Licht am DHL-Logistikzentrum wird gemessen

Die Anwohner blicken aus ihren Fenstern direkt auf das Logistikzentrum, dass durch die Strahler mit Beginn der Dämmerung ausgeleuchtet wird.
Die Anwohner blicken aus ihren Fenstern direkt auf das Logistikzentrum, dass durch die Strahler mit Beginn der Dämmerung ausgeleuchtet wird.
Foto: WP

Schwelm..  Die Sorgen der Anwohner, die sich über die helle Beleuchtung auf dem Gelände des DHL-Logistikzentrums beschweren und sich nachts von dem Licht so sehr belästigt fühlen, dass sie nach eigener Darstellung nicht mehr vernünftig schlafen können, werden von Fachleuten des Ennepe-Ruhr-Kreises und des Landesumweltministeriums ernst genommen. So ernst, dass demnächst eine Lichtmessung durchgeführt wird.

Die Entscheidung dazu fiel Anfang dieser Woche nach Gesprächen zwischen den Fachleuten des Kreises und des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Die Anwohner hatten sich in ihrer Sorge an den Kreis gewandt, und der wiederum mit Schreiben vom 2. Dezember ans LANUV, denn nur Fachleute des Landesamtes sind überhaupt in der Lage, Lichtimmissionen zu messen. Nach Abwägung der vorgebrachten Hinweise seitens der Anwohner entschieden die Fachleute beider Behörden am Montag: Die Angelegenheit wird überprüft.

Komplexes Phänomen

Lichtimmissionen oder Lichtverschmutzungen sind ein komplexes Phänomen. Experten haben dabei sowohl die Raumaufhellung wie auch die Blendwirkung zu beurteilen. Bei der Blendung durch Lichtquellen wird zudem zwischen der physikalischen und der psychologischen Blendung unterschieden. Und bei der Beurteilung spielen immer mehrere Faktoren mit rein, beispielsweise die Lichtstärke, die Lichtart und die Frequenz (Flackern). Das sogenannte Messdesign, also was und wie zu welchen Uhrzeiten die Experten am und rund um das DHL-Logistikzentrum messen, soll bis spätestens Ende des Monats stehen. Die Messung soll noch im ersten Quartal erfolgen. Dies schon allein aus dem Grund, weil die Nächte dann wieder kürzer werden.

Die Anwohnern der Robert-Frese-Straße, deren Häuser in Hanglage unmittelbar neben dem Betriebsgelände stehen, klagen über die Lichtglocke, die ab der Dämmerung über dem DHL-Logistikzentrum liegt. Man werde geblendet, wenn man aus dem Fenster schaue. Die Scheinwerfer an der Außenfassade des gelben Komplexes seien zu hoch aufgehängt. Nachts, ab 3 Uhr, wenn die ersten Lkw kommen, würden die großen Lichtfluter angehen und das Vorfeld hell ausleuchten. Ein Anwohner soll sein Schlafzimmer unterm Dach bereits in einen Raum auf der Rückseite verlegt haben, weil das Schrägfenster vorne keine Markise hat und zuviel Licht nachts ins Zimmer fällt.

Ob und wieweit die Beleuchtung am DHL-Logistikzentrum zulässige Grenzwerte überschreitet, wird Gegenstand des Gutachtens sein, was das LANUV nach der Messung dem Kreis als Aufsichtsbehörde erstellt. Inwiefern sich daraus Ansprüche auf Nachbesserung oder Heilung ableiten lassen, ist offen und müsste wahrscheinlich über den Rechtsweg geklärt werden.

Die Beleuchtung am Logistikzentrum ist auch für DHL ein Thema, was das Unternehmen nach eigener Aussage ernst nimmt. Nach einer Begehung am 16. Dezember habe man Firmen angeschrieben, mit der Bitte um Kostenvoranschläge. DHL-Sprecher Alexander Böhm sprach von der Möglichkeit, beispielsweise Leuchten abzudimmen, Lampenschirme anzubringen oder Leuchten durch weniger helle zu ersetzen. Man wolle eine verträgliche Lösung für Betrieb und Anwohner.

Für die heutigen frühen Morgenstunden kündigte DHL eine Kontrolle der hohen Lichtstrahler an. Eigentlich dürften die Strahler nur angehen, wenn ein Lkw aufs Gelände fährt. Das wäre laut DHL nach aktuellem Stand einmal um 3.40 Uhr der Fall und dann wieder um 6 Uhr. Anwohner berichteten aber, dass die Strahler schon ab 3 Uhr hell leuchten. „Wir kontrollieren das“, erklärte DHL-Sprecher Böhm.