Mit Benzin im Blut durch die Grüne Hölle jagen

Der Schwelmer Kfz-Meister Ulrich Schüngel aus Schwelm hat längst auch seine Tochter Jessica mit dem Motorsport-Virus infiziert.
Der Schwelmer Kfz-Meister Ulrich Schüngel aus Schwelm hat längst auch seine Tochter Jessica mit dem Motorsport-Virus infiziert.
Foto: WP

Schwelm..  Es ist eine jahrzehntelange Liebe zum Motorsport. Ulrich Schüngel aus Schwelm hat einen großen Lebenstraum, den er jetzt endlich verwirklicht: die Teilnahme am legendären 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Dafür nutzt der Kfz-Meister die tiefen Kenntnisse aus seiner Bosch-Werkstatt an der Saarstraße.

Ohrenbetäubender Lärm, Benzingeruch und der Duft von verbranntem Reifengummi liegen in der Luft. Eine Kurzbeschreibung für die Generalprobe am Nürburgring zum legendären 24-Stunden-Rennen. Nah am Schutzzaun in der Boxengasse steht Ulrike Schüngel und kontrolliert mit prüfendem Blick die Leistung ihres Ehemannes auf der Stoppuhr. „Die Rundenzeiten stimmen, alles OK“, sagt sie und hält ein Schild mit der Aufschrift „Tanken“ in Richtung Strecke.

Mit mehr als 200 Sachen rast plötzlich ein weißer Opel Astra über die Ziellinie. So schnell, dass man kaum den Fahrernamen am Fahrzeug erkennen kann. Die Startnummer 511 verrät allerdings: Hier sitzt der Schwelmer am Steuer.

Fehler werden sofort teuer bestraft

Ulrich Schüngel hat mit seiner Leidenschaft zum Motorsport nicht nur sich selbst infiziert. Die ganze Familie begleitet ihn zu Rennstrecken im ganzen Bundesgebiet. Auch seine Tochter Jessica kennt die Faszination Nürburgring und tritt ebenfalls gern auf’s Gas. Hat der 58-Jährige als motorsportbegeisterter Zuschauer angefangen, ist er heute zum aktiven Amateur-Rennfahrer geworden. Mehrmals im Jahr tauscht er seinen Blaumann gegen den schwarz-weißen Rennanzug.

An diesem Samstagnachmittag dreht er wieder seine Runden auf der „Nordschleife“. Es ist eine Art Testlauf als Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Eine Regelung des Veranstalters, die erst vor zwei Jahren eingeführt worden ist. Die Teams und Fahrer sollen dadurch die Gelegenheit erhalten ihre Boliden auf die extremen Bedingungen der Strecke einzustellen.

Dabei helfen dem Kfz-Meister seine technischen Kenntnisse. Sitzt er nicht im Rennauto, repariert er diverse Fahrzeuge aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Es gibt kaum ein technisches Problem, das er nicht schon gelöst hat. Wichtige Voraussetzungen auch dafür, auf der Nordschleife mit einem Auto 24 Stunden ununterbrochen bestehen zu können. „Bei diesem Rennen geht es gegen mich, das Auto und die Strecke. Genau das ist die Faszination“, sagt Schüngel. Fehler kann er sich nicht erlauben, die werden in der Regel sehr teuer bestraft. Die Nordschleife fordert daher von Ulrich Schüngel und seinen Teamkollegen höchste Konzentration.

Mehr als 400 Arbeitsstunden

Die Idee zur Teilnahme an dem Rennen kam ihm im Kreise seiner Konkurrenz bei sogenannten „Benzingesprächen“. „Wir schubsen uns nicht von der Rennstrecke, schenken uns aber auch nichts“, sagt er mit einem schmunzeln auf den Lippen. Gemeinsam mit Tobias Jung (26), Jörg Morth (44) und seiner Tochter Jessica Schüngel (30) möchte er einmal rund um die Uhr über die Nordschleife jagen. Dazu hat das Team im vergangenen Jahr den Opel Astra aufgetrieben.

Von außen sieht der Wagen aus wie ein Serienauto. Im Innenraum steckt neuste Renntechnik. Ein feuerfester Schalensitz ist Pflicht, gelbe Stahlrohre bilden den Schutzkäfig. Eine automatische Löschanlage im Fahrzeug ist vorgeschrieben. Von der ursprünglichen Innenverkleidung und den Teppichen aus der Serie ist nichts mehr zu sehen. Unter der Haube ein Motor mit 200 Pferdestärken, der es ermöglicht, in elf bis zwölf Minuten die Nordschleife zu fahren. Mehr als 400 Arbeitsstunden stecken in dem Boliden, der neben dem persönlichen Engagement auch hohen finanziellen Einsatz fordert.

Bodenwellen und Unebenheiten

Jetzt stand der erste ernsthafte Test des frisch aufgebauten Wagens an. Vier Stunden jagten Ulrich Schüngel und seine Mitstreiter den Opel über den 25,378 Kilometer-Meter langen Rundkurs – eine Mischung aus dem Formel-1-Kurs und der Nordschleife des Nürburgrings. Das Team will wissen, wie sich das Auto mit dem Setup verhält. Vieles ist speziell auf die Bedürfnisse an der Rennstrecke in der Eifel eingestellt worden. „Hier gibt es etliche Bodenwellen und Unebenheiten in der Fahrbahn. Dazu muss das Fahrwerk eher weicher eingestellt werden“, fachsimpelt Schüngel.

Der erfahrene Rennfahrer kommt nach mehr als einer Stunde von der Piste. Ein prüfender Blick aufs Smartphone. Die Rundenzeiten stimmen, das Fahrzeug ist gut eingestellt. Nur ein kleiner Defekt an der Auspuffanlage hielt den Opel für einen Zwischenstopp und eine kurze Reparatur in der Boxengasse. Kein Problem für den Kfz-Meister aus Schwelm. „Er hat ein Ohr für Technik, das Gespür für Fahrzeuge ist einfach der Wahnsinn“, sagt Tochter Jessica, die ihren Vater von Kindesbeinen an zu den Rennstrecken begleitet.

Rennanzug bald an den Nagel hängen

Für den ersten Auftritt beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring scheint das Team gut vorbereitet. Ulrich Schüngel blickt ein wenig mit Wehmut auf das Rennwochenende Mitte Mai. Es könnte einer seiner letzten Auftritte im Rennzirkus sein. Ende des Jahres möchte er kürzer treten, die Lizenz für seinen Rennanzug läuft ab und er plant, ihn dann wortwörtlich an den Nagel zu hängen. „So ganz glaube ich noch nicht daran“, sagt Ehefrau Ulrike Schüngel. „Er bleibt ein Leben lang dem Motorsport verbunden. Schließlich dreht sich in unserem Leben alles um das Auto.“

Vom 14. bis 17. Mai geht es aber erstmal auf die Rennstrecke und da wird Ulrich Schüngel gemeinsam mit mehr als 180 weiteren Startern die Herausforderung in der „Grünen Hölle“ meistern. Viel Glück!

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