Lebenslänglich für Mörder (48) aus Ennepetal

An der Willringhauser Straße in Rüggeberg hatte der 48-Jährige rasend vor Eifersicht seine Ex-Frau (46) erstochen.
An der Willringhauser Straße in Rüggeberg hatte der 48-Jährige rasend vor Eifersicht seine Ex-Frau (46) erstochen.
Foto: WP

Ennepetal..  Als die Richterin das Urteil verkündete, brandeten im überfüllten Schwurgerichtssaal des Hagener Landgerichts Jubel und Beifall auf. Lebenslänglich muss der 48-jährige Rüggeberger für den Eifersuchtsmord an seiner Frau büßen.

Ein ganzer Stadtteil war auf den Beinen, um zu sehen, wie ein Mann bestraft wird, der seine Frau aus niederen Beweggründen mit vier Messerstichen getötet hat. Es waren ehemalige Kunden der beliebten Friseurin, Bekannte, Freunde und Verwandte, die mit ihrer Anwesenheit auch der Getöteten eine letzte Ehre erweisen wollten. Viele im Publikum trugen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „RIP – Ruhe in Frieden“ – und dem Todesdatum. Dazu ein Foto, das die Tote so zeigte, wie Zeugen sie immer wieder beschrieben hatten: eine attraktive, zarte Frau, die hinreißend lächelte und Freude und Fröhlichkeit verbreitete. „Wenn sie auftauchte, schien die Sonne“, sagte eine enge Freundin vor der Urteilsverkündung. „Und das hat er uns genommen“, fügte sie bitter hinzu.

Er, das ist der 48-jährige Ehemann. Scheinbar ungerührt ließ er über sich den letzten Prozesstag ergehen. Wie zuvor beschäftigte er sich ständig mit seinen Notizen. Er sah sich heftigen Schmähungen aus dem Publikum ausgesetzt. Mehrmals musste die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen für Ruhe sorgen. Besonders als Verteidiger Frank Becker auf Totschlag im Affekt plädierte, gab es empörte Zwischenrufe und verächtliches Gelächter.

Bluttat mehrere Tage lang geplant

In ihren Ausführungen würdigte die Richterin die konstanten Aussagen der Zeugen, die fast einmütig die Angst der Getöteten beschrieben und deren Hinweise und Äußerungen wiedergaben sowie die Besonnenheit des Sohnes. Was zu Beginn des Prozesses noch diffus erschien, setzte sich zu einem stimmigen Bild zusammen. Zunächst war da die Liebe, die in den 90ern begann. Der Angeklagte wurde als lustiger und hilfsbereiter Mensch geschildert, der nur den Fehler hatte, dass er zu Rechthaberei und Herrschsucht neigte. Aus der Neigung wurde eine Eigenschaft. Als die Liebe an der Eifersucht des Angeklagten 2008 zerbrach, akzeptierte er den Trennungswunsch seiner Frau nicht und schlug sie. Später blieb er in der Nähe, verließ sie nie ganz, ging in der Wohnung in Rüggeberg ein und aus, wie es ihm gefiel. „So manifestierte er seine Besitzansprüche und seine Kontrolle über seine Frau. Es war ein permanentes Bedrohungsszenario“, stellte die Richterin fest.

Aber dass seine Frau ihm zunehmend entglitt, konnte er nicht verhindern. Im Mai vergangenen Jahres begehrte sie gegen ihn auf: „Ich habe keine Angst mehr vor dir!“ Sie ließ die Türschlösser austauschen und meldete seine Post an ihre Adresse ab. Das war der Moment, in dem der Angeklagte „nicht mehr seinen Besitzanspruch geltend machen konnte. Die Trennung lag jetzt sichtbar vor seinen Augen. Und das war ihr Todesurteil“, so die Richterin weiter. So plante er einige Tage die Tat, bis er seine Frau am 18. September mit einem Küchenmesser ermordete.

Die Anwältin des Sohnes und der Schwester der Getöteten, Heike Tahden-Farhat, erklärte im Namen der Familie: „Rüggeberg ist ein Dorf und steht hinter der Familie. Für uns alle ist es Mord. Der Sohn bat mich, Ihnen auszurichten: „Es war eine Folter für mich, immer von dem Messer und der Angst meiner Mutter zu hören.“