Mafia-Pate Don Enrico rechnet humorvoll ab

Die Theresagruppe beim Hitparaden-Auftritt: Gekonnt werden Schlager der vergangenen Jahre gecovert.
Die Theresagruppe beim Hitparaden-Auftritt: Gekonnt werden Schlager der vergangenen Jahre gecovert.
Foto: WP

Schwelm..  Als nach dreieinhalb Stunden die letzte Rakete geknallt, der Applaus verhallt und der finale Orden verliehen sind – da erlaubt es sich auch Angelika Meisner kräftig durchzuatmen. Die Sitzungspräsidentin des kfd-Karnevals im Schwelmer Kolpinghaus hatte mit Charme, Witz und Improvisationstalent durch ein launiges Programm geführt, das seines Gleichen sucht in der Kreisstadt an diesem Tag – dürfen sich die katholischen Frauen doch rühmen, die einzige Weiberfastnachts-Sitzung anzubieten.

„Und das alles ehrenamtlich“, sagt Angelika Meisner. Seit dem Jahr 1986, mit zwei Unterbrechungen, moderiert die Schwelmerin diese erstaunliche Sitzung. Organisiert wird der Spaß von der kfd – Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands – aus St. Marien in Schwelm. Und das seit so vielen Jahren, dass sich keiner erinnern kann, wann das Vergnügen seinen Anfang nahm.

Sketche, Gesänge, Vorträge

Was wiederum auf die große Tradition hindeutet, die die Veranstaltung hat. Die meisten Besucherinnen sind verkleidet, die meisten Wiederholungstäterinnen – man sieht sich im Kolpinghaus zu Weiberfastnacht. Traditionell bestreiten die Frauen aus der kfd das Programm – mit Sketchen, Gesängen, Vorträgen. „Am Anfang denke ich immer, in diesem Jahr ist es nicht so lang – und werde jedes Mal eines Besseren belehrt“, sagt Angelika Meisner. Überraschend und witzig sind die Darbietungen, kurzweilig und schwungvoll die Auftritte. Umjubelt die beiden Vorführungen der Theresagruppe, die im wahrsten Sinne des Wortes jüngste Gruppe des Verbands. Die jungen Frauen sichern den Generationenwechsel – und reißen den Saal zu Beifallsstürmen hin mit ihrem Auftritt einmal als Nonnen in Sister-Act-Manier sowie als Hitparaden-Parodie. Die Katharinagruppe kommt mit einer Badezimmerstaffel daher, die Judithgruppe blickt humoristisch zurück auf die gute alte Zeit, dazu gibt es Einzelvorträge.

Als solche kann man die Präsentation des Pastoralteams der Gemeinde nun nicht bezeichnen. Die Mannschaft um Propst Norbert Dudek – von ihm sind die Texte – inszenierte sich in diesem Jahr als Mafia-Familie. Der emeritierte Propst Heinz Ditmar Janousek brilliert dabei in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben ist: Als Don Enrico, in täuschend echt klingendem italienisch-deutschem Singsang, richtet er gnadenlos über die zumeist missratenen Mitglieder seines Clans. Ob er sich mit „Reinhardo“ (Pastor Reinhard Lauer), Christophero (Kaplan Christoph Werecki), Ulrico (Kantor Ulrich Isfort) oder Michele (Küster Ralf-Michael Schmidt) herumstreitet, das letzte Wort bleibt ihm, die Lacher ebenso.

Besonders hart ist das Urteil gegen Norberto (Norbert Dudek), dem er vorwirft, sein Erbe nicht richtig zu verwalten... Das ist feinsinniger und manchmal spitzfindiger Humor, der beweist, wie souverän es wirkt, wenn man über sich selbst lachen kann.

Und so haben nicht nur die Akteure auf der Bühne – für die ihr Auftritt eine Generalprobe für die große Kolpingsitzung heute Abend ist – sondern auch die versammelte Weiberschar riesigen Spaß.

Gute Stimmung im Saal

Und auch das schon aus dem vergangenen Jahr bekannte Duo Propst/Pastoralassistent (Bernd Fallbrügge) versteht es, eine humoristische Hommage auf Schwelm zu halten, die im Lied gipfelt: „Schön ist es hier in Schwelm zu sein, sagt der Nobbi zu dem Bernilein...“

So ist nach Weiberfastnacht schon fast wieder vor Weiberfastnacht. Begeistert zeigten sich auch Ursula Lüdorf, Doris Hens und Petra Pabst, die mit ihren Teams das fröhliche Unterfangen auf die Beine gestellt hatten. „Das war wirklich toll“, meint Ursula Lüdorf und freut sich über die gelungene Mischung des Programms sowie die gute Stimmung im Saal.

„Freude und Glauben, tanzen und knien, zusammen gehört’s, meint euer Pastoralteam St. Marien“, beendet die Mafia-Familie um Don Enrico ihren Auftritt. Dem ist nichts hinzuzufügen. Bis zum nächsten Jahr. Schwelm Helau. Im Kolpinghaus. An Weiberfastnacht.