Lina Ammor (26) als jüngste Ratsfrau im Scheinwerferlicht

Studentin, Politikerin und Sängerin: Lina Ammor nutzt viele ihrer Talente auf ihrem Lebensweg. Und in allen Bereichen ist die 26-Jährige erfolgreich.
Studentin, Politikerin und Sängerin: Lina Ammor nutzt viele ihrer Talente auf ihrem Lebensweg. Und in allen Bereichen ist die 26-Jährige erfolgreich.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Lina Ammor studiert Politikwissenschaften, das ist vielleicht normal. Die 26-Jährige ist das jüngste Mitglied im Gevelsberger Stadtrat, das ist ungewöhnlich. Als Sängerin steht sie auf Bühnen im In- und Ausland, das ist erstaunlich.

Gevelsberg.. Die 26-Jährige Lina Ammor sitzt für die SPD als jüngstes Mitglied im Gevelsberger Stadtrat. Als Sängerin steht sie sogar international im Scheinwerferlicht. Nebenbei hat Lina Ammor noch die Patenschaft für eine Flüchtlingsfamilie übernommen, das ist Engagement. Alles zusammen macht aus ihr eine außergewöhnliche Frau.

Fangen wir bei der Musik an. Die liegt im Blut. „Meine Großmutter Khadouj war Sängerin bei der ersten Girlgroup in Marokko, da wo unsere Familie her stammt“, verrät Lina Ammor. Das war in den 50er und 60er Jahren. Auch Mama und Papa seien musikalisch. Sie selbst stand 1995 zum ersten Mal vor der Fernsehkamera.

Von Barbara Schönberger gefördert

Das Debüt gab sie bei der damals sehr beliebten „Mini-Playback-Show“ von Marijke Amado. Später entdeckte eine Reggae-Band in ihrer Geburtsstadt Hannover Lina als Stimme. Das brachte ihr einen Auftritt im dortigen Fußballstadion ein: „Die Musiker waren alle 15 Jahre älter als ich.“ Bei der Computermesse Cebit wurde das Nachwuchstalent von Barbara Schöneberger auf die Bühne geholt: „Da war ich 16 oder 17 Jahre alt.“

Lina Ammor hat sich bei ihrer Karriere nie auf andere verlassen. Sie brauchte keinen professionellen Manager. Die Mund-zu-Mund-Propaganda verhalf ihr zu einem Auftritt beim Apres-Ski im Wintersport-Nobelort Ischgl. Ein Autohersteller lockte mit ihrer Stimme die Besucher beim Genfer Autosalon an. Sie sang im Münchner P1, dem angesagtesten Club der bayerischen Landeshauptstadt, genauso wie beim Deutschen Sportpresseball, dem gesellschaftlichen Ereignis des Jahres in Frankfurt am Main: „Das war mein bisher größter Auftritt.“

Bei vielen Orchester-Chefs steht die Telefonnummer von Lina Ammor im Notizbuch, wenn eine Sängerin für Auftritte gefordert wird. Überwiegend nimmt sie die Hits von gestern und heute auf und versucht ihnen eine ganz persönliche Note zu geben. „Neulich habe ich zum ersten Mal ,Hello’ von Adele in einem Beachclub am Rhein gesungen. Als die Zuschauer leise wurden, zugehört und mich mit ihren Handys aufgenommen haben, da wusste ich, dass ich damit erfolgreich bin“, erzählt Lina Ammor. Inzwischen sind ihre Engagements so zahlreich, „dass ich quasi davon leben könnte.“

In ihrem Kalender stehen aber nicht nur die großen Auftritte. „Ich komme auch solo oder werde nur von einem Pianisten oder einer Saxofonistin begleitet“, sagt Lina Ammor. Nur: In ihrer neuen Heimat habe es bisher wenig Möglichkeiten gegeben, sie live zu erleben: „In der Musikszene fehlen mir noch die Kontakte.“

Rekordsieg mit der SPD bei Kommunalwahlen

Lina Ammor ist erst 2012 von Düsseldorf nach Gevelsberg gezogen. Ein Jahr später trat sie hier in die SPD ein. „Ich habe einen großes Empfinden für Gerechtigkeit“, nennt sie den persönlichen Grund, sich politisch zu engagieren. Die Lehrer und Eltern hätten ihr auch immer wieder diplomatisches Geschick bescheinigt. Das kann sie seit 2014, nach dem Rekordsieg ihrer Sozialdemokraten bei den Kommunalwahlen, im Gevelsberger Stadtrat unter Beweis stellen: „Ich bin über die Liste reingerückt.“

Kommunalwahl 2014 Wenn Lina Ammor nach ihrem musikalischen Vorbild gefragt wird, dann kommt wie aus der Pistole geschossen: „Whitney Houston“. Nach einer Person als politisches Ideal gefragt, wird die 26-Jährige ganz nachdenklich. Ein perfektes Leitbild hat sie für sich in diesem Bereich noch nicht entdeckt: „Vielleicht am ehesten Mutter Teresa“.

Gevelsberg eine überschaubare Stadt

Letzte Frage: Was denkt eine junge Politikerin und Künstlerin, die in Landeshauptstädten wie Hannover oder Düsseldorf mit einer dynamischen Musikszene aufgewachsen ist, über das Städtchen Gevelsberg, wohin sie ihrer Mutter gefolgt ist? „Es gefällt mir. Die Stadt ist überschaubar, es gibt viele schöne Veranstaltungen und man ist doch schnell überall in den Großstädten, wenn man das möchte.“ Und dann zwinkert sie mit dem Auge und fügt noch scherzhaft hinzu: „Hier ist es gar nicht so, wie ich es mir auf einem Dorf vorgestellt habe.“