Mehr Anerkennung für die Arbeit der Erzieher

Kita-Streiks. Das Streikrecht ist nach dem Grundgesetz ein hohes Gut. Wie aber Erfahrungen aus Großbritannien zeigten, führten gerade Sparten-Streiks (wie der GDL-Lokführer) zu erheblichen Schäden in der Volkswirtschaft, wie soeben bei der Deutschen Bahn die Fahrkunden und vor allem die Transportwirtschaft erfahren mussten (Verlust pro Tag mehr als 100 Millionen Euro). Daher will die Bundesregierung die Spartengewerkschaften in das Tarif- und Streikrecht der Dachgesellschaft integrieren. Lokführer sollen verbeamtet werden und ihr Streikrecht verlieren.


Anders ist die Streiklage beim anstehenden Arbeitskampf der Erzieher und Sozialarbeiter. Er ist berechtigt, da hier endlich die für die Erziehung und Bildung sowie Pflege wichtigen Berufe aufgewertet werden. Dazu sollen sie im Lohngefüge angehoben werden, damit sich dieser Personenkreis ganz seinem erwählten wichtigen Beruf als Kindergärtner oder Sozialarbeiter widmen kann, ohne für den Lebensunterhalt gerade in der Einstiegszeit in die KiTa zusätzlich in einem zweiten Job hinzuverdienen zu müssen. Das würde sicher auch dazu beitragen, den Mangel an Erziehern abzubauen.


Daher geht es auch um mehr Anerkennung für ihren Beruf, der gerade im Kindergartenbereich (Erziehung und Bildung wie die individuelle Kinder-Dokumentation) immer anspruchsvoller geworden ist. Auch sind die zu betreuenden Kinder lebhafter, unruhiger als früher.


Die Eltern haben größtenteils Verständnis, kommt es doch ihrem Interesse an guter Erziehung und Bildung ihrer Kinder entgegen.Wenngleich sie in der Streikzeit die Betreuung ihrer Zöglinge selbst organisieren müssen (Großeltern, Pflegeltern, Urlaub oder Elternkreise). In Gevelsberg sind alle anderen Kindergärten (Kirche /AWO) voll ausgelastet.


Nach Abschluss der Verhandlungen werden die Kostenbudgets der Stadt steigen und damit die Notwendigkeit, die Elternbeiträge anzuheben, da bisher Bund und Länder für das Problemfeld „Personal“ keine Gelder zu Verfügung gestellt haben, nur für den Ausbau an Kita-Plätzen. Andererseits haben die Eltern den Vorteil, dass ihre Kinder dann besser betreut werden. Die Sach- und Sozialkompetenz ihrer Zöglinge kann fachgerechter eingeübt werden und die Eltern können in ihren Berufen tätig bleiben.


Nach dem Tarifabschluss für die Städtischen Kindergärten folgt naturgemäß, dass auch die „Freien Träger“ (Kirche, AWO, Paritätischer Wohlfahrtsverband oder Elterninitiativen) ihren Mitarbeitern höhere Gehälter zahlen müssen. Bei den Kirchen ist bisher die Übernahme des neuen Tarifs gewährleistet. Die Kirchen werden sich an die Stadt wenden, und eine geringere KiTa-Traglaststufe einfordern, um die Schließung zu vermeiden, denn diese würde ein Loch in die städtische Betreuungsbilanz reißen.
Eberhard Wehberg, Gevelsberg