Khaled und das Gefühl, dazuzugehören

Khaled beim Taekwondo-Training: Die Gemeinschaft im Verein hilft dem jungen Mann, der aus Syrien nach Ennepetal kam, Anschluss zu finden. Und nebenbei kann er auch etwas für seine Gesundheit tun.
Khaled beim Taekwondo-Training: Die Gemeinschaft im Verein hilft dem jungen Mann, der aus Syrien nach Ennepetal kam, Anschluss zu finden. Und nebenbei kann er auch etwas für seine Gesundheit tun.
Foto: Jan Weckelmann

Ennepetal..  Khaled Al-Rifai ist Syrer, 21 Jahre alt und kam vor fünf Monaten im Flüchtlingsheim an der Heimstraße in Ennepetal an. Durch ein zweitägiges Taekwondo-Schnuppertraining, das der Verein To-San Ennepetal und der Kreissportbund (KSB) speziell für Flüchtlinge vor den Weihnachtsferien im Mehrgenerationenhaus angeboten hatten, ist Khaled nun auch in einem Sportverein angekommen.

Die beispielhafte Geschichte von Khaled hat Jan Weckelmann, Mitglied der Sportjugend im KSB, in einer Reportage unter dem Titel „Mein größter Wunsch“ festgehalten. Bilder, kurze Videosequenzen und Interviewausschnitte zeichnen ein eindrucksvolles Porträt des jungen Flüchtlings. In der Jahreshauptversammlung des Kinderschutzbundes Ennepetal führte Darleen Manz den Film vor. Die 17-Jährige ist Mitglied im To-San und hat sich mit anderen Mitgliedern ihres Vereins in den vergangenen Monaten um Khaled gekümmert.

„Khaled ist für den Verein eine große Bereicherung“, erklärte Darleen den Anwesenden. Anfangs sei die Kommunikation sehr schwierig gewesen, da der junge Mann kaum Deutsch sprach. Doch man habe immer einen Weg gefunden. „Ich will Deutsch lernen und Sport machen“, sagt Khaled in dem Film. „Mein Wunsch ist, zu studieren und hier zu bleiben“, erklärt er. Er war vor dem syrischen Bürgerkrieg geflohen, über Libyen mit dem Schiff nach Italien und dann mit dem Zug nach Deutschland gekommen. „Ich habe einen Hochschulabschluss“, berichtet Khaled. „Aber ich habe kein Zertifikat. Das ist in der Hauptstadt. Und die ist kaputt.“

Das Ziel des Projekts, so erklärte Darleen, sei, Flüchtlinge durch Sport zu integrieren. Es seien Menschen, die viel erlebt haben, die hier ankommen und viele Regeln noch nicht kennen. Im Verein könnten sie das Gefühl bekommen dazuzugehören. „Sie sollen auch Spaß haben und abschalten können“, meint die 17-Jährige. Über den Sport im Verein könnten Flüchtlinge ohne Mühe integriert werden. „Das funktioniert einfach“, so Darleen.

Auch sprachlich große Fortschritte

„Wir freuen uns über jeden, der mitmacht und Spaß an unserem Sport findet, das allein ist für uns eine Bereicherung und bietet enormes Potenzial für unseren Verein“, sagt Frank Hoffmann, 1. Vorsitzender des To-San Ennepetal. Aus einer Initiative des KSB und des Stadtsportverbandes war gemeinsam mit dem Sozialamt der Stadt die Idee entstanden, den Flüchtlingen an der Heimstraße ein Sportangebot zu machen. Beate Vohwinkel vom KSB und Sarah Biet Sayah, Flüchtlingssozialarbeiterin der Stadt Ennepetal, wissen, dass viele Flüchtlinge beim Sport ihre traumatischen Erlebnisse vergessen – zumindest für einen kurzen Moment. Nebenbei tun sie auch noch etwas für ihre Gesundheit. Khaled ist zumindest davon überzeugt, dass er durch die wöchentlichen Kicks und Krafttrainingseinheiten im Verein fitter geworden ist.

Auch sprachlich wird Khaled immer gewandter und geht in den Angriff über, schmunzelt Sarah Biet Sayah. „Er lernt fleißig Deutsch und manchmal kommt es sogar vor, dass er seine Trainingspartner höflich auf Grammatikfehler aufmerksam macht“, so die Stadt-Mitarbeiterin.

Mittlerweile geht Khaled regelmäßig zum Taekwondotraining des To-San. Anfangs begleitet durch einen Trainingspartner vom Verein, findet er mittlerweile den Weg zum Gymnastikraum am Reichenbach-Gymnasium allein. Frank Hoffmann legt keinen großen Wert darauf, dass jeder Flüchtling sofort Mitglied wird. Er freut sich über engagierte Sportler wie Khaled, der schon jetzt das Vereinsleben aktiv mitgestaltet. „Wenn nach ein paar Einheiten Interesse an der Mitgliedschaft besteht, hat sich in Absprache mit der Stadt immer ein Weg gefunden“.

Vereine können Mittel beantragen

Zusätzlich biete der LandesSportBund Sportvereinen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, die Möglichkeit Mittel zu beantragen, heißt es von Seiten des Kreissportbundes. So hätten bislang zehn Vereine im EN-Kreis einen Antrag auf eine Förderung in Höhe von 500 Euro gestellt, um beispielsweise den Übungsleiter oder die Vereinsmitgliedschaft zu finanzieren.

„Es sollte jeder für sich überlegen, wie er seinen Teil dazu beitragen kann, dass Flüchtlinge integriert werden“, sagte Darleen zum Abschluss der eindrucksvollen Präsentation beim Kinderschutzbund. „Es muss ja nicht immer über den Sport sein.“

Die Reportage von Jan Weckelmann kann auf der Internetseite des Kreissportbundes Ennepe-Ruhr angeschaut, geteilt und weiter genutzt werden, auch um weitere Sportvereine und Akteure für das Thema zu sensibilisieren:

www.ksb-en.de/sportprogramme/integration-durch-sport.html