Kunst bringt Menschen zusammen
05.05.2010 | 18:57 Uhr 2010-05-05T18:57:00+0200
Ennepe-Ruhr/Görlitz. Oft sind es kleine Ideen, die die Völker verbinden. Dass eine solche Idee im Ennepe-Ruhr-Kreis geboren wird und nun zwei Nachbarstädte in Polen und Deutschland näher bringt, ist allerdings eine Besonderheit.
Gemeint ist die Ausstellung „a´ la Jacquard”, das einzige Gemeinschaftsprojekt der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 mit dem einst unterlegenen Mitbewerber Görlitz, das jetzt an der Neiße eröffnet wurde.
Der Hattinger Kunstprofessor Bernhard Matthes wollte eigentlich nur, dass das traditionelle Handwerk der Weber, wie es in dem Bandwebereimuseum Elfringhausen gezeigt wird, nicht ausstirbt. Ulrike Brux, Chefin des Kreisheimatbundes, kam die Idee, mit einer Kunstaustellung auf die fast vergessene Bedeutung der Weberei in der Region hinzuweisen. Und sie wusste, dass auch in Görlitz einst die Webstühle den Grundstein für den Wohlstand gelegt haben.
Mit der Idee einer Gemeinschaftsausstellung in Ennepetal und Görlitz begeisterte sie den „Bürgermeister” der Kulturhauptstadt. Fritz Pleitgen übernahm die Schirmherrschaft. Und in Görlitz selbst hatten die Verantwortlichen den Einfall, den polnischen Nachbarn Zgorzelec mit ins Boot zu nehmen, um sich kulturell näher zu kommen. An insgesamt vier Orten in beiden Städten wird die Ausstellung seit dem 1. Mai gezeigt, die ab dem 4. September auch im Ennepetaler Industriemuseum zu sehen sein wird.
„Wir würden uns freuen, wenn ,a´ la Jacquard' nicht die einzige kulturelle Verbindung zwischen den Kreisen bleibt”, meint Ulrike Brux. Der Grundstein ist gelegt. In einigen Tagen wird das Kreisjugendorchester Ennepe-Ruhr an der Neiße spielen. Eine Fahrt des Kreisheimatbundes an die deutsch-polnische Grenze ist ausgebucht.
Die Ausstellung selbst bezeichnete Bernd Lange, Landrat des Kreises Görlitz, bei der Eröffnung als „Brücke in den Ennepe-Ruhr-Kreis und die Geschichte unserer Region.” Ulrike Brux erklärte die Idee dahinter: „Grundgedanke war es, auf das schwere Leben der Weber hinzuweisen, die heute im Schatten von Kohle und Stahl stehen. Wir haben bewusst keine historische Darstellung gewählt, sondern wollen dies anhand der Kunst deutlich machen.”
Künstler aus Deutschland, Polen und Tschechien haben Werke für die Ausstellung geschaffen, die sich auf die Räume einlassen, in denen sie sich präsentieren. Im polnischen Zgorzelec wird auf den Namensgeber der Ausstellung eingegangen. Joseph-Marie Jacquard (1752-1834) erfand einen Webstuhl, der mit den ersten Lochkarten der Welt gesteuert wurde.
Die Exponate, die auf der polnischen Seite zu sehen sind, wurden zum größten Teil von Volker Schlickum, dem Leiter des Bandwebermuseums in Elfringhausen, zur Verfügung gestellt, der auch begleitet von drei Webern zur Eröffnung nach Polen angereist war. Die Projektleitung übernahm Thomas Strauch von der Wittener Arbeitslosen-Initiative Wabe. „a´ la Jacquard” ist somit auch im Ennepe-Ruhr-Kreis ein grenzüberschreitendes Projekt. Aber das meinte Pleitgen eher nicht, als er bei der Eröffnung anmerkte: „Es ist schön, wenn die Kunst Menschen zusammen bringt.”
0mitdiskutieren