Klärwerk-Umbau ist bald abgeschlossen

Das Herzstück des Klärwerks: Eckhard Kissler zeigt auf die großen Becken, in denen die neue Belüftungstechnik eingebaut wurde
Das Herzstück des Klärwerks: Eckhard Kissler zeigt auf die großen Becken, in denen die neue Belüftungstechnik eingebaut wurde
Foto: WP

Schwelm..  Vor knapp fünf Jahren hat der Wupperverband mit einem Millionen-Projekt in Schwelm begonnen, das alle Einwohner der Stadt betrifft, das aber kaum jemand je bemerkt haben dürfte. Und das ist gut so. Denn es handelt sich um den mehrjährigen Umbau des Klärwerks an der Blücherstraße. Im ersten Halbjahr 2015 sind alle Arbeiten abgeschlossen.

Anlagenverantwortlicher Eckhard Kissler zeigt auf die großen Becken. „Das hier ist unsere Biologie.“ Es ist das Herzstück der Anlage, wenn man so will. Hier wird das Abwasser aller Schwelmer Haushalte wieder auf Vordermann gebracht. Mikroorganismen in den großen Becken „fressen“ Bakterien und Co. der Fäkalien und anderer Inhaltsstoffe auf.

Neue Belüftungstechnik

Die kleinen „Fresser“ kommen aber erst so richtig auf Touren, wenn es für sie gemütlich ist. Wenn es so richtig schön blubbert im Becken, wenn Sauerstoff und Umgebungstemperatur zueinander passen.

Neueste Technologie macht’s möglich, dass dies im Klärwerk Schwelm nun Tag und Nacht der Fall ist. Der Wupperverband hat in den vergangenen Jahren die Belüftungstechnik komplett erneuert und der „Biologie“ eine hochmoderne Überwachung und Steuerung spendiert. Früher gab’s nur An und Aus, heute wird je nach Lage fein dosiert.

Investiert wurde auch an anderen Stellen. Am Rechenhaus und Sandfang im vorderen Teil der Anlage beispielsweise oder in dem Nachklärbecken. Dort wird der Schlamm, der sich beim biologischen Abbauprozess am Boden absetzt vom Wasser getrennt.

Große Räumer, neuerdings aus Kunststoff statt wie früher aus Holz und Metall, schieben den Schlamm mitsamt den Mikroorganismen zurück ins Klärsystem. Denn die „kleinen Fresserchen“ haben längst noch nicht ausgedient und kommen zum „Bakterien-Verspeisen“ zurück ins große Bio-Becken. Das Klärwerk ist wie ein Kreislauf. Schlamm, der ausgedient hat, kommt zur Vergärung in die Biogasanlage, und die liefert am Ende den Strom, mit dem das System am Laufen gehalten wird.

Auch bei der Biogasanlage hat der Wupperverband in den letzten Jahren ordentlich investiert. In einen neuen großen Gasspeicherkessel beispielsweise und in zwei viel effektivere Blockheizkraftwerke, die den Saft erzeugen, der das Klärwerk an 365 Tagen im Jahr, bei Tag und Nacht am Laufen hält.

Alle Investitionen zusammen summieren sich auf 7,1 Millionen Euro und dienen nur einem Zweck: Das Klärwerk Schwelm soll optimal arbeiten und energetisch hocheffektiv werden. „Mit der neuen Technik können wir aktuell etwa 80 Prozent des Stroms, den wir brauchen, selbst erzeugen“, erklärt Anlagenverantwortlicher Eckhard Kissler. Bis zum Jahr 2020 sollen es sogar hundert Prozent werden. Das Klärwerk wäre dann theoretisch autark.

Die verbleibenden Prozente will der Wupperverband jetzt unter anderem durch die Feinjustierung der neuen Schalt- und Verfahrenstechnik erzielen. Neue kleine Steuerschränke, vollgestopft mit modernster Elektronik, haben die alte, raumhohe Schalttafel ersetzt. Sobald der Umbau abgeschlossen ist und alle neuen Komponenten in Betrieb sind, wollen Eckhard Kissler und sein Team sich daran machen, auch die „kleinsten Stellschrauben“ in der Steuerelektronik noch zu drehen. Und was ist mit dem Schlamm, der nach dem Vergären nicht mehr zu gebrauchen ist? Bis in die Achtziger Jahre wurde er abgepumpt und auf die Felder der umliegenden Bauern gebracht. Geänderte Bestimmungen lassen das nicht mehr zu. Heute wird er zum Klärwerk Buchenhofen transportiert und dort in der Verbrennungsanlage verfeuert.