Kinderbetreuung wird zum heiklen Thema

Die Kita Heilig Geist
Die Kita Heilig Geist
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Schwelm.. Zwickmühle bei der Tagespflege und Probleme nach einem eventuellen Umbau der Katholischen Kindertagesstätte alle Schwelmer Kinder unterzubringen: Im Gesamtkomplex der Kinderbetreuung im Vorschulalter zwischen null und sechs Jahren ist mächtig Bewegung. Es läuft nicht alles rund, es kostet Geld. Aber im Sinnes des Nachwuchses sehen Politik und Verwaltung keine Alternativen.

Andere Städte zahlen längst mehr

Zuvorderst setzt die Stadt Schwelm bei den Richtlinien über die Förderung der Kindertagespflege an. Anstatt 4,50 Euro wird – wenn der Rat der Stadt Schwelm den jeweils einstimmigen Entscheidungen und Jugendhilfe- und Finanzausschuss folgt – jede qualifizierte Tagesperson pro Stunde und Kind 5,50 Euro aus der Stadtkasse erhalten.

Hört sich wenig an, doch Kämmerer Ralf Schweinsberg rechnete im Jugendhilfeausschuss vor: „Gehen wir von 55 Kindern aus, die im Durchschnitt 35 Stunden pro Woche, 52 Wochen im Jahr betreut werden, sind das 100 100 Euro Mehrausgaben.“ Diese sind bisher nicht im Haushalt bereitgestellt und werden auch im bereits vorangeschrittenen laufenden Jahr komplett zu Buche schlagen. Denn: der Beschluss gilt rückwirkend zum 1. Januar.

Gesetz gilt seit August 2014

Dabei ist wichtig, dass die Stadt Schwelm dies nicht aus reiner Gutmütigkeit macht, sondern aus zweierlei zwingenden Gründen. Einerseits hat der NRW-Landtag bereits am 17. Juni 2014 das „Gesetz zur Änderung des Kinderbildungsgesetzes und weiterer Gesetze“ beschlossen, das bereits zum 1. August vergangenen Jahres in Kraft trat. Das beinhaltet, dass die Tagespflegepersonen mit Ausnahme einer „angemessenen Entschädigung für die Verabreichung von Mahlzeiten“ keine zusätzlichen Kostenbeiträge von den Eltern mehr erheben dürfen. Damit die dringend benötigte Tagespflege trotzdem aufrecht erhalten werden kann, haben die Jugendamtsleitungen des EN-Kreises und die Fachberatungen der Kindertagespflege die Empfehlung von 5,50 Euro ausgesprochen.

Diese ist in den umliegenden Städten bereits umgesetzt, was in Schwelm Probleme nach sich zieht. Claudia Felsch, die mit anderen für den Kinderschutzbund neun Kinder im „Kleinen Elefanten“ betreut: „Mit 4,50 Euro wäre die Arbeit in einer Großpflegestelle nicht mehr länger möglich.

Außerdem haben wir Anfragen von Eltern aus anderen Städten, ob wir ihre Kinder nicht aufnehmen würden. Ihr Argument: ,Unsere Stadt zahlt doch mehr.’ Wir könnten also problemlos locker sechs Kinder mehr haben.“ Es vergehe keine Woche, in der nicht mindestens zwei, drei dieser Anfragen an uns gerichtet werden.“

Jugendamtsleiter Olaf Menke hat aber noch eine ganz andere Gefahr ausgemacht: „Gevelsberg und Ennepetal suchen dringend nach qualifiziertem Tagespflegepersonal.“ Dies sei nicht nur für die Großpflegestellen der Fall sondern auch im Bereich der Betreuung die bei den Leuten zu Hause stattfindet. „Zahlen die Nachbarstädte mehr, habe ich die große Sorge, dass uns unser Personal abhanden kommt und wir unserem gesetzlichen Betreuungsauftrag nicht mehr nachkommen können.“

36 Ü3-Plätze würden wegbrechen

Der Kämmerer machte deutlich: „Ich kann die Deckungsmöglichkeit nicht geben.“ Doch der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Marcel Gießwein (Grüne) ist sich sicher, die Mehrausgaben aus dem Stadtsäckel schultern zu können: „Ich glaube, dass im 2015er Haushalt noch 100 000 Euro Luft sind.“ Was passiert, wenn dies nicht möglich sein sollte, verdeutlicht Olaf Menke: „Dann sitzen wir hier bald zusammen, weil uns die U3-Plätze wegbrechen.“ Doch was ist die Alternative? Der Neubau eines Kindergartens käme mit Sicherheit noch deutlich teuerer. Vor allem weil in diesem Bereich die nächsten Probleme ins Haus stehen. Hier wackelt die Kapazität für die Kinder über drei Jahre.

Letzter Trumpf liegt bei der Stadt

Denn: Der Kita-Zweckverband im Bistum Essen hat formlos erklärt, die Katholische Kindertagesstätte „Heilig Geist“ in die Moderne führen und für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren umwandeln zu wollen.

Laut aktueller Planungen am Bischofssitz könnten dadurch bis zu 36 Ü3-Plätze ab dem Kindergartenjahr 2016/2017 wegfallen. Olaf Menke, der diverse andere mögliche Planungen zum Um- und Ausbau der in die Jahre gekommenen Einrichtung vorlegte, machte unmissverständlich klar: „Das können wir nicht kompensieren.“

Der Kämmerer und 1. Beigeordnete der Stadt Schwelm, Ralf Schweinsberg erklärte: „Wir wollen mit dem Kita-Zweckverband und dem Jugendamt eine einvernehmliche Lösung finden.“ Sollte das nicht gelingen, liegt der letzte Trumpf bei der Stadt Schwelm.

Denn wenn das Jugendamt der Kreisstadt die kirchlichen Planungen gegenüber dem Landesjugendamt ablehnt, darf der Zweckverband auch nicht umstellen. Olaf Menke: „Der Träger kommt nicht an uns vorbei.“