Noch immer ein Tabuthema
18.04.2010 | 15:27 Uhr 2010-04-18T15:27:00+0200„Wüstenblume”, so heißt das einfühlsame Drama, das jetzt bei einem Filmabend, veranstaltet vom Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen, im Onikon gezeigt wurde.
Basierend auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Waris Dirie erzählt der Film die Geschichte eines jungen afrikanischen Nomadenmädchens, das aus Somalia flieht und nach London gelangt. Dort wird sie von einem berühmten Modefotografen entdeckt. Doch Waris ist anders als die meisten Topmodels. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere hat sie die Berichterstattung über ihren märchenhaften Wandel vom armen afrikanischen Mädchen zum internationalen Model satt. Sie erzählt der Welt eine Geschichte von Leid, Schmerz und dem grausamen Ritual der Frauenbeschneidung, dessen Opfer sie als kleines Kind wurde. Als UNO-Botschafterin tritt sie für die Rechte der Frauen ein. Ein beeindruckendes Filmerlebnis, über das sich die Gäste in einer anschließenden Diskussion rege austauschten.
150 Mio. Frauen
weltweit betroffen
„Das Thema der Genitalverstümmelung ist immer noch ein Tabuthema. Dabei sind aktuellen Schätzungen zufolge weltweit etwa 130 bis 150 Millionen Frauen, besonders afrikanischer Herkunft, betroffen”, erklärt Verena Schäfer, Direktkandidatin der Grünen für die Landtagswahl des Wahlkreises 106 (Witten, Herdecke), bestürzt. „In Deutschland schätzt man die Anzahl der betroffenen Frauen auf rund 300 000, davon 6000 in NRW.” Die äußeren und inneren Schamlippen sowie die Klitoris der Frauen werden ihnen im Kleinkindalter entfernt. Lebenslange Schmerzen und Gefahren bei der Geburt von Kindern sind die Folge. Die Genitalien werden entfernt, um Aussichten auf eine gute Heirat zu haben.
„Man mischt sich nicht in andere Kulturen ein. Dieser Gedanke mag dafür gesorgt haben, dass man sich mit diesem Ritual bisher so wenig auseinandergesetzt hat”, meint Irmingard Schewe-Gerigk, Vorstandsvorsitzende der Menschenrechtsorganisation „terre des femmes”. Die Organisation setzt sich in mehreren afrikanischen Staaten für betroffenen Frauen ein. „Eine Forderung der Grünen besteht nun darin, die Genitalverstümmelung von Frauen als eigenen Tatbestand (als schwere Körperverletzung) ins Strafgesetzbuch aufzunehmen und die Verjährungsfrist von 10 Jahren erst ab dem 18. Lebensjahr der Frauen anlaufen zu lassen”, beschreibt Schewe-Gerigk. Dann können Ärzte und Eltern strafrechtlich verfolgt werden. Wichtig ist jedoch auch, diese Verstümmelung in den Diagnoseschlüssel der Ärzte aufzunehmen und dafür zu sorgen, dass Krankenkassen betroffene Frauen auch unterstützen und die „öffnende Operation” finanzieren. „Für diese Ziele will ich mich einsetzen”, so Verena Schäfer.
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