Mutmaßlicher Geiselnehmer hatte Kinderpornos

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Ennepetal..  Er (25) steht derzeit wegen Geiselnahme vor Gericht, weil er seine Ex-Freundin (23) mit einem Gummihammer bewusstlos schlug, fesselte, einsperrte. Doch jetzt hat der junge Ennepetaler noch ein weiteres Problem: Auf seinem Computer wurden Kinderpornos entdeckt.

Die Nachricht platzte völlig überraschend mitten in den laufenden Prozess. Jens Strohfeld (44), Kriminalpolizist aus Schwelm, war in den Zeugenstand gerufen worden. Er hatte ein ganz aktuelles Auswertungsergebnis des Landeskriminalamts (LKA) dabei, das er der Kammer vorlegte. Der PC des Angeklagten war nach der Tat beschlagnahmt worden, im kriminaltechnischen Labor wurden die Dateien untersucht und ausgewertet.

Dabei kam heraus, dass sich der junge Ennepetaler überwiegend mit Computerspielen beschäftigt hatte und regelmäßig im Internet auf legalen Erotikseiten unterwegs war. Doch die EDV-Experten des Landeskriminalamts entdeckten auch Illegales – eine Datei mit verbotenem, kinderpornografischem Material. Kripomann Strohfeld als Zeuge: „Wir haben erst gestern vom LKA diese Auswertungen bekommen. Da werden noch Nachermittlungen angestellt.“

Angst vorm Zahnarzt

Vom Gericht war auch ein Facharzt für Psychiatrie (55) aus Ennepetal geladen worden, der in den vergangenen Jahren mehrere Therapiegespräche mit dem Angeklagten geführt hatte. Als Patient sei der junge Mann erstmals im November 2008 bei ihm gewesen, wegen „Zahnarzt-Angst“. Ihm sollten damals vier Backenzähne gezogen werden und er benötigte vom Psychiater ein Attest für eine Vollnarkose.

2011 sei der Angeklagte wieder bei ihm in Behandlung gewesen, diesmal wegen Problemen auf der Arbeitsstelle. Die Ausbildung zum Lagerfacharbeiter hatte er abbrechen müssen, weil er dort gemobbt worden sei. Mehrere Monate wurde er krank geschrieben, bekam ein Anti-Depressionsmittel verordnet, später auch ein Präparat gegen Hyperaktivitätsstörungen, Ritalin. „Von diesem Medikament hat er deutlich profitiert“, so der Arzt.

Richterin Heike Hartmann-Garschagen hakte nach: „Das hört sich für mich hier eher wie allgemeine Lebenshilfe an.“

„Ich habe es eher als eine situationsbedingte Problematik angesehen, als Problem seiner speziellen Lebenssituation.“ Der Angeklagte, berichtete der Psychiater, „rauchte damals viel“, er wirkte in dieser Zeit „unruhig, nervös und sichtlich angespannt“. „Beim zweiten Termin fand ich ihn deutlich bedrückt.“

Was geht im Kopf dieses jungen Mannes vor? Während der Verhandlung presst er neuerdings beide Hände vor sein Gesicht, so, als würde er sich schämen oder wolle nicht gesehen werden. Dabei fängt er an zu zittern, schaukelt seinen Oberkörper hin und her.

Ihm gegenüber im Gerichtssaal sitzt an jedem Prozesstag die junge Frau (23), der er einst bunte Herzen bastelte und selbstverfasste Liebesgedichte schrieb. Die sich dann, nach vierjähriger Beziehung, von ihm trennte und am 21. September zum Opfer der brutalen Attacke wurde, als er mit einem Gummihammer auf sie einschlug.

Getroffen wurde ihr Kopf – Schädel-Hirn-Trauma und sternförmige Platzwunde am Hinterkopf. Getroffen wurde auch ihre linke Hand, als sie versuchte, einen weiteren heftigen Schlag abzuwehren. Dabei wurde ihr der linke Zeigefinger zertrümmert. Acht Tage lag sie verletzt im Krankenhaus, gut zwei Stunden dauerte die komplizierte Operation des Fingers. „Bis heute“, erklärt ihr Anwalt Philippos Botsaris, „konnte die Beweglichkeit des Fingers nicht wieder hergestellt werden.“

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Der Hagener Jurist vertritt die Geschädigte, die im Strafverfahren als Nebenklägerin auftritt. Er sagt zu der neuesten Entwicklung im Prozess, dem Auffinden der Kinderpornobilder: „Das könnte für den Sachverständigen ein wichtiger Aspekt für das entartete Innenleben des Angeklagten sein.“

Staatsanwältin Beatriz Föhring: „Es waren eindeutig auch kinderpornografische Bilder dabei. Ein Ermittlungsverfahren ist eingeleitet.“