Müllers waren die Schwelmer Familie Krupp

In zweijähriger Fleißarbeit hat Marc Albano-Müller die Geschichte seiner Familie und des Schwelmer Eisenwerks aufgearbeitet. Rund 140 Interessierte verfolgten den ersten von zwei Vorträgen, zu denen der Verein für Heimatkunde in den Veranstaltungsraum der Sparkasse eingeladen hatte.
In zweijähriger Fleißarbeit hat Marc Albano-Müller die Geschichte seiner Familie und des Schwelmer Eisenwerks aufgearbeitet. Rund 140 Interessierte verfolgten den ersten von zwei Vorträgen, zu denen der Verein für Heimatkunde in den Veranstaltungsraum der Sparkasse eingeladen hatte.
Foto: WP

Schwelm..  Wenn in Deutschland die Rede ist von Eisen und Stahl und der industriellen Revolution, fällt über kurz oder lang auch der Name Krupp. Was für Essen diese legendäre Unternehmerfamilie war, ist für Schwelm die Familie Müller. Als Stammvater August Müller (1817-1896) im Möllenkotten starb, hinterließ er nicht nur sieben Kinder, sondern auch vier Firmen – für jeden seiner Söhne eine. Darunter befand sich auch die in den frühen 1870er Jahren von den Herrn Wetzel und Isert gegründete Maschinenfabrik und Gießerei, das „Schwelmer Eisenwerk Isert & Co“, das zur Keimzelle des Schwelmer Eisenwerks werden sollte.

Vom Schlosser zum Millionär

August Müller hatte es durch geschickte unternehmerische Aktion verstanden, ein Vermögen zu machen. Als er 1896 starb, erbrachte eine Vermögensaufstellung die stolze Summe von 1,4 Millionen Mark, was nach heutiger Lesart umgerechnet 8,4 Millionen Euro entspricht. Die Erben nutzten diesen neuen Reichtum, um sich prächtige Unternehmervillen in Schwelm zu bauen. Selbst eine eigene Villa Hügel können die Kreisstädten ihr Eigen nennen. Sohn Albano Müller baute sie sich aber nicht im Möllenkotten, der Wiege des Reichtums der Familie, sondern am anderen Ende von Schwelm. Nur dort war Platz genug für den Prachtbau. Die Villa gibt es heute noch. Sie steht an der Ecke Hauptstraße/Obermauerstraße, in Nähe des Schwelmer Rathauses. Selbst das Kutscherhaus und das prachtvolle Vogelhaus sind erhalten geblieben. Nur das circa 12 m hohe gläserne Palmenhaus im Garten wurde im Krieg zerstört.

Über Jahrzehnte prägte das Eisenwerk das Bild der Stadt Schwelm. Die gegenüber des Bahnhofs gelegenen Fabrikhallen waren das erste, was die Zugreisenden bei ihrer Ankunft in Schwelm sahen. Viele glanzvolle Unternehmervillen im Stadtgebiet wurden von der Familie gebaut. Selbst das Hallenbad hat etwas mit dem Eisenwerk zu tun. Es wurde in direkter Nachbarschaft zum Unternehmen gebaut. Die Arbeiter sollten Gelegenheit bekommen, dort ein Bad nehmen und sich duschen zu können. So wird jedenfalls erzählt, dass das damals die Beweggründe für die Standortwahl des Hallenbads im politischen Schwelm gewesen sein sollen. Das Eisenwerk ließ in Schwelm die Schlote rauchen und war maßgeblich für den Wohlstand der Schwelmer mitverantwortlich. Es gab damals kaum eine Familie, in der nicht ein Mensch lebte, der nicht beim Eisenwerk in Arbeit und Brot stand.