Mit Farbe gegen die Tristesse der Slums

Die Vereinigung Kunstraum EN eröffnete im Bürgerhaus Alte Johanneskirche in Gevelsberg eine Ausstellung zum Thema Bolivien.
Die Vereinigung Kunstraum EN eröffnete im Bürgerhaus Alte Johanneskirche in Gevelsberg eine Ausstellung zum Thema Bolivien.
Foto: WP

Gevelsberg..  „Am anderen Ende der Welt“ lautet der Titel der Ausstellung, die in den nächsten zwei Monaten im Bürgerhaus Alte Johanneskirche zu sehen sein wird. Bunte Farben, lebendige Motive, aber auch die graue Tristesse der Slums, die Trostlosigkeit der abgeholzten Regenwälder: Zehn Künstler des Kunstraums EN haben die ganze Vielfalt und Ambivalenz Boliviens auf die Leinwand gebracht. Zur Ausstellungseröffnung am Wochenende kamen circa 200 Leute – und ließen ordentlich Geld für den guten Zweck da.

Anstoß durch Marvin Heckmann

Den Anstoß hatte Marvin Heckmann gegeben. Im Rahmen seines freiwilligen sozialen Jahres unterstützt der 22-Jährige im Moment das Bolivianische Kinderhilfswerk, leitet zweimonatige Kunstprojekte mit Straßenkindern in Santa Cruz de la Sierra: Wandbemalungen, Töpferprojekte, das Herstellen von eigenen Farben mit Naturprodukten. „Die Kinder lernen, dass sie auch ohne Geld etwas herstellen können, das von Wert ist“, sagt Regina Potarczyk vom Bürgerhaus Alte Johanneskirche. Eine gute Sache, fand auch Künstler Robert Schiborr, der Marvin Heckmann einst unterrichte und zum Kunstraum EN brachte. So initiierte er gemeinsam mit seinen Künstlerkollegen Agnes Henkes, Stefanie Hogrebe, Beate John, Heike Kemming-Fieberg, Werner Kollhoff, Heike Schemmann, Claudia Westermann und Wolfgang Zackow eine Spendenaktion für das Bolivianische Kinderhilfswerk. Auch Werke von Marvin Heckmann selbst sind dabei.

Robert Schiborr gestaltete außerdem mit Schülern der Realschule Gevelsberg, der Grundschule Nordstadt in Schwelm und des Gymnasiums Holthausen in Hattingen viele kunterbunte Vinyl-Schallplatten mit bolivianischen Motiven, die ebenfalls zum Verkauf für den guten Zweck stehen.

Zwischen 50 und 1000 Euro pro Bild

20 Prozent des Erlöses von jedem verkauften Bild der Ausstellung fließen in Marvin Heckmanns Projekte. Schlecht sah es nicht aus: Eine Stunde nach Beginn waren bereits mehrere der Kunstwerke, die sich in einem Preisrahmen von 50 bis 1000 Euro bewegen, verkauft. Zwei Monate lang müssen die neuen Besitzer ihre Schmuckstücke aber noch teilen – denn solange die Ausstellung läuft, bleiben alle Bilder im Bürgerhaus Alte Johanneskirche.

Unter den Gästen der Veranstaltung war auch Hubertus Kramer, kunstinteressierter SPD-Abgeordneter im Landtag. Er kaufte vor einigen Jahren eins von Marvin Heckmanns Frühwerken und lobte dessen soziales Engagement auch unter ganz persönlichen Gesichtspunkten. Barbara Lützenbürger, Vorsitzende des Kinderschutzbundes, betonte dagegen die Schnittstellen ihrer Organisation mit dem Bolivianischen Kinderhilfswerk. Es sei immer wichtig, sich für Kinder einzusetzen – egal ob hier oder am anderen Ende der Welt. Die Kunst sehe sie als ein Mittel, den Blick zu erweitern, für Neues und anderes zu öffnen: „Diese Ausstellung macht deutlich, wie bunt und vielfältig die Welt ist.“

Breiter Rahmen für Kreativität

Doch neben den sozialen Aspekten verstand sich die Veranstaltung vor allem als kulturelles und künstlerisches „Happening“. Bei Live-Musik von DJ „The Realist“, den „Jazzpiraten“ und der Kinderband „The Movie Groovy’s“ durften ein Glas Sekt oder eine Tasse Kaffee genossen und der ein oder andere Kontakt geknüpft werden. Robert Schiborr ist sich sicher: „Diese Ausstellung bietet einen breiten Rahmen für Kreativität.“