Mit neuem Lernkonzept Chance auf berufliche Zukunft

Gevelsberg..  Die Produktionsschule KUSS an der Breitenfelder Straße bietet Jugendlichen im Alter von 17 bis 25 Jahren ein neues Lernkonzept. „Im Zentrum steht nicht das theoretische Wissen, sondern das praktische Tun“, erklärt Ines Tranberend, Geschäftsführerin der Dia gGmbH, die pädagogische Leitidee.

Das Projekt, das vom Europäischen Sozialfonds, dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW sowie dem Jobcenter EN finanziert wird, richtet sich dabei an Jugendliche, die keinen Schulabschluss haben und auch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Die Produktionsschule öffnete am vergangenen Mittwoch ihre Türen. Die 16 Jugendlichen des Projekts präsentierten beim Tag der offenen Tür ihre Produktionsschule, selbst entwickelte Produkte und das neue Lernkonzept.

Der Startschuss für die Produktionsschule war erst im September des vergangenen Jahres gefallen. „Gemeinsam mit den Teilnehmern haben wir die Halle erst saniert und dann völlig neu eingerichtet“, erinnert sich Ines Tranberend. „Durch diesen Entwicklungsprozess ist die Identifikation mit der Produktionsschule besonders hoch.“

70 Prozent männlich

Rund 70 Prozent der Teilnehmer sind männlich. Viele der Jugendlichen haben negative Erfahrungen mit dem normalen Schulsystem gesammelt. In der Produktionsschule fühlen sie sich aber wohl. „Das Projekt führt die Jugendlichen in bestehende Regelsysteme zurück und bietet ihnen so eine berufliche Perspektive“, erklärt Moritz Schneider vom Jobcenter EN.

Die Teilnehmer arbeiten in den Bereichen Holz, Metall, Farbe/Raumgestaltung sowie Garten- und Landschaftsbau. „Dabei kombinieren wir den theoretischen Unterricht, wie beispielsweise die Berechnung eines Kreises, mit der praktischen Umsetzung“, erklärt Andrea Hüsken, die die Jugendlichen täglich anleitet. „Aber auch soziale Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden, wie Pünktlichkeit, werden trainiert und bewertet“, erklärt Joana Renker. Die Pädagogin unterstützt die Jugendlichen während der Projektdauer. Auch die Kreativität soll gefördert werden. So entwickelten die Teilnehmer eigene moderne Sitzmöbel, die bald in Breckerfeld öffentlich installiert werden sollen. Die Teilnahme basiert auf Freiwilligkeit. In einer Art Probezeit können die Teilnehmer entscheiden, ob das Projekt etwas für sie ist. „Trotzdem ist die Fluktuation im Projekt sehr gering, die Auslastung immer nahezu bei 100 Prozent“, erklärt Moritz Schneider.

20 Plätze in 2016

Von montags bis donnertags arbeiten die Teilnehmer von 7.45 bis 15.45 Uhr, freitags ist bereits um 14.45 Uhr Feierabend. Zwei Tage in der Woche gehen die Jugendlichen zum Berufskolleg und holen so ihren Hauptschulabschluss nach Klasse neun nach. Am 4. September endet das Produktionsschuljahr. In 2016 bietet das Projekt sogar 20 Plätze an. Ines Tranberend hofft auf weitere Spenden für das Projekt: „Wir könnten weitere Maschinen gebrauchen und wünschen uns auch einen 3-D-Drucker.“ Geld kann an den Förderverein der VHS Ennepe-Ruhr-Süd gespendet werden.