Landwirte haben Pläne für ihre Flächen satt

Die Landwirte haben es satt, dass über ihre Köpfe hinweg die dringend benötigten Flächen überplant werden. Von links: Udo Brakelmann, Nils Gräfingholt, Vera Gräfingholt, Kirsten Simon, Hinnerk Simon und Birgit Simon.
Die Landwirte haben es satt, dass über ihre Köpfe hinweg die dringend benötigten Flächen überplant werden. Von links: Udo Brakelmann, Nils Gräfingholt, Vera Gräfingholt, Kirsten Simon, Hinnerk Simon und Birgit Simon.
Foto: WP

Schwelm..  Groß, schwarz und stinkend steht der aktuellste Beweis nur einen Kilometer Luftlinie von dem Gut Oberberge, das die Familie Simon im landwirtschaftlichen Vollerwerb als Milchbauern bewirtschaftet: Der Schornstein des Asphaltwerks, das kurz hinter der Stadtgrenze zu Wuppertal entstanden ist. Was dieser letzten Bebauung noch folgen soll treibt den Landwirten in Linderhausen die Zornesröte ins Gesicht und lässt sie ernsthaft daran zweifeln, ob die Kinder, die die Höfe übernehmen wollen, davon überhaupt noch existieren können.

Tiertransporte unbedingt vermeiden

„Immer wieder wird über Projekte gesprochen, die auf unseren Flächen realisiert werden sollen, nur mit uns redet niemand“, sagt Hinnerk Simon und zählt auf: Der Sportpark Nord in Schwelm, das interkommunale Gewerbegebiet auf etwa 70 Hektar Fläche und nicht zuletzt der geplante Ausbau des Autobahnkreuzes Wuppertal Nord betreffen entweder den Hof Simon direkt oder einen seiner Nachbarn, die an diesem Tag auch zusammengekommen sind. Neben den Simons steht hier Vera Gräfingholt mit ihrem Sohn Nils, der den Betrieb mit Mutterkühen und Kartoffelanbau einmal übernehmen soll. Udo Brakelmann, der Mastrinder hält, ist gekommen, ebenso wie die beiden weiteren Landwirte Hans-Heinrich Vöpel und Walter Flockenhaus.

Sie formulieren ein gemeinsames Ziel: „Dieser Flächenverlust muss aufhören.“ In Schwelm als flächenkleinster Kommune in NRW sei es unmöglich Ersatzflächen zu bekommen, doch diese sind auch im Sinne einer modernen und nachhaltigen Landwirtschaft, die höchsten ökologischen Standards entspricht, unbedingt notwendig. „Wir müssen Gras und Mais für unsere Kühe anbauen, damit diese im Winter qualitativ hochwertiges Futter haben. Wir wollen die Tiere artgerecht auf die Weide lassen. Das funktioniert nur mit Flächen vor der Haustür“, sagt Hinnerk Simon. Die Folgen seien vorprogrammiert: Der autarke Kreislauf des eigenen Betriebs werde eingeschränkt. Der Weidekreislauf werde eingeschränkt, die Tiere müssten zum Weiden transportiert werden – genauso wie Futter und Gülle. „Gesunde Lebgensmittel brauchen eine heimische Landwirtschaft, die umwelt- und ressourcenschonend auf heimischen Flächen ohne großen Transportaufwand arbeiten kann“, sind sich die Landwirte einig.

Dazu komme, dass den Hofnachfolgern – die bestehen, was durchaus nicht selbstverständlich ist – die Existenzgrundlage entzogen werde. „Das heißt nicht, dass wir den Sport oder die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe nicht gut heißen, aber wir erwarten, dass die Verantwortlichen im Vorfeld auf uns zukommen, und mit uns gemeinsam nach Lösungen suchen, wenn sie schon unsere Flächen überplanen. Der Landwirt, der aktuell der Stadt Schwelm wegen des Kunstrasens den gleichen Vorwurf macht, war nicht erschienen.

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