Lange Tradition an der Voerder Straße 94 endet

Lutz Gehrmann hat sein Geschäft an der Voerder Straße 94 zum 31. Dezember geschlossen.
Lutz Gehrmann hat sein Geschäft an der Voerder Straße 94 zum 31. Dezember geschlossen.
Foto: WP

Ennepetal..  Den Tag im Jahre 1998 wird Lutz Gehrmann nie vergessen: „Plötzlich stand ein Geschäftsführer von Foto Jansen in der Ennepetaler Filiale und kündigte an, dass in wenigen Tagen das Geschäft an der Voerder Straße in Milspe geschlossen wird.“ Filialleiter Gehrmann sollte ein anderes Jansen-Geschäft übernehmen. Lutz Gehrmann überlegte nicht lange und sagte: „Ich kündige fristlos!“ So legte Lutz Gehrmann den Grundstein für seine Selbstständigkeit. Aus der Jansen-Filiale wurde Foto Gehrmann. Am Silvestertag hatte Gehrmann sein Fachgeschäft auf der Voerder Straße, nahe der Einmündung Mozartstraße, zum letzten Male geöffnet.

Der 66-Jährige ist jetzt im Ruhestand. Sein ganzes Berufsleben wurde von der Fotografie geprägt. Schon als Drogist beschäftigte er sich mit der Herstellung von Fotos, später studierte Lutz Gehrmann Fotografie in Köln und verband dann Einzelhandel und Fotografie, eben bei Foto Jansen. Er war in mehreren Filialen als Leiter tätig.

Wer schnell Fotos für den Pass oder für eine Bewerbung benötigte, der war bei Gehrmann gut aufgehoben. Kameras und alles was dazu gehört, faszinieren den Experten bis heute. Die rasante Entwicklung der Fotografie kann man an seinen gesammelten Kameras ablesen. „Ich bin im Gespräch mit Professor Döpp vom Industriemuseum. Vielleicht können dort Kamera-Raritäten als Dauer-Leihgabe ausgestellt werden.“ Der Fachmann plaudert mit Leidenschaft über das Geschehen in der Fotoindustrie und sagt: „Drei-D-Kameras gab es schon vor hundert Jahren. Das Prinzip hat sich nicht verändert.“ Dann präsentiert er das schöne Stück.

Auch im digitalen Zeitalter war Lutz Gehrmann Ansprechpartner für Fotofreunde, die mit einem Film im Gehäuse auf Foto-Pirsch gingen. Im Geschäft selbst war noch mehr zu bekommen als Fotoartikel. Batterien, Zubehör für das Handy, Ansichts- und Glückwunschkarten und kleine technische Dinge, die das Leben bequemer machen, füllen mit das Geschäftslokal.

Mehrmals in der Woche war auch Gehrmanns Frau Gabriele im Geschäft zu finden. Sie brachte immer Jule mit. „Jule ist ein türkischer Senfhund“, sagt Lutz Gehrmann und erklärt lächelnd: „Er ist ein Mischling aus der Türkei. Es haben eben viele ihren Senf dazu getan.“ Jetzt, wo es mehr Freizeit gibt, wird Jule noch mehr im Mittelpunkt der Gehrmanns stehen. Es existiert nämlich schon eine „Senf-Hundegruppe“. Und Reisen steht auch auf dem Plan des Ehepaares, das vor einiger Zeit von Wuppertal zur Tochter nach Schwelm gezogen ist.

Keinen Nachfolger gefunden

Ein Fotogeschäft wird es wohl in Zukunft in den jetzt ehemaligen Gehrmann-Räumen nicht mehr geben. „Zwei Interessenten haben sich nicht mehr gemeldet“, so Lutz Gehrmann und ist sich sicher: „Angst vor Berlet muss man nicht haben.“ (Berlet baut auf dem Parkplatz des Hauses Ennepetal – die Red.). So endet an dieser Adresse eine Tradition. Denn bevor Gehrmann und Jansen dort Fotoartikel verkauften, war in dem Haus lange Jahre Foto Schneider ansässig.

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