Neues Gutachten in Auftrag gegeben

Trauer mit Blumen und Kerzen: An dieser Stelle am Vendôme Platz starb der 17-Jährige.
Trauer mit Blumen und Kerzen: An dieser Stelle am Vendôme Platz starb der 17-Jährige.
Foto: WP

Gevelsberg..  Kurz vor der Zielgeraden gerät der Prozess gegen den Gevelsberger (21), der seinen besten Freund (17) auf dem Vendôme Platz durch einen Faustschlag getötet haben soll, ins Stocken: Das Gericht hat ein neues psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben.

Erst am 2. März wird das Strafverfahren wegen „Körperverletzung mit Todesfolge“ vor der Jugendkammer des Hagener Landgerichts fortgesetzt werden. In der Zwischenzeit soll Prof. Dr. Pedro Faustmann (55) von der Ruhr-Universität Bochum den Angeklagten erneut begutachten. Ob dem neuen Sachverständigen die kurze Zeit ausreichen wird, ist noch unklar.

Seit dem Prozessauftakt am 5. Januar wird der tragische Streit zwischen den beiden Freunden, der nach einem Faustschlag tödlich endete, vor Gericht penibel aufgedröselt. Was am 29. März vergangenen Jahres in der Gevelsberger City geschah, ist durch die mehrtägige Beweisaufnahme inzwischen sehr gut aufgeklärt. Für eine Überraschung im Prozess hatten jedoch die beiden Gutachter gesorgt.

Gutachter sorgte für Irritationen

War bis zum zweiten Prozesstag noch davon auszugehen, dass der Aufprall mit dem Kopf auf einen Betonpoller für den Tod des 17-Jährigen ursächlich war, kam der medizinische Sachverständige zu einem anderen Ergebnis: Bereits der heftige Faustschlag habe zu einem Arterienriss im Gehirn des Opfers geführt – allein schon daran sei der junge Mann verstorben.

Ein anderer Sachverständiger hatte ein psychiatrisches Gutachten erstellt und war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte aufgrund seiner verzögerten Reife, seiner Cannabissucht und seines Alkoholkonsums als „vermindert schuldfähig“ einzustufen sei. Doch dann kam der Gutachter zu einem widersprüchlichen Fazit, das für Irritationen sorgte: Zwar bejahte er, dass vom Angeklagten unter Alkohol- und Drogeneinfluss auch zukünftig Gewalt- und Straftaten zu erwarten seien, die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei aber nicht erforderlich.

Einfluss von Cannabis und Alkohol

Gerichtssprecher Jan Schulte: „Das neue Gutachten soll nun die Frage klären, ob der Angeklagte zum Tatzeitpunkt, unter Einfluss von Alkohol und Cannabis, die Tragweite seiner Schläge erkennen konnte – Insbesondere, dass er das Leben des Opfers gefährdete.“