„Mit Gott für König und Vaterland!“

Die Völkerschlacht bei Leipzig fand auch unter Beteiligung Schwelmer Soldaten statt. Dr. Dirk Ziesing aus Bochum referierte auf Einladung des Vereins für Heimatkunde zu diesem Thema Deutscher Militärgeschichte.
Die Völkerschlacht bei Leipzig fand auch unter Beteiligung Schwelmer Soldaten statt. Dr. Dirk Ziesing aus Bochum referierte auf Einladung des Vereins für Heimatkunde zu diesem Thema Deutscher Militärgeschichte.
Foto: FUNKE Foto Services

Schwelm..  Unter das Thema „Freiwillige aus Schwelm im 1. Landwehr-Infanterie-Regiment 1813 - 1815“ hatte Dr. Dirk Ziesing, Bochum, seinen Vortrag über die Zeit der Befreiungskriege in und um Schwelm gestellt. Die Veranstaltung fand auf Einladung des Vereins für Heimatkunde Schwelm in der Sparkasse am Bürgerplatz statt.

Landwehrmänner auch aus Schwelm

„Mit Gott für König und Vaterland!“ So lautete der Ruf der preußischen Landwehr in den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815. Vom 16. bis 19. Oktober 1813 fand der Entscheidungskampf der Befreiungskriege statt, der als „Völkerschlacht bei Leipzig“ in die Geschichte einging. Hier kämpften Truppen der Verbündeten Russland, Preußen, Österreich und Schweden gegen die Truppen Napoleon Bonapartes.

In Preußen wurde die Landwehr durch Verordnung vom 17. März 1813 eingeführt. In ihr dienten alle wehrpflichtigen Männer im Alter von 17 bis 40 Jahren, die nicht zu den regulären Einheiten eingezogen wurden oder als Freiwillige Jäger dienten. Die Landwehr war neben dem Stehenden Heer ein Teil der Streitkräfte.

Das erste Westfälische Landwehr-Regiment aus der ehemaligen Grafschaft Mark gehörte zur preußischen Vorhut, die im Juni 1815 auf die Armee des zurückkehrenden Kaisers der Franzosen traf. Die Westfalen erlebten mit Blücher die Niederlage bei Ligny, und bei Waterloo besiegelten sie gemeinsam mit Wellingtons Armee das Schicksal der Truppen Napoleons. In den ersten Julitagen waren es auch die Westfalen, die bei Paris die letzten Opfer vor dem Waffenstillstand brachten.

Unter den Landwehrmännern und im freiwilligen Jägercorps waren auch viele Schwelmer, die zum Teil aus bekannten Schwelmer Familien stammten. Eine in den Kampfhandlungen abgeschossene Kanonenkugel ist übrigens in die Fassade des Wohnhauses an der Windmühlenstraße 5 (früher Cäcilienstraße) eingearbeitet worden. Das Lehrerehepaar Gerda und Willibald Dutz, die viele Jahre am Märkischen Gymnasium in Schwelm unterrichteten, lebte u.a. dort. Das haus wurde 1908 errichtet. Bis 1929 wohnte Familie Hoffmann dort. Wegen der zwei Kinder, Hans und Gretel, wurde es „Hänsel und Gretel“-Haus genannt. Im Besitz der Familie befand sich aus der Völkerschlacht zu Leipzig 1813 eine Kanonenkugel, die Hoffmann in die Hauswand einbaute.

Bei dem Vortrag referierte Dr. Dirk Ziesing sachkundig und eindrucksvoll zu diesem militärhistorischen Kapitel Deutscher und auch Schwelmer Geschichte. Der Historiker und Buchautor ist eigentlich promovierter Ingenieur, befasst sich jedoch seit vielen Jahren mit Militärgeschichte und untersucht diese Aspekte in Bezug auf die jeweiligen Regionen. Dr. Ziesing arbeitet in diesem Zusammenhang mit mehreren Museen zusammen.

Etwa 30 Besucher folgten seinen reich bebilderten Ausführungen im Veranstaltungsraum der Sparkasse. Zahlreiche Nachfragen und weiterreichende Gespräche über die namentlich erwähnten Schwelmer zeugten von dem großen Interesse des Publikums zu diesem bislang wenig beleuchteten Teilgebiet der Heimatkunde.