Kopftuch in der Schule: Ja oder nein?

Eine Lehrerin mit Kopftuch in der Schule: Bürgermeister Claus Jacobi hält es für selbstverständlich.
Eine Lehrerin mit Kopftuch in der Schule: Bürgermeister Claus Jacobi hält es für selbstverständlich.
Foto: imago/epd

Gevelsberg..  Einer muslimischen Lehrerin wurde bisher verboten, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen. Das wird sich ab jetzt ändern, denn das Verbot an deutschen Schulen wurde per Gerichtsbeschluss aufgehoben. Doch oftmals löst dies einige Diskussionen aus. Auch in Gevelsberg. So wollte zum Beispiel Eberhard Wehberg als interessierter Bürger bei der letzten Sitzung des Schulausschusses wissen, wie die Stadt auf das aus seiner Sicht gefährliche Urteil reagieren würde.

Zwänge befürchtet

Es ist klar, dass sich nun an einigen Schulen etwas ändert. Es wird jedoch befürchtet, dass manche muslimische Schülerinnen, die sich von religiösen Vorgaben zu emanzipieren versuchen, durch die Aufhebung des Kopftuchverbotes unter Druck gesetzt werden. Von ihnen könnte noch nachdrücklicher verlangt werden, ein Kopftuch zu tragen, wenn die Lehrerin als Autoritätsperson völlig selbstverständlich im Unterricht dies tut.

Ein weiterer Kritikpunkt ist es, dass das Tragen eines Kopftuches nicht nur Ausdruck des Glauben ist, sondern oft auch als Zeichen für die Unterdrückung der Frau wahrgenommen wird. Oder noch mal anders gefragt: Wieso müssen muslimische Männer ihr Haupt nicht verhüllen? So wird das Kopftuch oftmals als Symbol für alles Mögliche missbraucht, aber nicht für das, was es für die meisten muslimischen Frauen und Mädchen ist, nämlich zuallererst die Erfüllung einer religiösen Vorschrift.

Bürgermeister Jacobi dafür

Bürgermeister Claus Jacobi befürwortet die Abschaffung des Kopftuchverbotes. „Das Tragen eines Kopftuches ist ganz klar auch ein Teil der Religionsfreiheit.“, so Jacobi. „Die Stadt Gevelsberg wird sich, wie es sich gehört, selbstverständlich an die Verfassung halten.“ Als Jurist habe er das Verbot nie verstanden. So wie eine Ordensfrau als Lehrerin ihre Tracht tragen dürfe, müsse es einer Muslima auch erlaubt sein, mit einem Kopftuch in die Schule zu kommen.

Übrigens: Auch einem jüdischen Lehrer ist es durch die Abschaffung des Kopftuchverbotes erlaubt, im Unterricht eine Kippa zu tragen. Im Falle einer Wiedereinführung des Verbots müssten laut Gericht auch weitere Konsequenzen folgen, so dass auch Christen verboten werden müsste, ein Kreuz um den Hals zu tragen oder das Kruzifix in Klassenräumen aufzuhängen.