Noch bekommen die Südkreisstädte die Flüchtlinge alle untergebracht

Ennepetal/Gevelsberg/Schwelm..  Die Zahl der Menschen, die hier um Asyl bitten, ist in den vergangenen Tagen angestiegen. Allerdings stellt sich die Situation für die drei Südkreis-Städte nach eigener Aussage unterschiedlich dar.

Der Stadt Ennepetal sind allein in den vergangenen 14 Tagen 22 Asylbewerber zugewiesen worden. Dabei handele es sich in erster Linie um Menschen aus dem Kosovo, wie es aus dem Rathaus hieß. Ihre Gründe, warum sie ihre Heimat verlassen, sind vielschichtig. Die Region gilt als Armenhaus Europas, es herrscht eine große Perspektivlosigkeit und Beobachter sprechen von einer aktuell großen Aufbruchstimmung im Kosovo. Auch die Stadt Ennepetal sieht hierin die Gründe, warum zurzeit vor allem und vermehrt Menschen von dort nach Deutschland kommen.

Die Zahl der zugewiesenen Asylbewerber und der Menschen, deren Verfahren abgeschlossen ist und die hier mit Duldungsstatus leben, hat sich in Ennepetal innerhalb der vergangenen 14 Tagen von 170 auf 192 erhöht.

Ähnlich sieht es in Schwelm aus. Der Kreisstadt wurden seit Anfang Februar 18 neue Asylbewerber zugewiesen, auch hier vornehmlich Menschen aus dem Kosovo. Die Zahl der Asylbewerber und der Geduldeten stieg damit auf aktuell 170 an. Zum Vergleich: Im August 2014 lag die Zahl in Schwelm bei 115.

In Gevelsberg sind es aktuell 170 Menschen, die hier auf ihren Asylbescheid warten beziehungsweise geduldet sind. Zum Vergleich: Im Juli 2014 waren es 126. Im Unterschied zu den beiden anderen Südkreis-Städten spricht Michael Pfleging, Leiter des städtischen Fachbereiches Bildung, Jugend und Soziales, aber nicht von steigenden Zahlen während der vergangenen Tage und auch nicht von vornehmlich Menschen aus dem Kosovo.

Es gab Zugänge und es gab Abgänge

Die Zuweisungen seien seit Monaten „kontinuierlich“. Im Januar habe es zwar ein paar mehr gegeben. Gleichzeitig hätten aber auch mehr Asylbewerber bzw. Geduldete die Stadt wieder verlassen, erklärte Pfleging. Experten gehen jedoch davon aus, dass die jüngste Entwicklung weiter anhält bzw. die Zahl der Asylsuchenden in Zukunft noch weiter steigt.

Die Zuweisungen stellen die Städte vor eine große Herausforderung. Da alle drei Südkreis-Kommunen eine dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern bzw. Geduldeten favorisieren – wenngleich es in Ennepetal und Gevelsberg städtische Gebäude gibt, die ausschließlich zu diesem Zweck belegt werden –, müssen die zuständigen Behörden ständig neue Wohnungen finden. Hinzu kommt, dass es sich bei den Menschen aus dem Kosovo vornehmlich um Einzelpersonen handelt und nicht um Familien, die zusammen untergebracht werden können. Unterm Strich müssen also zahlenmäßig mehr, aber kleinere Wohnungen gefunden werden. In allen drei Südkreis-Kommunen werden daher neben Häusern im städtischen Besitz auch Wohnungen von Privat oder Gesellschaften belegt, die dafür angemietet werden. Ennepetals Stadtsprecher Hans-Günther Adrian sprach von einer großen Aufgabenstellung. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“

Jeden Tag andere Zahlen

„Noch bekommen wir es mit unserer dezentralen Unterbringung hin“, erklärte Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe. In die Zukunft zu schauen, ist jedoch wie Kaffeesatzleserei. „Wir bekommen jeden Tag andere Zahlen aus Arnsberg, was die Neuzuweisungen betrifft“, erklärte Sabine Stippel-Fluit vom Fachbereich 4 – Familie und Bildung. Eigentlich habe man in Schwelm 2015 mit 76 Neuzuweisungen gerechnet. „Mich würde es aber auch nicht wundern, wenn es bis zu 100 werden“, so Stippel-Fluit. Zum Vergleich: 2014 hatte Schwelm rund 70 Neuankömmlinge unterzubringen.

In Gevelsberg sind zwar die drei städtischen Unterkünfte so gut wie voll, wie Fachbereichsleiter Michael Pfleging erklärte. Gleichzeitig ist hier von einer großen Solidarität seitens der Bevölkerung die Rede. Nach dem Neujahrsempfang, der in diesem Jahr die Situation der Flüchtlinge zum Thema machte, hätten sich bei der Stadt viele Gevelsberger gemeldet, die Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge angeboten hätten, so Pfleging.