Kultur führt drei Schicksalsflüsse zusammen

EN-Künstler, Landratspaar und Schirmherr auf einem Foto (von links) Peter Kosch, Anna Recker, Ulrike Brux, Dr. Arnim Brux, Katharina Benke und Fritz Pleitgen.
EN-Künstler, Landratspaar und Schirmherr auf einem Foto (von links) Peter Kosch, Anna Recker, Ulrike Brux, Dr. Arnim Brux, Katharina Benke und Fritz Pleitgen.
Foto: WP

Ennepe-Ruhr/Görlitz/Breslau..  Joachim Mühle ist ein stets gut gelaunter und zuversichtlicher Mensch. Doch am Freitagabend schlich sich auch beim Kulturamtsleiter der Stadt Görlitz ein Hauch von Nervosität in das optimistische Gemüt. „Wir warten noch auf Kunstwerke aus Breslau“, sagte er mit leichten Sorgenfalten auf der Stirn – keine 20 Stunden vor der Ausstellungseröffnung. Doch die Polen waren pünktlich. Ergo: Die Vernissage zu „Wasser gleich...“ geriet zu einem Aushängeschild der Völkerverständigung über den Weg der Kultur.

Fritz Pleitgen macht Gelder frei

Busfahrer Rudi fand mit den Mitgliedern des EN-Kreistags auf den Rücksitzen zwar nicht auf Anhieb den „Dom Kultury“, wo der erste Teil des kulturellen Triumvirats stattfand, aber es war ausreichend Puffer eingeplant, so dass die Politiker vor dem offiziellen Teil einen ausgiebigen Blick über die Exponate wandern lassen konnten.

Die Ruhr im EN-Kreis, die Neiße in Görlitz und die Oder in Breslau – es fiel nicht schwer, das Wasser als verbindendes Element für die Ausstellung zu wählen. Dabei geht der Titel „Wasser gleich...“ weit über eine reine Überschrift zu der die Künstler arbeiten, hinaus, wie die offiziellen Redner mit Fritz Pleitgen als Schirmherrn an der Spitze eindrucksvoll klar machten. „Mit Blick auf das Ende des zweiten Weltkriegs ist es eine brillante Idee, diese drei Schicksalsflüsse zusammenzuführen und darüber eine Brücke zwischen den Kulturhauptstädten zu schlagen“, sagte der Geschäftsführer der Ruhr 2010, der nicht lang um die Schirmherrschaft gebeten werden musste. In Zeiten knapper Kassen sei die Neigung groß, als zuerst an Kunst und Kultur zu sparen. „Ich halte das für einen großen Fehler, denn die Wirkung dieser Bereiche wird gemeinhin unterschätzt“, so Pleiten, der darauf verwies, dass Kunst und Kultur mittlerweile als harte Standortfaktoren gepriesen werden. „Das belegen auch diese inspirierenden, spektakulären und nachdenklich machenden Werke. Glück auf!“, endete Fritz Pleitgen der sich im Vorfeld dafür stark gemacht hatte, dass übrig gebliebene Gelder der Ruhr 2010 in diesen Projekt fließen.

Lebensspender Wasser

Neben ihm sprachen Rafal Gronicz, Bürgermeister der Stadt Zgorzelec – wie Görlitz im Polnischen heißt, Bernd Lange, Landrat des Kreises Görlitz, die Prorektorin der Akademie der schönen Künste Breslau, Prof. Agate Danielak-Kjda sowie EN-Landrat Dr. Arnim Brux. Moderator war Ulf Großmann, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Europa-Haus Görlitz. Sie alle sprachen von der lebensspendenden Identität des Wassers, zogen in kurzweiligen, fast aufeinander aufbauenden Ansprachen Verbindungen zwischen den beiden Ländern, der bewegten Vergangenheit und rückten die Kultur als Brückbauelement in den Fokus.

Brückenschlag im Wortsinne

Dass dies nicht nur Worthülsen der Offiziellen sind, zeigte die zweite Station. Auf der Altstadtbrücke in Görlitz, die als Grenze zwischen Deutschland und Polen durch eine beeindruckende Installation selbst zum Kunstwerk wurde, empfing die Gäste der Vernissage zwar die Pantomime-Gruppe „Gliniada“, aber was noch schöner war: An beiden Ufern hatten sich hunderte Deutasche und Polen versammelt, um sich das Spektakel anzuschauen, bevor sich viele von ihnen in den Zug einreihten, der in das „Vino e Cultura“ führte.

Hier warteten weitere Exponate und Kuratorin Ramona Faltin stellte die zwölf Künstler sowie ihre Werke vor. Den EN-Kreis vertreten Katharina Benke, Peter Kosch, Anna Recker und Verena Wagner, die allerdings nicht anwesend sein konnte. Es ist ein Hochgenuss, zu erleben, wie sich zwölf Herangehensweisen, zwölf unabhängig arbeitende Kreative und deren Schaffen zu einem beeindruckenden Ganzen zusammenfügen.

Nachdem die Ausstellung bereits im Jahr 2013 im Ennepe-Ruhr-Kreis zu sehen war, wird sie im kommenden Jahr in die Kulturhauptstadt Breslau weiterziehen. Dann wird auch Joachim Mühle nicht nervös – er darf das ganze Spektakel zu diesem Zeitpunkt nämlich als Zuschauer genießen.

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