Luftige Werbung: Im Bann des Bannerfliegens

Himmlische Werbung: Viele haben es in den vergangenen Tagen über der heimischen Region  gesehen, das Werbebanner für den Zirkus „FlicFlac“.  Am Steuer des Flugzeugs, das das riesige Stück Stoff zieht, sitzt Michael Amm. Bannerfliegen und Fotoflüge sind die Spezialität des leidenschaftlichen Berufspiloten.
Himmlische Werbung: Viele haben es in den vergangenen Tagen über der heimischen Region gesehen, das Werbebanner für den Zirkus „FlicFlac“. Am Steuer des Flugzeugs, das das riesige Stück Stoff zieht, sitzt Michael Amm. Bannerfliegen und Fotoflüge sind die Spezialität des leidenschaftlichen Berufspiloten.
Foto: WP

Ennepetal..  Michael Amm ist Berufspilot und seit acht Jahren Bannerflieger. Damit gehört der Ennepetaler zu den wenigen Piloten, die diese Art der liebenswürdig altmodischen Werbung mit großer Strahlkraft am Himmel noch fliegen.

„In den 60er Jahren war das Bannerfliegen fast ausgestorben“, erzählt Pilot Amm in seinem Wohnzimmer im Stadtteil Homberge. Im grünen Haus mit dem großen aufgemalten Flugzeug an der Hauswand lebt er mit seiner Familie, mit seiner Frau, der er die Flugangst nehmen konnte, mit seiner Tochter und seinem Sohn, die die Flugzeuge vom Vater schon von weitem am typischen Brummen erkennen.

Pilot zu sein, erst Recht ein Bannerflieger, heißt, auf den Wetterbericht zu achten. Gibt der grünes Licht, ist Amm weg. Auf dem Weg nach Marl, wo seine „Huskey“ steht. Daran musste sich auch seine Frau Stephanie erst gewöhnen. Seit zehn Jahren sind die beiden ein Paar. So ruhig er ist, so quirlig ist sie. Zusammen, sagen sie, sind ein richtig gutes Team. Nur die typische Fliegerfrau, die Brötchen am Flugplatz schmiert und wartet, wollte Stephanie Amm nie sein.

Das Bannerfliegen ist kein Beruf wie jeder andere. Aber Klischees will Michael Amm auch nicht gelten lassen. Er hört nicht „Über den Wolken“, auch wenn er die grenzenlose Freiheit über den Wolken bei jedem Flug, bei jedem Auftrag spüren kann.

Denn genau das sind seine Flüge: Aufträge. Amm macht Werbung. Keine Anzeigen, keine flotten Sprüche; mit seiner zweisitzigen „Huskey“ zieht der leidenschaftliche Pilot zurzeit unter anderem das schwarze Banner mit den großen gelben Buchstaben des Zirkus „Flic Flac“ über den Himmel. Gut sichtbar, aber possierlich klein wirkt das Banner am Horizont. Im Garten von Amms Wohnhaus, das auch Geschäftssitz und Büro für seine beiden Firmen – er bietet auch Luftbilder an – ist, sehen die Proportionen ganz anders aus. Der Garten fasst kaum das schwarze Tuch, die Buchstaben sind weit mehr als mannshoch. Sieben mal dreißig Meter ist die Werbung lang und breit, strahlend gelb die Buchstaben auf dem schwarzen Grund. Luftig leicht sieht der Stoff aus. Er ist es auch und muss es sein, denn wenn Michael Amm das Banner am Haken hat, gleiten 210 Quadratmeter hinter dem Leichtflugzeug her.

Wenn Michael Amm von wir spricht, heißt das: „Mein Flugzeug und ich.“ Die Bindung ist eng, die Routine auch. „Egal, wann wir am Flugplatz ankommen, egal wie spät es auch geworden ist, Michael ist immer ruhig. Wenn nicht alles perfekt ist, startet er nicht“, erzählt seine Frau. Ruhe, sagt Michael Amm nur, sei bei der Sache hilfreich. Wenn das zweisitzige Leichtflugzeug startet, um dann im großen Bogen das kleine Tor zu treffen und den Haken aufzunehmen, der das Banner am Flugzeug befestigt, ist Amm hochkonzentriert.

Auch Heiratsanträge am Haken

Sobald er dann seine Bahnen am Himmel zieht, beginnt der schönste Teil seines Berufs: Die Zeit über den Wolken. Bis zu sechs Stunden zieht er mit der Werbung im Schlepptau seine Kreise. Glücklich macht ihn das Fliegen bis heute. „Ich kann auch einfach stundenlang gucken“, sagt Michael Amm.

Ist er dann irgendwann wieder auf dem Boden, freut er sich wieder. Immer dann, wenn Menschen ihn auf seine Werbung ansprechen. Auf das große schwarze Banner von FlicFlac, auf die Heiratsanträge, die er manchmal mit in die Höhe nimmt, denn die Reaktionen sind immer die gleichen: Menschen, die in den Himmel gucken und sich freuen. Sympathisch irgendwie. Und wirksam – denn genervt war noch niemand von der Werbung am Himmel.