Laufen wird überbewertet

Seit einiger Zeit spielt in meinem Fernseher die Fußball-Bundesliga (und die Champions League und die englische Premier League und und und...). Live und mit allerlei höchst erhellenden Analysewerkzeugen, die mich immer wieder ins Grübeln bringen.


Da gibt es zum Beispiel eine sehr aufwendige Grafik, die verdeutlichen soll, wo sich ein bestimmter Spieler im Laufe des Spiels aufgehalten hat. Dafür wird das Feld in zig Quadrate eingeteilt, die Aufenthaltsorte des Betreffenden in den 90 Minuten werden eingefärbt: Rot ist es, wo er besonders viel herumgelaufen ist, orange, wo er sich etwas weniger aufhielt, gelb, wo er selten vorbeischaute und weiß, wo er sich gar nicht blicken ließ.


Ich musste nun daran denken, wie ein solches Bewegungsprofil bei mir einst ausgesehen hätte. Mancher frühere Trainer und Mitspieler zeigt jetzt schon ganz hektisch auf: Richtig, der Mittelkreis wäre tiefrot, fast violett eingefärbt gewesen, einzelne gelbe Sprenkel hätten sich in den Strafräumen befunden.


Doch was nützt diese Erkenntnis? Ich gebe an dieser Stelle gerne zu, dass das Laufen für mich nicht der entscheidende Bestandteil des Fußballspiels war (und ist). Ich untermauere das gerne mit einer im Fachblatt „Schalke Unser“ veröffentlichten Begebenheit: Mein mit mir untrennbar verbundener königsblauer Club hatte vor einiger Zeit in einem Spiel weniger Zweikämpfe gewonnen, war weniger gelaufen und hatte weniger Ballbesitz als der Gegner (Werder Bremen)– und gewann dennoch deutlich mit 3:0.


Wie kann das sein? Die Fachleute äußern eine Vermutung, die ich teile: Es könnte an den drei Toren gelegen haben...