Mehr Fragen als Antworten zum Kunstrasen

Schwelm..  Was kostet der Bau zweier Kunstrasenplätze auf dem Sportplatz An der Rennbahn, was die Herrichtung des Sportplatzes Rote Berge für Leichtathletik und Breitensport? Mit welchen Ausgaben ist noch zu rechnen, um verlässlich die Kosten für den Sportpark Nord mit denen der Variante Rennbahn/Rote Berge gegenüberstellen zu können? Politik und Vereine hatten von der ersten Zusammenkunft des „Runden Tisches Kunstrasenplätze“ Klärung erhofft, um eine Entscheidung für die eine oder für die andere Variante treffen zu können. Stattdessen kamen immer neue Fragen auf. Eine Bestandsaufnahme.

Um Zahlen liefern zu können, hatte die Verwaltung Fachleute hinzugezogen: Sportstättenplaner Herbert Vennegeerts aus Herdecke, der auch bei der Planung des auf 1,36 Millionen Euro taxierten Sportparks Nord half, sowie Axel Hübel, Fachmann aus Düsseldorf, für schallschutztechnische Fragen. Ihre Einschätzung: Der Bau zweier Kunstrasenplätze auf dem Sportplatz An der Rennbahn ist machbar und mit etwa 1,342 Millionen Euro zu kalkulieren. Darin enthalten sind die Erdarbeiten, die nötig würden, weil für den Sportplatzbau ein Teil der Böschung verschwinden müsste. Etwa 6000 Kubikmeter Boden müssten bewegt werden. Die Hochspannungsleitung stellt kein Hindernis dar. Nicht enthalten in den Expertenzahlen sind die Kosten für den Parkplatzbau.

Einig waren sich Fachverwaltung und externe Gutachter darin, dass es sich um eine neue, erweiterte Nutzung und nicht um eine bloße Weiternutzung des Sportplatzes handelt. Dies würde einen Bebauungsplan erforderlich machen, den es für das Gebiet noch nicht gibt.

Aufgrund der Nachbarschaft (Gewerbe und Wohnraum) erscheint eine Ausweisung als Mischgebiet oder als allgemeines Wohngebiet möglich. Im Mischgebiet gelten laxere Schallschutzbestimmungen als im Wohngebiet. Soll heißen: Bei Ausweisung als Wohngebiet ist mit weiteren Kosten für den Lärmschutz zu rechnen, und bei B-Plan-Aufstellungen generell immer auch mit zeitfressenden Einwänden von Anwohnern. Ein weiterer Aspekt: Die B-Plan-Aufstellung umfasst eine Bewertung des Untergrundes. Das Areal gilt als „Altlasten verdächtig“. Wenn es schlecht läuft, so die Fachverwaltung, müsse da noch Geld in die Hand genommen werden.

Kosten für Sportplatz Rote Berge bei mindestens 712 000 Euro

Die Kosten für den Sportplatz Rote Berge schätzt Vennegeerts auf mindestens 712 000 Euro – bei einem Kunstrasen mit sechs Kurzstrecken, vier Rundstrecken, Stabhochsprung-, Weitsprung- und Dreisprung-Anlage. Die genannte Summe umfasst auch die Begradigung der Sportplatzfläche, die aktuell einen Meter Höhenunterschied hat, was einen Wettkampf-Betrieb für die Leichtathleten ausschließt.

Auch hier gehen Fachverwaltung und Sportstättenplaner Vennegeerts von der Notwendigkeit eines B-Planes aus, den es auch dort noch nicht gibt. Der Untergrund des Sportplatzes ist mit Altlasten kontaminiert, wovon für den laufenden Betrieb zwar keinerlei Gefahr ausgehe, wie Fachleute ausdrücklich betonen, was aber nach Expertenmeinung erhebliche Kosten nach sich ziehen könnte, sollten für die Herrichtung des Sportplatzes Erdarbeiten nötig werden.

Völlig andere Einschätzungen des VfB Schwelm

Hätte, könnte, wäre . . . Zu ganz anderen Einschätzungen kam VfB-Vorstand Michael Starke, der in den Ausführungen von Fachverwaltung bzw. hinzugezogenen Experten insbesondere zum Sportplatz Rote Berge vielmehr den Versuch sieht, Kosten und Hürden so hoch anzusetzen, dass das Vorhaben am Ende tot gerechnet ist.

Der VfB Schwelm, so erklärte Starke, habe seinerseits selbst kalkuliert und komme zu einem ganz anderen Schluss, nämlich, dass der Sportplatz Rote Berge für maximal 350 000 Euro so gut hergerichtet werden kann, dass die Leichtathleten dort eine wettkampffähige Anlage haben. Und was den Lärm an der Rennbahn betrifft, sei ein vom VfB beauftragte Expertenbüro zu der Einschätzung gekommen, dass dies kein Problem für die Nachbarschaft darstelle.

Starke führte aus, warum für den VfB alles für Rennbahn/Rote Berge anstelle des Sportparks Nord spricht. Einerseits, weil juristische Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit dem Grundstückserwerb den Kunstrasenbau in Linderhausen auf den Sanktnimmerleins-Tag hinauszögern könnten.

Andererseits, weil der Sportpark Nord deutlich teurer werde als bisher immer gesagt. Zu den 1,36 Millionen Euro nur für den Kunstrasenbau einschließlich Parkplatz kämen noch einmal 250 000 Euro für die Versickerungsanlage, 200 000 Euro für die Kabine und 250 000 Euro für die verkehrliche Anbindung auf der Gevelsberger Straße (Linksabbiegespur und Ampelanlage), so die Rechnung des VfB-Vorstandes.

Unterm Strich käme man also auf 2,1 Millionen Euro, denen kalkulierte 1,8 Millionen Euro aus dem Verkauf des VfB-Platzes am Brunnen gegenüberstünden. Der Club will sich bekanntlich mit dem Erlös in die Finanzierung einbringen.

Für die Mitglieder stelle sich da die Frage, so Starke, wer für die Differenz aufkommt. Der Verein werde auf keinen Fall Schulden aufnehmen, und die Stadt sei klamm.

Der VfB macht vielmehr diese Rechnung auf: Nötig seien 1,4 Millionen Euro für den Kunstrasenplätze an der Rennbahn plus 350 000 Euro für Rote Berge. Das ergebe 1,75 Millionen Euro, denen 1,8 Millionen Euro aus dem Erlös und 450 000 Euro, die die Stadt für den Grundstückserwerb in Linderhausen einplant, gegenüberstünden. Da sei sogar noch ein Puffer für den Bau zusätzlicher Kabinen an der Rennbahn wie für Investitionen am Sportplatz Rote Berge drin. Zugrunde liegt diesen Einschätzungen das Konzept des Schwelmers Uwe Hugendick, der am Mittwoch seine Einschätzungen zu den drei Sportstätten ebenfalls darlegen konnte.

Neue Fragen für Vertreter der Politik

Die Leichtathleten erklärten, zufrieden zu sein mit der von ihnen genutzten Anlage an der Rennbahn. Sie sperren sich nicht gegen einen Wechsel zum Sportplatz Rote Berge, brauchen dort aber unbedingt wettkampffähige Zustände.

Für die Vertreter der Politik wiederum stellt sich nun die Frage des weiteren Vorgehens. Der Rat muss am Dienstag, 23. Juni, eine Entscheidung zu der am 30. Juni auslaufenden Kauf-Option für das Grundstück in Linderhausen treffen. Doch der „Runde Tisch“ am Mittwoch hat viele neue Fragen aufgeworfen, auf die es bis Dienstag wohl keine Antwort geben wird, die aber von großer Bedeutung sind. Beispielsweise die, ob der Sportplatz Rote Berge für die vom VfB geschätzte Summe hergerichtet werden kann oder es viel mehr kostet.