Mädchen in Gevelsberg mit SUV überrollt – Geldstrafe für Fahrer

Gevelsberg..  „Es tut mir so unendlich Leid. Ich habe das Bild noch immer im Kopf. Die Mädels tun mir so Leid“, sagte ein 49-jähriger Autofahrer mehrfach vor dem Schwelmer Strafgericht. „Aber ich bin mir einfach keiner Schuld bewusst.“ Wegen zweifacher fahrlässiger Körperverletzung saß der Radevormwalder Versicherungsvertreter nun auf der Anklagebank. Ihm ist der Alptraum eines jeden Verkehrsteilnehmers widerfahren.

Am 14. Oktober vergangenen Jahres gegen 17.10 Uhr war er mit seinem Mercedes ML aus der Bredderbruchstraße nach rechts in die Breddestraße eingebogen und hatte zwei Schülerinnen überfahren, die dort offenbar mit den Füßen auf der Fahrbahn auf dem Bordstein saßen. Der Geländewagen überrollte das rechte Bein der Zwölfjährigen. Die 13-Jährige traf es weitaus schlimmer. Sie wurde unter den schweren SUV gerissen, überfahren und bäuchlings unter der Vorderachse eingeklemmt. Erst bei einem Großeinsatz konnten die Kameraden der Feuerwehr die Eingeklemmte befreien. Sie erlitt unter anderem Rippen-Serienfrakturen sowie einen Milzriss und musste auf die Intensivstation.

Bereits erste Ermittlungen ergaben einen Tag später, dass der 49-Jährige beim Einbiegen aus der Spielstraße in die Tempo-30-Zone „ die Kurve geschnitten“ habe. Die Staatsanwaltschaft sah die fahrlässige Körperverletzung als erwiesen an und klagte den Autofahrer an. Er wurde zu 2000 Euro Geldstrafe per Strafbefehl auf schriftlichem Weg verurteilt. Dagegen hatte er Einspruch eingelegt, so dass es nun zur mündlichen Verhandlung kam.

„Dann eben mit Einweiser fahren.“

„Ich konnte den Unfall nicht vermeiden“, sagte der Angeklagte immer wieder. Allein die Größe seines Wagens und ein nicht geschnittener Busch hätten ihm die Sicht auf die sitzenden Mädchen geraubt. Obwohl er Schrittgeschwindigkeit gefahren sei, habe er keine Chance gehabt. Die Kurve habe er kurz nehmen müssen, weil gegenüber geparkte Autos, ihn nicht weiter hätten ausholen lassen können. „Tja, dann müssen Sie halt mit Einweiser fahren“, konterte die Staatsanwältin. Gegebenenfalls müsse sogar ein Ortstermin her. Soweit kam es nicht.

Nach mehreren Beratungen der involvierten Juristen (Gericht, Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung) hinter verschlossen Türen, kam man zu einer Einigung, „die hoffentlich das Vernünftigste für alle Beteiligten ist“, wie Richter Bastian Cardue sagte. „Es kann jedem passieren. Wenn es aber passiert, muss es geahndet werden.“

Das Strafverfahren wurde im Einverständnis aller vorläufig eingestellt und davon abhängig gemacht, dass der Vertreter 500 Euro Geldbuße an eine gemeinnützige Organisation, 1500 Euro Schmerzensgeld an die 13-Jährige und 500 Euro an das zwölfjährige Opfer zahlt. Darüber hinaus gehende Ansprüche der Geschädigten muss ein Zivilgericht entscheiden.