Klares Votum für Kinder- und Jugendparlament

Eine Sitzung des Kinder- und Jugendparlaments in Witten. In Ennepetal soll es nach dem Willen des Jugendhilfeausschusses auch eine solche Einrichtung für Kinder und Jugendliche geben.
Eine Sitzung des Kinder- und Jugendparlaments in Witten. In Ennepetal soll es nach dem Willen des Jugendhilfeausschusses auch eine solche Einrichtung für Kinder und Jugendliche geben.
Foto: FUNKE Foto Services

Ennepetal..  In Ennepetal soll ein Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) eingerichtet werden. Dafür sprach sich der Jugendhilfeausschuss am Mittwoch einstimmig aus. Die Verwaltung wurde beauftragt, bis zur nächsten Sitzung des Gremiums zu Papier zu bringen, wie der Aufbau einer solchen Einrichtung organisiert werden kann und welche Voraussetzungen, vor allem in personeller und finanzieller Hinsicht, von Seiten der Stadt dafür geschaffen werden müssen.

Vertreter aus Witten zu Gast

In der Ausschusssitzung hatten Vertreter des Kinder- und Jugendparlaments der Stadt Witten, das es bereits seit 1997 gibt, ihre Einrichtung vorgestellt. Die Sprecherin des Gesamtparlaments, Franziska Klage, und Tobias Sternberg, Sprecher des Arbeitskreises Herbede/Heven, erläuterten gemeinsam mit dem Wittener Kinder- und Jugendbeauftragen Gerd Kinski Geschichte, Zusammensetzung, Struktur und Arbeitsorganisation, Rechte, Themenschwerpunkte und konkrete Projekte.

Moderiert wird die Arbeit des KiJuPa Witten durch den Kinder- und Jugendbeauftragten. Er sei Bindeglied zwischen Kindern und Jugendlichen und Erwachsenen, koordiniere die Abläufe und Themen, gebe inhaltliche Hilfestellung, berate bei der Umsetzung von Ideen und Projekten und führe die Geschäfte. „Ich verstehe mich als ,Trainer’ des KiJuPa“, erklärte Gerd Kinski.

Kinski erklärte, dass ein erster Versuch, ein KiJuPa in Witten zu etablieren, gescheitert sei, weil man von Seiten der Stadt mit einem vorgefertigten Konzept angetreten war. Erst als die Kinder und Jugendlichen selbst an der Ausgestaltung mitwirken konnten, habe es funktioniert. Um zu dokumentieren, dass das Parlament ernst genommen wird, ist ein Rede- und Antragsrecht in Rat und den Fachausschüssen verankert.

Das Gremium in Witten setzt sich aus je zwei bis sechs Vertretern aller weiterführenden Schulen zusammen. Beratende Mitglieder sind der Bürgermeister, der Jugenddezernent, der Vorsitzende des Jugendhilfe- und Schulausschusses, dessen Stellvertreter und der Kinder- und Jugendbeauftragte. Halbjährlich findet eine Vollversammlung statt, gearbeitet wird in stadt- und stadtteilorientierten Arbeitsgruppen.

Etwa 8500 Euro habe die Stadt bislang jährlich für das Parlament an Sachmitteln und für Organisatorisches zur Verfügung gestellt, erläuterte Gerd Kinski hinzu kämen 3000 Euro Sponsorengelder. Nicht eingerechnet seien Personalkosten und Landesmittel. Für dieses Jahr habe der Rat allerdings 30 000 Euro zusätzlich bewilligt, um ein Zeichen zu setzen, dass die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen ausgebaut werden soll. Dieser Betrag solls nach den Willensbekundungen der Politiker trotz der sehr schlechten Haushaltslage auch künftig zur Verfügung gestellt werden.

Konkrete Projekte, die das KiJuPa auf den Weg gebracht hat, sind nach Darstellung von Franziska Klage und Tobias Sternberg unter anderem der autofreie Sonntag in der Innenstadt zum Weltkindertag, die Einrichtung neuer Jugendtreffs, die Verbesserung von Spielmöglichkeiten und Partyangebote. Aktuell befasse man sich mit Themen wie der Schulentwicklungsplanung, einem Skaterpark, Schülerrechten und der Situation von Flüchtlingskindern in Witten, berichteten die beiden. Auch habe man einen Film gedreht: „Die ganze Wahrheit über Witten“.

Ebenfalls als Gäste im Ausschuss waren Elisabeth Heeke und Katharina Fournier von der LWL-Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung in NRW. Sie stellten dar, dass es zwei große Wege der Partizipation gebe: Der eine beinhalte feste Formen, eine Satzung und klare Strukturen. Der andere sei offen, es gebe kontinuierliche Treffen, aber keine feste Bindung. Vor allem werde in offenen Jugendforen zu aktuellen Themen gearbeitet. Der Vorteil sei, dass man so vielleicht mehr Jugendliche erreiche. Der organisatorische Aufwand sei aber höher, erklärten beide. Um die Kinder und Jugendlichen bei der Stange zu halten sei viel Beziehungsarbeit gefragt. „Wenn die gut ist, wenn das spannend ist, dann bleiben sie dabei.“

Persönlichkeitsbildung fördern

Anita Schöneberg (SPD) forderte die Mitglieder auf, den Willen zu bekunden, dass in Ennepetal ein KiJuPa eingerichtet werden soll, nicht zuletzt um die Persönlichkeitsbildung und das politische Bewusstsein von Kindern und Jugendlichen zu fördern. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, sagte sie. CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Heymann gab zu bedenken, dass man schon seit einigen Jahren an dem Thema arbeite. Er meinte, dass die Schulleitungen einer solchen Einrichtung inzwischen zwar sehr positiv gegenüberstünden, der organisatorische Aufwand aber zu berücksichtigen sei. „Wenn wir den Willen bekunden, ein Kinder- und Jugendparlament einzurichten, werden die Schulleitungen dem nicht im Weg stehen“, betonte Petra Backhoff.

INFO:

Auf Nachfrage der Ausschussvorsitzenden Petra Backhoff (Grüne) erklärte Wittens Kinder- und Jugendbeauftragter Gerd Kinski, dass er als wichtigste Vorgaben für ein funktionierendes Kinder- und Jugendparlament die Verankerung eines Antrags- und Rederechts, hauptamtliche Begleitung und die Gewährleistung der Eigenständigkeit der Kinder und Jugendlichen sehe.

Elisabeth Heeke und Katharina Fournier von der LWL-Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung in NRW halten für besonders wichtig die Person, die sich um das Parlament kümmert, dass das Gremium gewollt ist – was zum Beispiel mit einem Antrags- und Rederecht dokumentiert werden könne – und ein finanzielles Budget, damit auch eigen Projekte umgesetzt werden können.