zunächst keine Kosten. Eine Ausdehnung auf alle gesellschaftlichen Bereiche sei vorstellbar. „Wir können ab sofort damit starten“, sagt der Gevelsberger.

Schon wieder neue Pläne

Es mangelt also nicht an Ideen sowie an Engagement, Leidenschaft und Herzblut für die gute Sache, um die Visionen auch zeitnah zu realisieren. Neue Dinge sind bereits angedacht – werden aber noch nicht verraten.