Keiner widerspricht der Kanzlerin

Für Michael Pfleging, Jasmin Breer, Bettina Bothe und Gabriele Schumacher (von links) gehören die Flüchtlinge zum Alltag ihrer Arbeit im Rathaus..
Für Michael Pfleging, Jasmin Breer, Bettina Bothe und Gabriele Schumacher (von links) gehören die Flüchtlinge zum Alltag ihrer Arbeit im Rathaus..
Foto: Klaus Bröking
  • „Wir schaffen das“ - in Gevelsberg wird daran geglaubt
  • Autohaus als Notaufnahme bereits aufgegeben
  • Netzwerk von Ehrenamtlichen unterstützt die Stadtverwaltung

Gevelsberg.. Über keinen Satz wurde in den vergangenen Jahren mehr diskutiert als über den von Angela Merkel. „Wir schaffen das“, hat die Kanzlerin angesichts des Zustroms der Flüchtlinge versichert. Ob sie Recht hat?

Im Gevelsberger Rathaus sitzen diejenigen zusammen, für die das Flüchtlingsproblem zur täglichen Arbeit gehört. Michael Pfleging ist der zuständige Fachbereichsleiter. Er meint: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Jasmin Breer sitzt im Büro für Vielfalt und Zukunftschancen. Sie antwortet überzeugt: „Gevelsberg schafft das.“ Bettina Bothe kümmert sich um die schulischen Aspekte: „Die zugezogenen Mädchen und Jungen aus dem EU-Ausland machen uns größere Probleme als die Flüchtlingskinder.“ Gabriele Schumacher, für die sozialen Leistungen verantwortlich: „Wir schaffen das, weil die Gesellschaft in Gevelsberg so ist, wie sie ist.“

Die nackten Zahlen

Es geht um eine Bestandsaufnahme. 550 Menschen sind mit der Flüchtlingswelle nach Gevelsberg gekommen. 350 davon beziehen noch Mittel von der Stadt. Der Rest hat eine Aufenthaltserlaubnis für zwölf Monate oder drei Jahre in der Bundesrepublik erhalten und wird nun vom Jobcenter des Ennepe-Ruhr-Kreises betreut, zumindest was das Finanzielle betrifft. Die soziale Betreuung der Menschen und die Kosten dafür bleiben bei der Stadt.

Gevelsberg hat von der Bezirksregierung in Arnsberg mehr Flüchtlinge zugewiesen bekommen, als die Stadt eigentlich aufnehmen müsste. „Seit Januar sind deshalb keine Menschen mehr zu uns gekommen“, sagt Pfleging und Gabriele Schumacher relativiert: „Es gab allerdings Familienzusammenführungen und einige minderjährige Alleinreisende, die nach Gevelsberg gekommen sind.“

Die Unterbringung

Die Notunterkunft, das ehemalige Autohaus von van Eugen am Sinnerhoop, ist Ende September aufgegeben worden. Die Stadt hat in 60 Objekten an die hundert Privatwohnungen zur Unterbringung der Flüchtlinge angemietet. Im Augenblick gibt es wieder eine Reserve von 75 freien Plätzen. Die Zahl sei relativ, erklärt Pfleging: „Es kann zum Beispiel sein, dass wir gezwungen sind in eine Wohnung, die für eine fünfköpfige Familie geeignet ist, nur drei Personen einziehen zu lassen, weil es sonst keine Alternative gibt.“

Das Beschäftigungsprogramm

Die Stadt Gevelsberg hat 30 Stellen für Flüchtlinge genehmigt bekommen, die sie nun einrichten kann. Jeder darf maximal 30 Stunden in der Woche arbeiten, höchstens sechs Monate und muss eine Bleibeperspektive haben. Außerdem soll die Arbeit die Integration fördern. Michael Pfleging will nicht den Weg von Schwelm gehen, wo ein Clean-Team aus Flüchtlingen für eine saubere Stadt sorgt: „Wir setzen uns in den nächsten Wochen mit der Volkshochschule zusammen, um ein Konzept zu erarbeiten.“ Pfleging kann sich Einsätze im Schulbereich, zum Beispiel in der Küche, aber auch bei Vereinen oder Sozialeinrichtungen vorstellen.

Grundsätzlich würden die Menschen, die aus den Krisengebieten der Welt nach Gevelsberg gekommen sind, gern selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen und sich auch aktiv eine Arbeit suchen. Wenn sie etwas gefunden haben, sei es ihnen nur schwer zu vermitteln, dass sie nicht arbeiten dürfen, weil ihnen die Anerkennung fehle. Es gebe aber auch positive Geschichten: „Wir haben einen Flüchtling, der seine immerhin fünfköpfige Familie mit seinem Gehalt selbst ernähren kann. Es gibt auch Menschen, die sich bereits selbstständig gemacht haben.“

Ehrenamtliches Engagement

Dass ehrenamtliche Engagement, das in Gevelsberg der Flüchtlingswelle entgegen gesetzt wurde, sei weiterhin groß. „Aus den einzelnen Initiativen ist mittlerweile ein gut organisiertes Netzwerk geworden, bei dem die Beteiligten wie in einem Uhrwerk zusammenarbeiten“, lobt Jasmin Breer. Es gibt die Patenschaften, Treffs im Filmriss und in der Stadtbücherei, der Einsatz der Mentoren als Sprach- und Lesehelfer an den Schulen und, und, und.. Besonders die Kinder würden sich rasant entwickeln. Und das ist der Blick in die Zukunft.

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