Neue App hilft bei Suche nach Betreuungsplätzen

Ennepe-Ruhr..  Die neue Woche beginnt mit Problemen für Familien, die ihre Kinder sonst morgens ganz normal in die Kindertageseinrichtung bringen. Durch die unbefristeten Streiks bleiben viele Kitas geschlossen. Wie lange? Das ist in vielen Fällen unbekannt. Das Wuppertaler Ehepaar Silke und Frank Chabrié machte aus der eigenen Not eine Tugend. Die Software-Entwickler erfanden kurzerhand „Kita-Ausfall“ – eine kostenlose App und Internetseite für Betreuungsangebote.

Streik bringt Entwickler auf Idee

„Die Idee kam uns vergangene Woche am Frühstückstisch“, erzählt Frank Chabrié, Inhaber der Firma „wupp.it“ mit Sitz im Ortsteil Karternberg. „Da stellten wir nämlich fest, dass wir für unseren vierjährigen Sohn selbst ja auch Betreuungsbedarf haben werden.“ Es bot sich an, berufliche Expertise mit privater Not zu verknüpfen und in, so Frank Chabrié, „relativ einfachen Schritten“ die Betreuungs-App fürs Smartphone zu entwickeln.

Dabei kam den IT-Spezialisten in den Sinn, dass viele Eltern von betroffenen Kitas einander höchstens vom Bringen oder Abholen kannten. „Die Kinder spielen vielleicht den ganzen Tag zusammen. Doch die Eltern haben nicht den engen Kontakt zueinander, dass sie auf die Idee kämen, zu fragen, ob jemand aufpassen könnte.“

Und genau hier soll dann die App, die auch als Internetseite www.kita-ausfall.de erreichbar ist, eine Plattform bieten, um sich miteinander auszutauschen. „Damit möglichst vielen Eltern, die Bedarf für eine Betreuung für ihr Kind haben, schnell geholfen wird“, erklären die Chabriés.

Sowohl die App als auch die Internetseite sind leicht zu verstehen und zu benutzen. Auf pompöse Gestaltung hat „wupp.it“ bewusst verzichtet, da die Funktionalität im Vordergrund stehen soll. „Ich trage einfach ein, an welchen Tagen ich betreuen kann oder wann ich Betreuung suche“, beschreibt Frank Chabrié.

Ein wenig wirkt „Kita-Ausfall“ daher wie ein Kleinanzeigenmarkt für Kindesbetreuung. Anhand verschiedener Einstellungen können Eltern entscheiden, für wen ihr Angebot gelten soll. „Wer nur Kinder aus einem bestimmten Bezirk, einer speziellen Einrichtung oder sogar nur einer Gruppe aufnehmen möchte, der kann das so eintragen.“ „Löwen“ könnten so „unter Löwen“ bleiben, „Marienkäfer“ würden gemeinsam mit „Marienkäfern“ betreut.

Insbesondere wollen die Chabriés Eltern, die durch die andauernden Streiks vor Problemen stehen, ansprechen. Doch seien auch kommerzielle Anbieter auf der Plattform willkommen. So berichtet Frank Chabrié etwa von einem Reiterhof, der spontan zehn Plätze zur Verfügung gestellt hätte. Auch Tagesmütter oder Vereine seien bereits auf der Internetseite und in der App aktiv geworden, so dass allein in den ersten fünf Tagen über 100 Kontakte innerhalb Wuppertals zustande gekommen seien.

„Das Angebot haben wir jetzt auch auf den Ennepe-Ruhr-Kreis ausgeweitet“, sagt Frank Chabrié erfreut, „so können sich auch Leute aus Hattingen, Schwelm oder Sprockhövel eintragen und sich organisieren.“ Generell sei die Nachfrage riesig. Sogar das württembergische Sindelfingen habe um Aufnahme in die Kartei gebeten – dem will das Unternehmen gerne nachkommen. „Dass der eine oder andere Betreuungsplatz durchaus mal etwas kosten kann, halte ich für normal und auch sinnvoll“, meint Chabrié, „wenn man dafür weiß, dass das Kind gut aufgehoben ist, zahlt man das als Eltern doch gerne.“

Dubiose Angebote werden gefiltert

Ein Risiko bestehe jedoch, das geben auch die Chabriés zu: „Wir können nicht gewährleisten, dass diejenigen, die Plätze anbieten, auch dafür immerzu geeignet sind.“ Zwar kontrolliere das Unternehmen die Angebote und filtere etwaige dubiose Angebote – die es bisher nicht gegeben habe – heraus, „aber ein bisschen gesunden Menschenverstand müssen die Eltern bei der letztendlichen Entscheidung dann schon noch selbst an den Tag legen“. Fotos sowie ausführliche Angaben zu den potentiellen Betreuern würden dies aber erleichtern, sagt Frank Chabrié, der von der bisherigen Resonanz und dem Erfolg komplett überrascht ist. „Wir haben in der vergangenen Woche eigentlich nichts anderes mehr machen können, als an der App zu arbeiten“, sagt der Firmeninhaber.

Und um mit bestem Beispiel voranzugehen, haben auch die Chabriés bereits vorgesorgt: „Unser Sohn wird in den ersten zwei Tagen in den Genuss kommen, selbst daheim betreut zu werden. Zwei weitere Plätze bieten wir auch noch an.“ Und danach? „Da müssen wir mal schauen. Wenn die Großeltern mal nicht können, werden wir uns sicher auch mal in der App umschauen.“