Mit Jeki fremde Völker erleben

Gevelsberg..  Mit großer Neugierde werden die fremdländischen Menschen und ihre seltsam anmutenden Musikinstrumente in Anschein genommen. Jeder darf Fragen stellen und sogar einmal die Instrumente ausprobieren. Während der kleine Matthias der trommelartigen Dholak ganz behutsam ein paar leise Töne entlockt, ist Klassenkamerad Martin umso energischer und stellt sein Rhythmusgefühl unter Beweis.

Unter dem Motto „Musiker der Welt im Jeki-Klassenzimmer“ waren die drei Inder Sumitra Das Goswani, Papamir und Roop Das an die Georg-Müller-Grundschule nach Gevelsberg gekommen, um den Erstklässlern indischen Gesang und Spielkunst zu präsentieren.

Diesen besonderen Besuch ermöglicht hatte die Bochumer „Jekits-Stiftung“ in Kooperation mit dem Netzwerk globaler Musik „Klangkosmos NRW“, die den Jeki-Unterricht durch Musiker aus der ganzen Welt bereichert. „Die Kinder sind richtig fasziniert. So ruhig ist es normalerweise nicht“, berichtet Jeki-Lehrerin Karin Hegener-Jahn, dass die Sechs- und Siebenjährigen an diesem Tag besonders aufmerksam seien.

Warum die drei Musiker barfuß sind, wieso sie im Schneidersitz auf dem Boden sitzen, warum die Frau einen roten Punkt auf der Stirn trägt und wieso die beiden Männer denn eine so seltsame Kopfbedeckung tragen, wollen die neugierigen Schüler wissen. Über einen Dolmetscher wird ihr Wissensdurst schließlich gestillt. So erfahren die Grundschüler auch, wie man einen Turban bindet und dass dieser entbunden 14 Meter lang ist und bei Kameltreibern sogar stolze 24 Meter. Ferner, dass die imposante Kopfbedeckung ein Zeichen des Verheiratetseins ist und dass jedes Dorf seine eigene Turbanfarbe hat.

Neben vielen Hintergrundinformationen zur indischen Kultur standen natürlich die Musikinstrumente im Vordergrund. Hierzu hatten die indischen Musiker neben der Dholak-Trommel das Boden-Akkordeon Harmonium sowie das Zupfinstrument Tambura mitgebracht. Die rund 50 Schulanfänger lernten, dass diese in Handarbeit hergestellt werden, überwiegend aus Holz bestehen und für das Spielen im Schneidersitz konzipiert worden sind. Natürlich durften sich die Schüler zum Abschluss des Besuchs dann auch an einem kleinen Konzert erfreuen. „Wir sind froh, dass das an dieser Schule geklappt hat. Schließlich hatten die Schüler große Vorfreude auf diesen Tag“, weiß Musikschulleiterin Dagmar Tewes und ergänzt, dass es einem glücklichen Zufall zu verdanken sei, dass der dienstägige Jeki-Unterricht der Schule mit dem Zeitplan der Inder zusammengepasst hätte.

Stars in ihrem Heimatland

Schließlich sind die drei aus Rajasthan stammenden Musiker, die in ihrem Heimatland Stars sind, in der gesamten Woche NRW-weit in verschiedenen Grundschulen unterwegs. Ihre musikalische Deutschlandtournee beinhaltet zudem Auftritte in ganz Deutschland. Nachdem sie am Vortag in Münster gespielt hatten, ging es am nachfolgenden Tag weiter nach Aachen. „Das ist eine ganz tolle Erfahrung für die Schüler, durch die sie auch Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Kulturen vermittelt bekommen“, freut sich Hegener-Jahn über das musikalisch-kulturelle Erlebnis.