Mehner will Bürgermeister werden

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Ennepetal..  Jetzt ist es offiziell: Dr. Ingo Mehner will als unabhängiger Bürgermeister-Kandidat für die Stadt Ennepetal antreten und sammelt fleißig Unterschriften für die Zulassung zur Wahl. Derweil teilt er nach seiner Nacht in der Ausnüchterungszelle (wir berichteten) öffentlich heftig gegen das Taxiunternehmen Pollmanns aus. Inhaber Manfred Pollmanns wehrt sich, spricht von geschäftsschädigendem Verhalten und behält sich vor, selbst einen Anwalt gegen den ehemaligen Beigeordneten der Stadt Ennepetal einzuschalten.

Vorwurf der Steuerhinterziehung

Zur Erinnerung: Dr. Ingo Mehner hatte sich am Samstag, 24. Januar, gegen 22.35 Uhr von einem Pollmann-Taxi nach Hause bringen lassen und war laut Polizeibericht ausgestiegen, ohne zu bezahlen. Ausweisen konnte oder wollte er sich nicht, teilte dem Fahrer aber laut eigener Aussage mit, „dass ich der sei, der auf den Namensschildern der Kanzlei steht.“

Dann verschwand er ins Haus. Der Taxifahrer rief die Polizei. Die kam und wurde von dem 71-Jährigen, als er sich den Beamten gegenüber ausweisen sollte, mit einer Mandoline angegriffen, die sich vor einem Treffer allerdings in einer Lichterkette verhedderte. Mit 2,6 Promille im Blut kam Mehner in die Ausnüchterungszelle. Die Taxi-Rechnung bezahlte er an diesem Abend nicht.

Die ging nun nach einigen Irrläufern – in Mehners Personalausweis stand eine Gevelsberger Adresse – per Post bei ihm ein und brachte ihn auf die Palme. Aufgeführt sind dort 28,50 Euro inklusive Mehrwertsteuer – 22,50 Euro davon für die Wartezeit des Taxifahrers, bis Mehners Personalien geklärt waren. Die 5,70 Euro will Mehner zahlen, die Summe für das Warten des Fahrers nicht. Zudem bezichtigt er das Unternehmen Pollmanns in einem Schreiben, das er auch an die Redaktion schickte, der Steuerhinterziehung.

Rechnung korrekt

Bisher wollte sich Manfred Pollmanns zu der Sache nicht äußern, doch jetzt „ist ein Punkt erreicht, an dem ich das nicht mehr hinnehmen kann.“ Dr. Ingo Mehner betreibe öffentlich geschäftsschädigendes Verhalten. „In jedem Artikel, den er im Internet schreibt, tauchen wir auf.“ Die Vorwürfe weist er weit von sich. „Wie nachweislich aus der Rechnung hervorgeht, ist der Betrag in Höhe von 5,70 Euro, der auch auf dem Taxameter stand, ein Bruttobetrag inklusive sieben Prozent Mehrwertsteuer.“

Zugleich habe sein Fahrer alles richtig gemacht. Ingo Mehner sei nicht so prominent, dass man ihn erkennen müsse, und wenn jemand nicht zahle und sich nicht ausweisen könne, hätten seine Fahrer die Anweisung, die Polizei zu rufen. „Diese Situation hat Ingo Mehner selbst verschuldet. Mein Wagen stand während dieser Zeit“, sagt Manfred Pollmanns. Da sei es selbstverständlich, dass er diese Summe in Rechnung stelle. Dennoch verzichte er auf die Begleichung des Betrags und hofft, dass diese Sache nun ausgestanden sei und „keine weitere Rufschädigung durch Ingo Mehner erfolgt.“

Der sammelt derweil Unterstützungsunterschriften, um als unabhängiger Bürgermeisterkandidat für die Stadt Ennepetal anzutreten. Der 71-Jährige geht fest davon aus, dass es ihm gelingen wird, die 210 Unterschriften von Ennepetaler Bürgern zu bekommen und nicht wie im Jahr 2009 aus formalen Gründen abgelehnt zu werden. Mehner terminiert seinen Wahlkampfauftakt für den 1. März.

Ermittlungen der Polizei laufen

Dass parallel dazu Ermittlungen laufen wegen Widerstandes gegen einen Polizeivollzugsbeamten, des Versuchs gefährlicher Körperverletzung sowie Beleidigung und Leistungskreditbetrugs bremst ihn in seinem Ehrgeiz nicht. Auch die Stunden in der Ausnüchterungszelle, in die er mit 2,6 Promille kam, scheinen Mehner in seinem Vorhaben sogar noch zu bestärken, schreibt er doch in seiner Internetpräsenz: „Das dürfen Sie sich merken: Als die Messlatte für Bürgermeister in Ennepetal noch bei 2,5 Promille lag, hatte Ennepetal keine schlechten Bürgermeister.“