Langer Weg für Energie-Pioniere

AVU-Vorstand Uwe Träris und Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen (rechts) geben sich die Hand auf die neue Partnerschaft.
AVU-Vorstand Uwe Träris und Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen (rechts) geben sich die Hand auf die neue Partnerschaft.
Foto: WP

Ennepetal..  Mehr als zwei Jahre Arbeit stecken in dem Projekt, dass die Ennepetaler im Kreis in den Pionierstatus hebt: Sie haben keine neuen Konzessionsverträge aufgesetzt, sondern werden die Strom- und Gasversorgung in der ­Klutert­stadt teilweise kommunalisieren (wir berichteten). In ungewohnter Eintracht trugen sämtliche Ratsfraktionen die gesamte Entwicklung mit. Eine Materie die komplex ist und bei der sich am Ende alles auf das jetzige Projekt reduzierte.

Einfluss auf Netzausbau nehmen

Die Überlegung, die dahinter steckt, dass die Stadt eine eigene Netzbetreibergesellschaft gründet und 49 Prozent der Anteile an einen strategischen Partner vergibt, erläutert Martin Brück von Oertzen: „Ein kommunaler Netzbetreiber hat andere Interessen als eine Kommune.“ Er hatte die Stadt Ennepetal bei allen strategisch-juristischen Fragen beraten und betont: „Dieses Modell ist mit Sicherheit nicht etwas für jede Kommune, aber hier passt es.“

Dem schließt sich Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen in vollem Umfang an: „Wenn nun Fragen anstehen, wie wir unser lokales Netz in der Zukunft ausbauen, welche intelligenten Lösungen wir haben wollen – Stichwort Grünstrom – können wir dies nun deutlich mehr nach unseren Bedürfnissen ausrichten, als wenn die Gesamtinteressen der AVU über ihr großes Netzgebiet mit sehr unterschiedlichen Kommunen stets im Zentrum der Betrachtungen stünden.“ Ergo: Die Möglichkeit der Einflussnahme war maßgeblich für die Ennepetaler.

Dass jetzige Ergebnis stand dabei jedoch nicht alternativlos im Raum. Kämmerer Dieter Kaltenbach – für den qua Amt natürlich auch die Wirtschaftlichkeit ein ganz entscheidender Faktor war: „Wir waren im Vorfeld sehr bemüht, dieses Projekt interkommunal auf den Weg zu bringen.“ Einziges Hindernis: „Niemand anderes wollte sich mit in einer Betreibergemeinschaft engagieren“, so Kaltenbach.

Konzessionsvergabe steht an

Also packten die Ennepetaler dieses mehr als komplexe Projekt allein an. „Zweieinhalb Jahre hat die Politik sehr intensiv und stets auf Augenhöhe mit daran gearbeitet. Dabei haben wir stets das Vertrauen aller Fraktionen gespürt“, richtet Wiggenhagen großen Dank an die Ratsmitglieder für ihre Unterstützung.

Drei Grundpfeiler stehen für die Umsetzung im Zentrum aller Überlegungen: Erstens muss sich die Sache aus sich selbst heraus finanzieren. Heißt: Der Gewinn, den die Kommune über ihren 51-prozentigen Anteil an der Betreibergesellschaft erzielt, muss die Finanzierung komplett abdecken.

Zweitens dürfen dadurch nicht die Nutzungsentgelte für die Kunden steigen. Sie unterliegen weiterhin ihrer normalen Entwicklung und werden durch die neuen Eigentümer nicht beeinflusst.

Drittens: Dies sollte kein politisches Kampfthema werden. Das ist gelungen, denn die erhofften Früchte wird eine andere Generation ernten, wenn die Kredite in 20 Jahren komplett getilgt sind.

Jetzt muss noch die Konzession an die neue Gesellschaft gehen.