Krach um die Vermarktung des Brunnens

So sieht das Grundstück am Brunnen aktuell aus.
So sieht das Grundstück am Brunnen aktuell aus.
Foto: www.blossey.eu

Schwelm..  Was in sämtlichen umliegenden Städte seit Jahren zum Standard gehört, wird in Schwelm von den Vereinen sehnlichst erwartet: Fußball auf Kunstrasenplätzen. Doch die seit fast zehn Jahren laufende Diskussion zeigt: So einfach ist das nicht. Die Pläne für einen Sportpark Nord in Linderhausen liegen zwar vor, doch es hapert am Geld. Die Vereine werfen der Stadt vor, die Entwicklung zu behindern, diese will sich nicht unter Druck setzen lassen, und am Ende hat die Politik auch noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Langfristig Fusion der Vereine

Das Vorhaben ist im Prinzip schnell erklärt: Der Platz der Spielvereinigung Linderhausen wird ebenso aufgegeben wie der Rasenplatz am Brunnen, auf dem der VfB Schwelm beheimatet ist. An der Gevelsberger Straße in Linderhausen kauft die Stadt für bisher veranschlagte 310 000 Euro ein Grundstück, auf dem dann zwei Kunstrasenplätze errichtet werden sollen – inklusive eines Kabinentrakts inklusive eines Vereinheims. Für das Jahr 2016 sollen 140 000 Euro Baukostenzuschuss gewährt werden. Insgesamt also 450 000 Euro, denen die Politik bereits ihr OK gegeben hat.

In der Folge würden die Vereine ihre Zusammenarbeit ausdehnen, im Jugendbereich mit einigen der insgesamt 28 Mannschaften fusionieren, Synergien an dem neuen zentralen Standort nutzen und sich langfristig zusammenschließen, um Fußball für alle Altersklassen in Schwelm zu gewährleisten.

Finanzierungslücke schließen

So weit, so scheinbar gut. Aber: Die Kosten, um die reinen Plätze inklusive Erschließung und Peripherie wie Wege, Flutlicht und so weiter, zu bauen, liegen deutlich darüber. Bürgermeister Jochen Stobbe taxierte diese in seiner Anlage zur Verwaltungsvorlage auf 1,65 Millionen Euro. Bleibt zunächst eine Finanzierungslücke von 1,2 Millionen Euro für den Bau ohne den Gebäudetrakt – und an dieser Stellen beginnen die Probleme.

Denn: Die Vereine wollen diese Lücke über den Verkauf des Grundstücks am Brunnen schließen. Freiherr von Hövel hat am 25. November mit der Stadt einen Vertrag geschlossen, dass das Grundstück, auf dem sich der Rasenplatz befindet unentgeltlich an den VfB zurückgeschenkt wird, wenn der Rat den Beschluss gefasst hat, dass dieses nicht mehr als Sportfläche genutzt werden soll. Dieser Beschluss steht bevor, der VfB will dann das Grundstück vermarkten. Ab hier wird es brisant, denn zwei Planungen liegen vor (siehe nebenstehenden Grafiken). In der ersten Variante würden acht Häuser an der Seite zur Lohmühle errichtet, eine breite Sichtachse auf das Haus Martfeld würde zu einem Park. Angenommener Erlös: 900 000 Euro, die die Finanzierungslücke nicht schließen würden.

Variante zwei sieht doppelt so viele Häuser vor. Der VfB rechnet bei einem Verkauf dann mit 1,8 Millionen Euro und hätte dadurch sogar einen Grundstock für den Bau des Kabinentraktes. Was dort allerdings errichtet werden darf, soll in einem Bebauungsplan geregelt werden. Den erstellt die Verwaltung und beschließt die Politik – eventuell nach entsprechenden Veränderungen.

VfB will nur die große Lösung

Der VfB sieht sich hier vom Bürgermeister ausgebremst. „Jochen Stobbe will die Lösung mit dem großen Loch in Richtung der Tennisplätze durchdrücken. Ich kann mir nicht erklären warum, aber wir lassen uns nicht kalt enteignen“, ereifert sich VfB-Vorstandsmitglied Michael Starke. In der Kostenplanung des Bürgermeisters sind derzeit 900 000 Euro aufgeführt, was einer Finanzierungslücke von 750 000 Euro entspricht. „Damit wäre das Projekt gescheitert“, sagt Starke. Für den VfB käme nur die Lösung zum Tragen, bei der laut Verein 1,8 Millionen Euro Kaufpreis zu erzielen wären.

Anwohnerbelange abwägen

Zudem betont Starke, dass er die politischen Beschlüsse zu einem Bebauungsplan der zweiten Variante bis zum 30. Juni erwartet. „Ansonsten ist das Projekt tot, und dann werden auch einige Vorstände in den Vereinen resigniert ihre Arbeit niederlegen.“ In der Tat besteht ein Vorkaufrecht für das Grundstück an der Gevelsberger Straße in Linderhausen bis zu exakt diesem Datum. Noch hat es keine Entscheidung aus der Politik dazu gegeben, ob die Verwaltung mit der Eigentümerin Gespräche aufnimmt, um dieses zu verlängern oder nicht.

Aus Sicht des Vereins hängt alles vom Bebauungsplan ab. Wie die Vorlage, die die Verwaltung für die nächste Sitzungsperiode erarbeiten will, aussehen wird, das vermag Bürgermeister Stobbe noch nicht zu sagen. „Dieser B-Plan und der auf Linderhausen bedingen sich gegenseitig. Ob große oder kleine Bebauung – das müssen wir noch erarbeiten. Dabei lege ich Wert darauf, dass die Anwohnerbelange gründlich abgewogen werden“, sagt das Stadoberhaupt. Er erinnere sich gut an die Menschen ,die Sturm liefen gegen den Bau der Biologischen Station. „Das wird sich bei einer Riegelbebauung wiederholen.“

Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

Bürgermeister Jochen Stobbe wehrt sich gegen den Vorwurf, er wolle die große Lösung verhindern und betont, dass er Befürworter sei, in Linderhausen zwei neue Kunstrasenplätze entstehen zu lassen. „Ich favorisiere überhaupt keine Lösung, es geht einzig darum, Geld für die Finanzierung zu gewinnen.“

Die kleine Bebauung sei Vorschlag eines Planers gewesen, der diese als „öffentlich vertretbar und durchführbar ansieht.“ Bei der anderen Varianten müsse den Bürgern erklärt werden, warum eine Riegelbebauung den Blick auf das Schwelmer Schmuckkästchen Haus Martfeld von der Hauptstraße aus versperre. „Wir müssen auch den Menschen zuhören, die das Ensemble Martfeld anders entwickeln wollen.“ Ebenso bei dem im Anhang zur Verwaltungsvorlage aufgeführten angenommenen Verkaufserlös von 900 000 Euro sieht er sich missverstanden.

Querfinanzierung durch Wilhelmshöhe

„Diese Summe ist das schlechtestes anzunehmende Ergebnis. Erzielt der Verein eine höhere Summe, wird selbstverständlich mit dieser geplant.“ Generell müsse man vorsichtig sein, Erfolg oder Misserfolg auf den Bebauungsplan zu reduzieren. Denn Zusatzinvestitionen zum Beispiel durch den Bau eines Lärmschutzwalles Richtung Tennisanlage kämen laut Gesetz auf den Investor zu, wenn er bestimmte Abstände zum Gelände des TC Blau Weiß unterschreite.

Der Bürgermeister sieht die Lösung in einer Querfinanzierung durch den Erlös aus dem Verkauf des Sportplatzes an der Wilhelmshöhe, über deren Umwidmung zur Wohnfläche heute Abend im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung entschieden wird. „Die Politik sieht dies bisher zwar voneinander losgelöst, aber ich appelliere, das im Hinterkopf zu halten.“

Außerdem nimmt er die Vereine in die Pflicht, sich Sponsoren zu suchen und die Kosten durch Eigenleistung zu drücken. Dies gelte vor allem für den geplanten Bau des Kabinen- und Vereinsheimtrakts, für den bisher immer wieder die Summe von zusätzlichen 600 000 Euro genannt wird.