Nichtiger Streit endet für 17-Jährigen tödlich

Gevelsberg/Hagen..  Sie waren sogenannte „beste Freunde“, der 17-Jährige und der junge Mann (20), die sogar zusammen in einer Wohngemeinschaft lebten. Doch dann, am 29. März vergangenen Jahres, kam es in der Gevelsberger City zu einem Streit, der tödlich endete.

Seit gestern verhandelt das Hagener Landgericht den tragischen Fall als „Körperverletzung mit Todesfolge“. Die Anklageschrift geht von einem „Streit aus nichtigem Grund“ und von einer „körperlichen Auseinandersetzung unter Einfluss von Alkohol und Cannabis“ aus.

Verfahren vor der Jugendkammer

Staatsanwalt Bernd Maas verliest die Vorwürfe aus der Anklageschrift: Im Beisein mehrer junger Leute wurde das spätere Tatopfer zunächst am Rathausplatz durch einen Faustschlag ins Gesicht niedergeschlagen. Im weiteren Verlauf verlagerten sich die körperlichen Übergriffe dann auf den Vendomer Platz.

Dort erhielt das Opfer einen weiteren Faustschlag gegen den Kiefer. Der 17-Jährige blieb noch wenige Sekunden stehen, sackte dann jedoch zusammen. Dabei schlug er mit dem Kopf gegen einen Sitzstein, einen Betonpoller, und verstarb noch am Ort an einer Hirnblutung.

Der Angeklagte war zur Tatzeit 20 Jahre alt, gilt deshalb nach dem Gesetz noch als Heranwachsender und muss sich darum vor der Jugendstrafkammer verantworten.

Der Zuschauerraum ist mit 26 Besuchern gut gefüllt. Da sitzen die Angehörigen und Freunde des getöteten 17-Jährigen an der Fensterseite von Saal 101. Aber auch der Angeklagte, der sich auf freiem Fuß befindet, hat eine mehrköpfige Gruppe um sich geschart, die ihn regelrecht umzingelt, wenn die Verhandlung unterbrochen wird. Gerade so, als wolle man ihn schützen.

Auf den ersten Blick wirkt der junge Erwachsene auf der Anklagebank wie ein artiger Konfirmand: schwarze Jacke, weißes Hemd, das dunkle Haar ganz kurz geschoren, den Kopf brav gesenkt und die Hände wie zum Beten gefaltet. Er sagt im Prozess kein einziges Wort, das übernimmt Verteidiger Dieter Kaufmann (Dortmund) kurz und knapp: „Mein Mandant ist tief betroffen vom Geschehenen, räumt einen Schlag gegen den Verstorbenen ein und wird sich der Verantwortung stellen.“ Und weiter: „Er hat inzwischen ein Anti-Aggressionstraining absolviert. Für Februar hat er eine Drogentherapie in Aussicht, die 22 Wochen lang dauern soll.“

Verteidiger will Bewährungsstrafe

Sechs Zeugen wurden vom Gericht befragt. Sie schilderten, die Auseinandersetzung sei um ein Mädchen gegangen. Der Angeklagte hätte dem Opfer im Verlauf des Streits drei- bis fünfmal mit der Faust ins Gesicht geschlagen, wäre aber immer wieder provoziert worden.

Am Ende sollte eine Bewährungsstrafe stehen, so Verteidiger Kaufmann: „Die Sache selbst ist schon ein großes Unglück, da müssen wir kein zweites hinterherschicken.“